Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Es macht mich unendlich traurig...
Casa Carota
02.12.2009, 18:46
Ich bin gerade ziemlich aufgewühlt und fassungslos.
Eigentlich fehlen mir die Worte und doch gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf.
Wie kann ein junger Mensch im Alter von 21 Jahren das Leben nehmen und die Menschen, die ihn lieben, mögen und gern haben so rücksichtslos zurück lassen?
Sie ist im September in eine andere Stadt gezogen, um dort zu studieren. Dass ihr das Fach nicht lag, merkte sie schnell und warf das Studium hin.
Sie fand einen Job in einem Geschäft und wollte erst mal nicht nach Göttingen zurück ziehen.
Ich hatte die ganzen Wochen den Eindruck, dass sie sich dort sehr wohl fühlt und in einer netten WG wohnt, sich mit den Mitbewohnerinnen sehr gut versteht.
Am Samstag in der Nacht haben wir beide noch online zusammen gespielt und dabei geskypt. Es war ihr nicht mit einer Silbe anzumerken, dass sie aus dem Leben gehen wird.
Vor 2 Wochen noch kamen die beiden mit Kuchen und dann haben wir hier fast den ganzen Sonntag gespielt. Später haben wir dann bei Youtube Videos von Hochzeitstänzen gesehen und die beiden sagten, sie hätten sich dort auch schon umgesehen. Sie wollten auf ihrer Hochzeit auch etwas Verrücktes machen anstatt mit dem Schneewalzer den Auftakt zu geben.
Sie hatte sich vor Monaten schon einmal von ihm getrennt, weil sie sich in einen anderen verliebt hatte. Danach kamen sie aber bald wieder zusammen und ich hatte den Eindruck, dass sie sich wirklich gut verstehen und glücklich sind.
Für Silvester haben wir Zirkuskarten und sie schrieb mir vor 4 Tagen am Sonntag: Ihr müsst euch wohl jemand anders suchen, er hat Schluss gemacht.
Ich konnte es kaum glauben.
Man kann ja nicht in die Menschen hinein sehen. Und man fragt ja auch nicht ständig: Ist alles in Ordnung bei euch?
Und selbst wenn... bekommt man wirklich ehrliche Antworten?
Und nun lässt sie uns zurück. Stiehlt sich aus dem Leben, ohne dass auch nur ein Mensch in ihrem Umfeld eine Ahnung gehabt hätte.
Sie lässt uns zurück, ohne dass wir sie noch fragen können, WARUM.
Das werden zum Teil vielleicht die Abschiedsbriefe erklären, die gefunden wurden.
Sie wird mir fehlen. Wie das Gruscheln im "VZ", das oft mehrmals täglich kam.
Gestern um 22:20 Uhr das letzte Mal. Dass ich sie um 6:03 heute morgen zurück gegruschelt habe, hat sie warhscheinlich gar nicht mehr gesehen, denn das Gruscheln wurde nicht ausgeblendet.
Sie wird uns allen fehlen.
Ihrer Mama, ihren Geschwistern, den Freunden, Bekannten und Mitbewohnerinnen und sicher noch viel mehr Menschen, von denen ich gar nichts weiß.
Tschüss, Tina!
Hallo Marlis,
eine solche Situation macht einen "ohnmächtig" und "starr ".
Ich kann auch keine Antwort für das "Warum" geben.
Ich bin aber da, wenn Du einen Gesprächspartner brauchst.
Ein trauriger und doch zugleich tröstender Gruß
Jens - Olaf
Sie hat ihre Entscheidung getroffen und keinem eine Chance gegeben, sie davon zurück zu halten.
Die Mama meiner Schwiegertochter hat sich auch das Leben genommen und sie und ihre Schwester haben sie gefunden. Am Tag ist der Vater an Krebs verstorben und in der Nacht hat sie sich das Leben genommen. Wir konnten es auch nicht begreifen, mußten uns aber damit abfinden. Es war eine sehr schwere Zeit. Fühle Dich gedrückt.
Andreas W
02.12.2009, 19:40
Hallo Marlis,
wir haben ja gerade schon geredet. Lass den Kopf nicht hängen und fühl Dich von mir ganz fest gedrückt.:knuddel:;-(:
Von Sandra soll ich Dir auch alles liebe wünschen:knuddel:.
Wir sind immer für Dich da.
Gruß Andreas
Hallo Marlis,
auch von mir ganz lieb drück..;-(:
Ich hab letztes Jahr im Juli meinen besten Freund auf diese Weise vorloren..frag nicht nach den WARUM..;-(
Die Antwort bekommst Du nicht..;-(:
Schniefxx
02.12.2009, 19:52
Ach Marlis,
das ist so unendlich schwer zu verstehen.
Eine gute Bekannte aus meinem damaligen Stall hat es damals auch getan.
Sie war als frewillige Helferin nach Afrika gegangen und merkte schnell,
dass ihr das Leben und die Menschen dort zu sehr zusetzten.
Sie kam zurück, aber da war es schon vorbei, da war sie schon nicht mehr zu retten. Sie war 24.
Man fragt sich immer nach dem Warum und warum der Mensch nicht darüber
nachdenkt, was er seinen Lieben damit antut. Aber wenn du einmal soweit
bist, denkst du nicht mehr nach. Und wenn du wirklich "gehen" willst,
dann hält dich auch niemand davon ab.
Mach dir keine Vorwürfe (ich weiß, dass das kaum geht), es hätte sie niemand halten können. Irgendwo muss man
das akzeptieren, sonst geht man dran kaputt.
Auch ich möchte dich ganz fest drücken!
Oh Marlis,
zu solch einer Situation weiss man gar nicht was man "richtiges" Schreiben soll.... es gehen einem tausend und drei Gefühle, Worte und Gedanken durch den Kopf. Aber getippt ist alles irgendwie nicht das, was man dann wirklich ausdrücken möchte.
Von daher fühl Dich auch von mir herzlich in den Arm genommen und festgehalten.....
Lieben Gruß
Petra
justizia
02.12.2009, 20:09
Hallo Marlis,
mir fehlen die Worte! ;-(:
Ich denke fest an Marko und dich. :trost:
Fischfee
02.12.2009, 20:09
Hallo Marlis
ich weiß auch nicht so recht was ich schreiben soll.
Ich finde es immer unsagbar schlimm wenn ein Mensch sein
Leben wegwirft.
Ich drück dich ganz fest.:trost::trost::knuddel::knuddel:
Casa Carota
02.12.2009, 20:27
Ach ihr Lieben alle,
ich danke euch für die tröstenden und warmen Worte und das Drücken, das irgendwie gut tut.
Mir schwirren ständig die Fragen im Kopf rum: Das mit dem Hinschmeißen des Studiums ist doch nicht tragisch. Lieber gleich als erst nach vielen Jahren... das habe ich Tina auch direkt so gesagt.
Und die Liebe: Auch mit 21 Jahren weiß man doch eigentlich, dass es immer wieder nach so einem Tief bergauf geht und man sich irgendwann wieder neu verlieben kann - und wird.
Das ist doch alles kein Grund, - Verdammt noch mal!!!
Und auch wenn noch hier und da noch was dazu kommt, ist das doch alles kein Grund sein Leben einfach so wegzuwerfen!
Ich werde so etwas nie verstehen können...
Vorwürfe mache ich mir nicht. Da ich nichts geahnt habe, konnte ich nicht einmal den Versuch starten, zu reden bzw. zu helfen. Schade...
Hallo Marlis,
Du warst für Tina da, wenn sie Dich brauchte.
Du bist mit ihr durch "Dick und Dünn" gegangen.
Ihr habt "Freude und Leid" geteilt.
Ihr ward miteinander verbunden und das ist eine Sache, auf die Du stolz sein kannst.
Du wirst die Hintergründe, die nun diesen endgültigen Schritt ausgelöst haben, nie verstehen können.
Der Schmerz und die Traurigkeit sind derzeit auch zu gross, um eventuell so etwas wie "Erklärbar" oder "Verständnis" annehmen zu können.
Du bist Traurig, enttäuscht und im Inneren verletzt, das braucht ersteinmal Zeit.
Ich finde es sehr gut, das Du derzeit Deine Gefühle raus lassen kannst und das auch zuläßt. Trauer muss gelebt werden und Du weisst, das es viele Ansprechmöglichkeiten um Dich herum gibt.
Ich habe beruflich sehr viel mit dem Thema "Suizid" zu tun und bin in unseren 2 Kliniken für die Suizidprävention und Mitarbeiter-Schulung diesbezüglich zuständig.
Ich könnte Dir jetzt sicherlich viel dazu sagen, doch es würde derzeit leider nicht helfen, es von der theoretischen Seite anzugehen. Dazu ist einfach zu viel Gefühl im Raum.
Du hast geschrieben, dass es einen Abschiedsbrief gab. Das ist ein sicheres Zeichen, das es sich nicht um eine "Kurzschluss-Reaktion", sondern um etwas "geplantes" gehandelt hat.
Ich gehe davon aus, das Tina sich schon länger mit dem Thema befasst hatte.
Ich kann Dir als "Fachmann" aber auch sagen, das man in einen Menschen nur soweit reinschauen kann, wie dieser dieses zuläßt.
Gerade bei suizidalen Personen ist es so, das sie in der Zeit vor der "Durchführung" der Handlung eine große Fassade haben und es zu einer "trügerischen Ruhe" kommt, wo das Leben trotz des klaren Vorhabens "normal" weitergeführt wird.
Ich bin da, wenn Du mich brauchst, jederzeit.
Hallo Marlis,
weisst Du wenn ein Mensch sich das Leben nimmt,ist es nicht die ein oder andere Sache..es ist das Gesamte..
Diese Menschen sehen einfach keinen Sinn mehr an diesen Leben teil zu haben..sie sehnen sich nach einen anderen..besseren ? Leben..
Weisst du.. sie denken in diesen Moment wo sie ihren Endschluss gefasst haben nicht an Menschen ,die sie in ihrer Trauer und ihren Nichtverstehen zurück lassen..sie wollen einfach nur weg..diese Welt verlassen..und in eine andere Welt..in eine Bessere..sie wollen allen entfliehen...was sie dann ja auch tuen..und sie denken nicht daran..was sie anderen damit antuen..sie wollen einfach nur weg..ohne wenn und aber..sie denken nicht groß..sie handeln..;-(:
Und es ist ihre Entscheidung..und wir die zurück bleiben..fragen uns nach dem WARUM..und wir wissen keine Antwort..vielleicht ist es besser ihre Entscheidung einfach zu respektieren..auch wenn wir es nicht verstehen können..;-(:
:trost:
Casa Carota
02.12.2009, 21:06
Hallo Biene,
so wie du es schreibst, klingt es auf einmal ganz plausibel. Und etwas verständlicher wird es damit auch.
Da ich nie daran dachte, mir das Leben zu nehmen, konnte ich mir so einen Gedankengang nicht vorstellen. Das unterscheidet wohl die einen Menschen von den anderen. Ich habe immer positiv gedacht. So nach dem Motto: Irgendwie geht es immer weiter. Schlimmer kann es gar nicht kommen. Bald wird wieder die "Sonne scheinen". Es geht bald wieder bergauf. Etc. etc. etc.
Jens, ich denke, wir reden morgen im Skype. Es gibt mehrere Abschiedsbriefe. Also kann man wohl davon ausgehen, dass Tina sich vorher ziemlich gründlich ihre Gedanken gemacht hat?
Nun gehe ich erst mal zum Ablenken vor's TV ins Bett.
Hallo Marlis,
genauso denke ich heute auch..es gibt immer ein Morgen und immer wieder geht die Sonne auf..nun ja..das war leider Gottes nicht immer so..
Ich kann die Beweggründe halt nach vollziehen..eidiweil weil..möchte nicht darüber reden..
Und doch wenn man als Betroffener zurück bleibt das große ? nach dem warum..respektiere es einfach...;-(: :trost:
Petra Maria
02.12.2009, 22:17
Huhu Marlis,
ich denke Tina war in einem tiefen, tiefen Tal... du warst die Sonne bist kurz über ihr "Loch" geflogen hast es erhellt.
Aber den meisten Teil ihrer Zeit saß sei eben im dunkel (Ihrer Gefühlslage) und innen sind wir Menschen nunmal allein.
Versuche du mal, dich der Sonne zu erklären...
Tröste dich mit dem Gedanken an eure schöne Zeit...
Bedenke aber, jedes Licht kommt nur soweit wie der Insasse es zu sich lässt.
Ich wünsche Tina Frieden.
Dir drücke ich mein Beileid aus. Wünsche dir Kraft.
LG Petra
Caridino
02.12.2009, 22:26
Liebe Marlis,
geschockt lese ich das Ganze gerade und möchte Dir auch von ganzem Herzen mein Mitgefühl aussprechen.
Versuche nicht, diesen Schritt und die Beweggründe dazu zu verstehen, denn das kannst Du nicht verstehen. Es war Ihre Entscheidung und ich glaube kaum, das Du sie davon hättest abbringen können.
Was Du jetzt tun kannst, ist trauern. Und das solltest Du offen und ohne Scham tun. Man sagt nicht umsonst "aktive Trauerarbeit". Tu es, trauere, aber ohne Gedanken, ob Du es hättest verhindern können.
Weißt Du, wir haben bei uns im Hospiz einen Erinnerungsgarten, in dem jedes bei uns verstorbene Kind ein kleines Erinnerungsplätzchen hat. Am Eingang dieses Gartens steht ein großer Briefkasten aus Stein, in diesen werfen Geschwister und Eltern Briefe ein, welche sie an das verstorbene Kind geschrieben haben. Wenn wir einmal im Jahr den gemeinsamen Erinnerungstag begehen, werden diese Briefe in eine Schale gelegt und verbrannt. Als wir das das erste Mal machten, hatten wir Erwachsenen ein schlechtes Gewissen, denn Briefe offen zu verbrennen, der Gedanke erschreckte uns. Aber es waren die Geschwisterkinder, welche darauf bestanden, denn für sie war das der beste Weg, dass ihr verstorbener Bruder oder die verstorbene Schwester den Brief auch bekommt, denn der Rauch steigt ja in den Himmel.
Ich würde Dir vorschlagen, Marlis, schreib auch Du Deine Gedanken in einen Brief. Und den Brief hebe bitte auf. Ich bin mir allerdings sicher, dass auch Du ihn eines Tages verbrennen wirst....
Stell ein Bild von ihr auf und sprich mit ihr, sie wird bei Dir sein.
Die Trauer, die Du jetzt bin Dir trägst, ist das Normalste was es gibt beim Tod eines geliebten Menschen. Du darfst sie zeigen.
Und wenn Du neben den hier schon so zahlreich angebotenen Hilfen noch weitere Hilfe brauchst, dann schreib mir. Trauerarbeit ist mir ja nicht so ganz fremd.
Liebe Grüße und alle guten Wünsche,
Detlef
Gibbyceps
02.12.2009, 23:17
Sei auch von mir in den Arm genommen und gedrückt liebe Marlis.
Es bleibt ein vager Gedanke an denjenigen, man dachte ihn besser zu kennen,
dieser Gedanke ist aber nur einer den man sich selbst macht.
Ob selbst aus dem Leben oder durch einen schrecklichen Unfall, die die zurück
bleiben haben einiges aufzuarbeiten, und das kann lange Zeit dauern, wird aber
in unserer Zeit schon bald nebulös, der Alltag zieht einem davon weg.
Dennoch, jedes Wort, jeder Augenblick eines "bekannten Bildes" holt einem wieder
alles vors Auge, lässt einem erinnern wer da war, was man erlebt hat,
wie schön es war.
Und das ist gut so...dass man nicht gänzlich vergisst.
Alles Gute liebe Marlis...
Klaus
Casa Carota
03.12.2009, 20:34
Hallo ihr Lieben,
auch euch, die ihr noch zum Thema geschrieben habt, danke ich für die Anteilnahme und eure tröstenden Worten.
Heute Morgen haben mich meine Kolleginnen und der Chef nach Hause geschickt.
Ich hatte heute viel Zeit, zu telefonieren und bin auch googeln gegangen.
Ich habe viel gelesen, was mir bei der Trauerarbeit hilft.
Ich habe auf einer Trauerseite schöne Sprüche gefunden, die genau das wieder geben, was zutrifft. Diese habe ich ihr auf ihre "Pinnwand" geschrieben als letzten Gruß:
Wir sind uns begegnet
du hast Spuren hinterlassen
in mir
deine Handschrift, dein Zeichen
unauslöschlich
in meinem Herzen
hast du dir Raum geschaffen
für immer.
Der Tod ordnet die Welt neu,
scheinbar hat sich nichts verändert,
und doch ist die Welt für uns
ganz anders geworden.
Wenn Liebe einen Weg zum Himmel fände
und Erinnerungen Stufen wären,
würden wir hinaufsteigen und Dich zurückholen.
Ich habe mich mit ihrer Freundin ausgetauscht, um eine Zeitungsannoce und Blumenschmuck abzusprechen.
Und ich habe fest gestellt, dass ich im Grunde genommen fast gar nichts über Tina wusste. Ich kannte sie und hab sie sehr gern gehabt. Aber so richtig kannte ich sie nicht wirklich.
Ich hätte sie so gern als meine Schwiegertochter gehabt und sie auch oft so genannt...
Hallo,
an einer anderen Stelle habe ich mal folgende Zusammenfassung geschrieben und eingestellt. Sie trägt dazu bei, über das Thema "Suizid" zu informieren, ohne überladend zu erscheinen. Ich habe es auch mit Marlis abgesprochen, dass ich den Bericht hier einstelle. Vielleicht hilft es manchem User, solch eine Handlung etwas besser zu verstehen und durch verschiedene Stelle bei Bedarf Unterstützung zu bekommen .
Hier nun der Beitrag :
Der Suizid – Ein Einzelfall ?
Immer wieder liest man in der Presse Schlagzeilen wie „Person stürzt sich vom Hochhaus“, „Freitod auf der Bahnstrecke … sorgte für Verspätungen“ oder „Horrorunfall durch Geisterfahrer“. Und gleichzeitig werden dann Stimmen laut die sagen: „Dass es sich um Verrückte und Einzelfälle handelt, die sich selbst töten“. Einzelfälle ?
In Deutschland stirbt durchschnittlich alle 47 Minuten ein Mensch durch einen Suizid. Alle 4 Minuten unternimmt in unserem Lande ein Mensch einen Suizidversuch. Weltweit stirbt ca. alle 40 Sekunden ein Mensch durch Suizid. Für Deutschland bedeutet das jährlich rund 11.000 - 12000 Suizidtote und laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich weltweit rund 1 000 000 Menschen durch Suizid. Es sterben also weltweit mehr Menschen durch die eigene Hand, als durch alle Gewalttaten oder kriegerischen Auseinandersetzungen zusammen. Einzelfälle ?
Die Dunkelziffer ist hierbei noch um ein Vielfaches höher. Die WHO geht davon aus, das 10 bis 20 Mal so viele Suizidversuche scheitern.
Doch was ist unter dem Begriff „Suizid“ zu verstehen ?
Suizid ist das willentliche Beenden des eigenen Lebens, sei es durch beabsichtigtes Handeln oder absichtliches Unterlassen, z. B. lebenswichtige Medikamente, Nahrungsmittel oder Flüssigkeit nicht mehr zu sich zu nehmen.
Der Begriff „Suizid“ kommt aus dem lateinischem und ist abgeleitet von den Worten „sui = seiner selbst“ und „caedes / -cidium = das töten“. Synonyme sind u.a. Freitod, Selbsttötung, Hand an sich legen, sich weg machen oder umgangssprachlich der „Selbstmord“ (Das Wort "Mord" ist an dieser Stelle auch im strafrechtlichen Kontext nicht korrekt verwendet. Ein Mord (§ 211 StGB) ist die Tötung eines anderen Menschen, sich selbst kann man also nicht "ermorden").
Die Suizidalität ist ein Oberbegriff für „Suizidgefährdung“ (suizidale Gedanken, Impulse, Pläne im Vorfeld) und „Suizidhandlungen“ (Suizidversuch, vollendeter Suizid).
Suizid, ein Thema, über welches häufig geschwiegen wird und genau das ist das Problem. Mangelnde Aufklärung, fehlende Hilfe, Krankheit und Armut, sind Dinge, die Menschen zu diesem Schritt treiben.
Am Ende eines Leidensweges, z.B. bei einem chronisch kranken Menschen, ist die Gesellschaft bereit, einen solchen Entschluss zu akzeptieren. Hingegen stößt es im normalen Lebensalltag zumeist auf Unverständnis, Feigheit und wird Moralisch belegt. In anderen Kulturen hingegen hat die Selbsttötung ein hohes Ansehen und wird teilweise sogar vorgeschrieben.
Jeder Mensch trägt in sich einen gewissen Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass solche Erfahrungen weitestgehend verdrängt werden. Wer von den Lesern dieses Beitrages setzt sich freiwillig mit dem Thema Tod auseinander. Viele haben Angst vor dem Tod und Angst macht einen Menschen oft „ohnmächtig“ und sorgt dafür, sich zu entziehen.
Unterschieden wird der Suizid unter anderem anhand der Methodik. „Der weiche Suizid“ ist eine Form, wo zum Beispiel Medikamente und Alkohol als Mittel genutzt werden. Dieses ist zumeist bei Frauen anzutreffen. „Der harte Suizid“ hingegen bezeichnet Selbsttötungsmaßnahmen wie Erhänge, Erschießen, Sprünge von Gebäuden oder vor Fahrzeuge. Diese Methodik findet oft bei Männern Anwendung. Hieraus resultiert auch das Ergebnis, dass Frauen mehr Suizidversuche unternehmen, Männer hingegen mehr erfolgreiche Suizide aufweisen.
Neben dem klassischem „Einzelsuizid“, wo sich eine Person durch eigenen Willen und der eigenen Hand zu Tode bringt, gibt es noch den „Erweiterter oder Mitnahme-Suizid“. Hierbei wird zum Beispiel eine ganze Familie auslöscht oder ein Amoklauf mit Selbsttötung findet statt. Juristisch gesehen handelt es dabei allerdings um mehrfachen Mord mit anschließender Selbsttötung. Eine weitere Variante des Suizides ist der sogenannte „Gruppen-Suizid“. Hierunter fallen unter anderem Massensuizide von diversen Sekten und Glaubensgemeinschaften, oft in Verbindung mit der Auffassung, die Welt würde untergehen und an einem anderen Ort würde das Paradies auf einem warten.
Doch welche Zeichen treten vor einem Suizid auf ?
Der Begriff „präsuizidales Syndrom“ wurde vom Psychiater Erwin Ringel eingeführt. Das Syndrom umfasst die drei Merkmale Einengung, Aggressionsumkehr und Suizidphantasien, die nach Ringel regelmäßig einer Suizidhandlung vorausgehen.
Beginnend in den 1950er Jahren hatte Ringel an Personen, die einen Suizidversuch überlebt hatten, die Phase untersucht, die dem Suizidversuch vorausging. Bei der Mehrzahl der über 700 untersuchten Patienten fand er diese drei Merkmale:
„Einengung“. Die Wahlmöglichkeiten im Leben werden immer weiter eingeengt, bis letztlich nur der Suizid als Möglichkeit bleibt. Diese Einengung kann allein im Denken und Verhalten des Betroffenen begründet sein (Depression, Kontaktstörung), aber auch in der Realität (Isolation, Vereinsamung, Arbeitslosigkeit, Verluste, Krankheit)
„Aggressionsumkehr“. Eine verstärkte und gleichzeitig gehemmte Aggression, die sich früher oder später gegen den Betroffenen selbst richtet.
„Suizidphantasien“. Das Gefühl, der Realität nicht gewachsen zu sein, führt zu einer Flucht in die Irrealität. Der Betroffene baut sich eine Scheinwelt auf, in der Gedanken an den Tod und schließlich an Suizid eine immer größere Rolle spielen.
Das präsuizidale Syndrom hat eine Bedeutung in der Abschätzung der Suizidalität und damit der Vorhersage eines Suizides. Das Auftreten der genannten Merkmale ist immer ein ernstzunehmendes Warnzeichen.
Wer ist nun aber besonders Suizidgefährdet ?
-Alle Menschen, die an einer psychischen Störung leiden (u.a. Depressive oder Manische Erkrankungen, Schizophrenieerkrankte, Suchterkrankte und Angsterkrankte Personen)
-Schmerzpatienten
-Chronisch Kranke
-Alte und vereinsamte Menschen
-Personen in besonderen Lebens- und Entwicklungskrisen
-Personen, die in heilenden Berufen arbeiten (Ärzte, Pflegekräfte, Studenten, usw.)
Häufige Suizidhandlungsmotive sind:
Der „Appell“: Ausdruck eines „Cry and Help“ an andere. Häufig infolge von Kontaktschwierigkeiten, Einsamkeit, Verlust oder Selbstwertproblematiken.
Die „Autoaggression“: Aggressive Wendung von nach außen gehemmter Aggressivität gegen sich selbst infolge Enttäuschung oder Kränkung.
Der „Wunsch nach Ruhe“: „Verschnaufpause“ in einer unlösbar erscheinenden Situation; Hoffnung , dadurch etwas Distanz zu bekommen.
Wo kann man nun aber Hilfe bekommen ?
Im akuten Falle sind der Hausarzt, die Polizei und der örtliche Rettungsdienst die erste Adresse. Diese können alle notwendigen Maßnahmen einleiten, um der betroffenen Person schnelle Hilfe zukommen zu lassen.
Im nicht akutem Falle kann man sich an verschiedene Selbsthilfe- und Beratungsstellen wenden. Hier ein paar Beispiele:
http://www.suizidprophylaxe.de
http://www.suizidprophylaxe.de/Ohne%20Java/indexohnejava.htm bzw. ohne Java
http://www.suizidpraevention-deutschland.de
Sofortige Hilfe erhalten Sie rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der bundeseinheitlichen kostenlosen Rufnummer: 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 bzw. unter http://www.telefonseelsorge.de .
(Inhalte aus verschiedenen Fachbüchern und Wikipedia)
Michael H
06.12.2009, 12:53
Hallo Marlis,
auch von mir einmal ganz fest drücken :knuddel:.
In so einer Situation versteht man die Welt nicht mehr und die Suche nach Antworten fällt schwer.
Ich hoffe Du überwindest den Schmerz.
Grüße
Micha
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