cschweden
12.04.2007, 09:24
Hallo zusammen,
angeregt von Gotchas Teichplanung schwelge ich mal wieder in Erinnerung. Vor 4 Jahren haben wir uns entschlossen, eine Regenwasserzisterne für Klospülung, Gartenbewässerung etc. einzubauen. Da das Ding unter die Erde musste und ich auf mehrere Kubikmeter Aushub per Spaten keine Lust hatte, musste ohnehin ein Minibagger her, also warum nicht gleich auch noch einen Teich bauen?
Gesagt, getan, geplant. Über Freunde wurde mir eine Firma aus Ibbenbüren empfohlen, die Teiche samt Planung von A-Z liefern. Das Konzept der Firma sagte mir zu, die Preise auch. Mit sehr viel Papier, Schnüren und Maßbändern wurde geplant und gerechnet, bis die Form des Teiches feststand. Dann kam der Tag des Baggerns.
Hier mal ein Bild von der Teichgrube am Bautag:
(---Bild nicht mehr verfügbar---)
Nach 6 Stunden mit dem Bagger war die Teichgrube ausgehoben. Dabei haben wir darauf geachtet, Lehm und Mutterboden zu trennen, da der Lehm später ein prima Bodengrund ist. Nach zwei Tagen mit Spaten und Spitzhacke für die Feinkonturen war alles fertig.
Ganz bewusst haben wir ein sehr flach abfallendes Ufer gebaut, da wir oft kleine Kinder auf dem Grundstück haben. Ertrinken können die da nicht und ich brauche keinen Zaun um den Teich zu bauen. Erst in der Mitte des Teiches kommt eine große Stufe bis zur endgültigen Tiefe von etwa 1,60m. In der flachen Zone (max. 40cm tief) wachsen auch die Pflanzen besser, das Wasser wird im Frühjahr schneller warm und man kann die Unterwasserwelt besser beobachten.
Damit uns der Teich später nicht zuwuchert, haben wir die Sumpfpflanzen größtenteils in einen Ufergraben verbannt. Der zieht sich um den ganzen Teich, ist etwa 40cm tief, durch einen Wall vom Teich getrennt und mit Mutterboden gefüllt. Den Wall habe ich mit Magerbeton stabilisiert, damit ich später darüber balancieren kann, ohne das er zusammen bricht.
Die fertige Grube haben wir dann genau nach Vorgabe des Folienlieferanten vermessen und die Maßskizze dorthin gefaxt. Eine Stunde später kam der Kostenvoranschlag, der uns jubeln ließ. Die Firma montiert die einzelnen Folienbahnen so, dass praktisch kein Verschnitt entsteht, den ich im Baumarkt teuer hätte bezahlen müssen. Da der Teich eine L-Form hat, haben wir im Vergleich zum Baumarkt so gute 20% der Kosten gespart. Passend zum Folienmaß haben wir gleich das Unterlagevlies bestellt, dass die Folie gegen den Boden polstern soll. Drei Tage später lieferte die Spedition die Folie auf einer Palette und einige Rollen Vlies.
Das Vlies hat eine sehr feste Struktur und soll nich polstern, sondern panzern. Spitze Gegenstände können so die Folie nicht mehr gefährden und man kann völlig gefahrlos darüber laufen. Ist die Folie doch mal undicht, setzt sich das Vlies mit Partikeln zu und dichtet das Loch wieder ab. Eine Sand- oder Teppich-Unterlage könnte das nicht. Ein schöner Vergleich zwischen Polstern und Panzern: Mit einem spitzen Bleistift kann man auf Papier viel besser schreiben, wenn es auf einer harten Unterlage liegt. Bei weichem Untergrund sticht man durch das Papier...
Beim Verlegen der Vliesbahnen ging ohne Sonnenbrille gar nichts, da das weisse Zeug doch extrem blendet. Ausserdem ist es sehr, sehr rutschig - also Vorsicht! Innerhalb einer halben Stunde war das Vlies verlegt.
Die Teichfolie wurde mit einem Abwickelplan geliefert, so dass wir die höllisch schwere Palette mit 5 Mann "nur" an die am leichtesten zugängliche Stelle wuchten mussten. Mit den 5 Helfern war die Folie dann in 10 Minuten verlegt. Anschließend flog der Schlauch in den Teich und "Wasser (und Grill) marsch!". Die Folie verlegt sich am einfachsten an einem sonnigen Tag, da sie sich dann aufheizt und sehr weich und geschmeidig wird.
Die von uns verlegte Folie ist 1,2mm dick, olivgrün und aus rußfreiem PVC. Bei vielen Folien aus dem Baumarkt sind große Mengen Füllstoffe im Material, die dazu führen, dass die Folie irgendwann versprödet. Unsere Folie ist zwar etwas teuerer im Quadratmeterpreis, durch die Maßanfertigung ist diese Differenz aber wieder wett gemacht. Bis heute ist sie genauso flexibel wie bei der Verlegung.
Während das Wasser einlief, haben wir erstmal geplanscht und dann ein Gemisch aus Bausand und Lehm als Nährstoffarmen Bodengrund in den Teich geschaufelt. In den Ufergraben kam der gut gedüngte Mutterboden, nachdem wir den Wall mit einer speziellen Ufermatte aus Polyester abgedeckt haben. Die verrottet nicht und ist so locker, dass Pflanzen darin wurzeln können und man den Wall sehr schnell nicht mehr sieht. Ausserdem fördert sie durch Kapillarwirkung Wasser in den Ufergraben und lässt diesen versumpfen. Durch die Trennung der beiden Bereiche ist der eigentliche Teich fast nährstofffrei und so vor Algenblüten gefeit. Am Ufer wachsen die Pflanzen dafür umso prächtiger.
Über eine Woche lang habe ich dann die Ufer mit Steinplatten verdeckt, damit man die Folienränder nicht mehr sieht. Dabei habe ich die Folienkante nach oben gerichtet und fixiert, damit keine Wurzeln von aussen in den Teich wachsen und Wasser ziehen können. Dann folgte ein kurzer Anruf beim Lieferanten, und am nächsten Tag war die genau abgemessene Menge Pflanzen da. Das Einpflanzen wurde dann auch wieder mit dem Grill gefeiert...
(---Bild nicht mehr verfügbar---)
und drei Wochen später:
(---Bild nicht mehr verfügbar---)
In den ersten zwei Monaten war das Wasser eine einzige grüne Suppe. Dann wurde es plötzlich von heute auf morgen kristallklar. Im nächsten Jahr kam ich auf die Idee, drei Koi einzusetzen (billige "Fehlfarben"). Die haben durch extremes Gründeln den Teich sehr schnell wieder in einen Morast verwandelt, auch ein großer Filter konnte das nicht beheben. Naturteich und Koi passt eben nicht. Zum Glück konnten wir den Tieren bei unseren Nachbarn in deren Koi-Teich ein Asyl gewähren. Nach nur zwei Wochen war das Wasser wieder klar.
2004 hat uns dann ein Sturm zwei große Bäume am Teich entwurzelt, die bis dahin für Schatten gesorgt hatten. Da nun fast den ganzen Tag die pralle Sonne auf das Wasser scheint, fühlen sich Fadenalgen im Frühjahr besonders wohl. Die muss ich leider regelmässig abfischen, allerdings ist meist im Juni Schluß mit dem Algenwuchs, da dann die Nährstoffe, die über Laub und Pollen im Herbst und Frühjahr ins Wasser kommen, aufgebraucht sind.
Ich bin heilfroh, dass wir den Teich so gebaut haben. Die Arbeit hat echt Spaß gemacht, auch wenn es manchmal anstrengend war. Dafür haben wir jetzt direkt vor der Terassentür eine kleine Wildnis mit Libellen, Fröschen, Molchen, Schmetterlingen, wahnsinnig vielen Vögeln usw. Das erspart uns lange Fahrten zur Erholung und ist echt entspannend. Ausserdem muss da, wo ein Teich ist, kein Rasen mehr gemäht werden (Hassarbeit). Nur einmal im Jahr steige ich ins Wasser und lichte die Pflanzen etwas aus. Das ist neben Algenfischen und Wassernachfüllen die einzige Arbeit, die der Teich macht.
Der komplette Bau dieses doch recht großen Teiches hat inklusive Material, Pflanzen und Baggermiete gerade mal 1500 Euro gekostet. Die gleiche Aktion mit einer Fertigschale wäre alleine mit den Materialkosten mehr als doppelt so teuer gewesen und hätte viel mehr Arbeit gemacht.
Gruß,
Christian
angeregt von Gotchas Teichplanung schwelge ich mal wieder in Erinnerung. Vor 4 Jahren haben wir uns entschlossen, eine Regenwasserzisterne für Klospülung, Gartenbewässerung etc. einzubauen. Da das Ding unter die Erde musste und ich auf mehrere Kubikmeter Aushub per Spaten keine Lust hatte, musste ohnehin ein Minibagger her, also warum nicht gleich auch noch einen Teich bauen?
Gesagt, getan, geplant. Über Freunde wurde mir eine Firma aus Ibbenbüren empfohlen, die Teiche samt Planung von A-Z liefern. Das Konzept der Firma sagte mir zu, die Preise auch. Mit sehr viel Papier, Schnüren und Maßbändern wurde geplant und gerechnet, bis die Form des Teiches feststand. Dann kam der Tag des Baggerns.
Hier mal ein Bild von der Teichgrube am Bautag:
(---Bild nicht mehr verfügbar---)
Nach 6 Stunden mit dem Bagger war die Teichgrube ausgehoben. Dabei haben wir darauf geachtet, Lehm und Mutterboden zu trennen, da der Lehm später ein prima Bodengrund ist. Nach zwei Tagen mit Spaten und Spitzhacke für die Feinkonturen war alles fertig.
Ganz bewusst haben wir ein sehr flach abfallendes Ufer gebaut, da wir oft kleine Kinder auf dem Grundstück haben. Ertrinken können die da nicht und ich brauche keinen Zaun um den Teich zu bauen. Erst in der Mitte des Teiches kommt eine große Stufe bis zur endgültigen Tiefe von etwa 1,60m. In der flachen Zone (max. 40cm tief) wachsen auch die Pflanzen besser, das Wasser wird im Frühjahr schneller warm und man kann die Unterwasserwelt besser beobachten.
Damit uns der Teich später nicht zuwuchert, haben wir die Sumpfpflanzen größtenteils in einen Ufergraben verbannt. Der zieht sich um den ganzen Teich, ist etwa 40cm tief, durch einen Wall vom Teich getrennt und mit Mutterboden gefüllt. Den Wall habe ich mit Magerbeton stabilisiert, damit ich später darüber balancieren kann, ohne das er zusammen bricht.
Die fertige Grube haben wir dann genau nach Vorgabe des Folienlieferanten vermessen und die Maßskizze dorthin gefaxt. Eine Stunde später kam der Kostenvoranschlag, der uns jubeln ließ. Die Firma montiert die einzelnen Folienbahnen so, dass praktisch kein Verschnitt entsteht, den ich im Baumarkt teuer hätte bezahlen müssen. Da der Teich eine L-Form hat, haben wir im Vergleich zum Baumarkt so gute 20% der Kosten gespart. Passend zum Folienmaß haben wir gleich das Unterlagevlies bestellt, dass die Folie gegen den Boden polstern soll. Drei Tage später lieferte die Spedition die Folie auf einer Palette und einige Rollen Vlies.
Das Vlies hat eine sehr feste Struktur und soll nich polstern, sondern panzern. Spitze Gegenstände können so die Folie nicht mehr gefährden und man kann völlig gefahrlos darüber laufen. Ist die Folie doch mal undicht, setzt sich das Vlies mit Partikeln zu und dichtet das Loch wieder ab. Eine Sand- oder Teppich-Unterlage könnte das nicht. Ein schöner Vergleich zwischen Polstern und Panzern: Mit einem spitzen Bleistift kann man auf Papier viel besser schreiben, wenn es auf einer harten Unterlage liegt. Bei weichem Untergrund sticht man durch das Papier...
Beim Verlegen der Vliesbahnen ging ohne Sonnenbrille gar nichts, da das weisse Zeug doch extrem blendet. Ausserdem ist es sehr, sehr rutschig - also Vorsicht! Innerhalb einer halben Stunde war das Vlies verlegt.
Die Teichfolie wurde mit einem Abwickelplan geliefert, so dass wir die höllisch schwere Palette mit 5 Mann "nur" an die am leichtesten zugängliche Stelle wuchten mussten. Mit den 5 Helfern war die Folie dann in 10 Minuten verlegt. Anschließend flog der Schlauch in den Teich und "Wasser (und Grill) marsch!". Die Folie verlegt sich am einfachsten an einem sonnigen Tag, da sie sich dann aufheizt und sehr weich und geschmeidig wird.
Die von uns verlegte Folie ist 1,2mm dick, olivgrün und aus rußfreiem PVC. Bei vielen Folien aus dem Baumarkt sind große Mengen Füllstoffe im Material, die dazu führen, dass die Folie irgendwann versprödet. Unsere Folie ist zwar etwas teuerer im Quadratmeterpreis, durch die Maßanfertigung ist diese Differenz aber wieder wett gemacht. Bis heute ist sie genauso flexibel wie bei der Verlegung.
Während das Wasser einlief, haben wir erstmal geplanscht und dann ein Gemisch aus Bausand und Lehm als Nährstoffarmen Bodengrund in den Teich geschaufelt. In den Ufergraben kam der gut gedüngte Mutterboden, nachdem wir den Wall mit einer speziellen Ufermatte aus Polyester abgedeckt haben. Die verrottet nicht und ist so locker, dass Pflanzen darin wurzeln können und man den Wall sehr schnell nicht mehr sieht. Ausserdem fördert sie durch Kapillarwirkung Wasser in den Ufergraben und lässt diesen versumpfen. Durch die Trennung der beiden Bereiche ist der eigentliche Teich fast nährstofffrei und so vor Algenblüten gefeit. Am Ufer wachsen die Pflanzen dafür umso prächtiger.
Über eine Woche lang habe ich dann die Ufer mit Steinplatten verdeckt, damit man die Folienränder nicht mehr sieht. Dabei habe ich die Folienkante nach oben gerichtet und fixiert, damit keine Wurzeln von aussen in den Teich wachsen und Wasser ziehen können. Dann folgte ein kurzer Anruf beim Lieferanten, und am nächsten Tag war die genau abgemessene Menge Pflanzen da. Das Einpflanzen wurde dann auch wieder mit dem Grill gefeiert...
(---Bild nicht mehr verfügbar---)
und drei Wochen später:
(---Bild nicht mehr verfügbar---)
In den ersten zwei Monaten war das Wasser eine einzige grüne Suppe. Dann wurde es plötzlich von heute auf morgen kristallklar. Im nächsten Jahr kam ich auf die Idee, drei Koi einzusetzen (billige "Fehlfarben"). Die haben durch extremes Gründeln den Teich sehr schnell wieder in einen Morast verwandelt, auch ein großer Filter konnte das nicht beheben. Naturteich und Koi passt eben nicht. Zum Glück konnten wir den Tieren bei unseren Nachbarn in deren Koi-Teich ein Asyl gewähren. Nach nur zwei Wochen war das Wasser wieder klar.
2004 hat uns dann ein Sturm zwei große Bäume am Teich entwurzelt, die bis dahin für Schatten gesorgt hatten. Da nun fast den ganzen Tag die pralle Sonne auf das Wasser scheint, fühlen sich Fadenalgen im Frühjahr besonders wohl. Die muss ich leider regelmässig abfischen, allerdings ist meist im Juni Schluß mit dem Algenwuchs, da dann die Nährstoffe, die über Laub und Pollen im Herbst und Frühjahr ins Wasser kommen, aufgebraucht sind.
Ich bin heilfroh, dass wir den Teich so gebaut haben. Die Arbeit hat echt Spaß gemacht, auch wenn es manchmal anstrengend war. Dafür haben wir jetzt direkt vor der Terassentür eine kleine Wildnis mit Libellen, Fröschen, Molchen, Schmetterlingen, wahnsinnig vielen Vögeln usw. Das erspart uns lange Fahrten zur Erholung und ist echt entspannend. Ausserdem muss da, wo ein Teich ist, kein Rasen mehr gemäht werden (Hassarbeit). Nur einmal im Jahr steige ich ins Wasser und lichte die Pflanzen etwas aus. Das ist neben Algenfischen und Wassernachfüllen die einzige Arbeit, die der Teich macht.
Der komplette Bau dieses doch recht großen Teiches hat inklusive Material, Pflanzen und Baggermiete gerade mal 1500 Euro gekostet. Die gleiche Aktion mit einer Fertigschale wäre alleine mit den Materialkosten mehr als doppelt so teuer gewesen und hätte viel mehr Arbeit gemacht.
Gruß,
Christian