Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rundes Plexiglasaquarium selberbauen
Nachtschwärmer
06.06.2007, 02:09
Hallo ihr Lieben
Ich möchte mir von euch Profis mal ein paar Tipps, Anregungen und vielleicht auch Kritik holen.
Mein Freund und ich wollen uns nächstes Jahr ein Aquarium selberbauen. Da es frei im Raum stehen soll und wir gerne optische Verzerrungen vermeiden wollen, soll es im Durchmesser kreisrund sein.
Hierzu wollen wir als Baumaterial Plexiglas verwenden, welches wir mit einer Nano-Versiegelung behandeln wollen (Vorteil: keine Algenablagerungen und leicht zu reinigen, da Plexiglas ja sehr kratzanfällig ist.
Die NanoVersiegelung ist übrigens laut Internetinformationen nicht schädlich für die Fische und für Aquarien aus Plexiglas geeignet.
Das Aquarium soll aus zwei Zylindern (ohne Naht) bestehen: einem größeren als Außenwand und einen, den wir in die Mitte setzen um die Pumpe und die Verkabelungen dort verschwinden zu lassen. Der Unterboden soll aus sehr dickem Plexiglas bestehen, in das wir für jeden Zylinderaufsatz zwei Vertiefungen hineinfräsen (zusätzliche Druckstabilität). NAtürlich verkleben wir das Ganze auch noch. Die Abdeckung soll ebenfalls aus Plexiglas bestehen und durchsichtig sein (Beleuchtung un schöne optik.
Das Becken soll mindestens 300L fassen (ca. 1m Durchmesser und 50 cm Höhe, Als Fischbesatz sind erstmal Guppys geplant, könnte mich allerdings auch zu Diskusfischen hinreißen lassen (Meine Eltern haben sie früher mal gezüchtet).
Allerdings bin ich mir bei Letzteren nicht sicher, ob die runde Form nicht Probleme bereitet (Bei Vögeln kennt man das ja von den Käfigen). Um die Guppys mache ich mir da keine Sorgen, da sie sehr klein sind und damit genug Platz haben sollten.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eventuelle Erfahrungen und Meinungen mitteilen könntet. Auch wüsste ich gerne, ob man ein selbstgebautes Aquarium dieser Größe überhaupt versichern kann?
Danke und Liebe Grüße
Monique
Nachtschwärmer
06.06.2007, 02:20
ups, ich habs an die falsche Stelle gepostet... Bitte verschieben...
Liebe Grüße
Monique
cschweden
06.06.2007, 07:10
...schon passiert!
Habt Ihr Erfahrung in der Acrylverarbeitung? Bei meinen vergleichsweise kleinen Acrylprojekten (Überlaufbox, Kalkreaktor) gab es nach der Verklebung immer wieder Probleme mit Spannungsrissen, so dass ich mittlerweile jede Kante vor dem Kleben ausgiebigst schleife und poliere und nach dem Kleben mehrere Stunden erhitze, um Spannungen abzubauen (nur das Euer Becken dann ja nicht in den Backofen passt). Insbesondere die Fräsnuten haben bei mir die größten Probleme in Sachen Rissbildung gemacht. Habt Ihr da vielleicht noch einen Tipp?
Gruß,
Christian
Nachtschwärmer
06.06.2007, 12:00
Hallo Christian!
bisher haben wir keine Erfahrungen und dein Beitrag macht mich ein wenig nachdenklich. Angelblich sollte es kein Problem sein, Plexiglas zu verwenden (laut versch Herstellern). Wo genau treten denn deine Risse auf und was benutzt du zum Verkleben (Silikon)?
Ich hätte gedacht, die relativ elastische Silikonverklebeng könnte Spannungen im Material kompensieren.
LG Monique
cschweden
06.06.2007, 15:16
Hallo Monique,
nun ja, leicht verarbeiten ist relativ. Da ich beruflich auch regelmäßig mit Acryl (Brillengläser) kämpfe, habe ich mich auch schon das ein oder andere Mal herangewagt. Echtes Plexiglas ist recht leicht zu sägen, aber schon beim Schleifen ist geduld gefragt, weil das Zeugs ganz gut schmiert. Polieren wird dann noch etwas anstrengender. Mit Silikon lässt sich Plexiglas auf keinen Fall kleben, du kannst den Silikonwulst anschließend einfach wieder abziehen. Für Acryl gibt es Spezialkleber (Acrifix 92 etc.). Die Klebstoffe für Verbindungen, die gewisse Lasten aushalten sollen, sind sehr dünnflüssig und füllen keine Fugen, deshalb müssen die Klebestellen exakt aufeinander passen.
Die Spannungen entstehen im Material beim Kleben, da die Klebstoffe eigentlich nur Schweißmittel sind: das Acryl wird beim Kleben von einem Lösemittel angelöst. Verdunstet das Lösemittel, verbinden sich die einzelnen Acrylteile wieder miteinander. Deshalb kann man Plexiglas auch so gut "unsichtbar" verkleben. Die Materialspannungen gehen dann durch aufwärmen auf etwa 80°C über einen längeren Zeitraum wieder weg, da sich das Material dann entspannen kann.
Ich habe meine Acrylteile für den Kalkreaktor so bearbeitet: Die Rohre wurden auf der Bandsäge mit feinem Metallblatt und Schneidöl gesägt, die anderen Teile sind auf der Drehbank oder der CNC-Fräse entstanden. Anschließend habe ich die Kanten mit 1000er Schleifpapier geschliffen und mit einer Nesselschwabbel und Polierwachs poliert. Sämtlich Öl- und Wachsreste habe ich dann mit Industriereiniger entfernt (bloß kein Aceton nehmen, dann reisst alles). Anschließend kamen alle Teile für 4 Stunden bei 80 Grad in den Backofen, um die Spannungen vom Bearbeiten rauszubekommen. Dann gings ans Kleben: Mit Acrifix 92 wurden die Teile zusammengesetzt und anschließend in die pralle Sonne gestellt, da der Klebstoff unter Lichteinwirkung reagiert. Nach vollständigem Abtrocknen kam dann das ganze wieder in den Ofen. Trotz sorgfältigster Bearbeitung habe ich immer noch ein paar feinste Risse im Material, zum Glück aber an Stellen, die nicht wichtig sind.
Ich würde an Eurer Stelle das Ganze vom Fachmann bauen lassen, schon allein weil es nicht so einfach ist, an entsprechende Acrylzylinder ranzukommen. Ausserdem habt ihr nicht die Plackerei mit der Randbearbeitung, habt eine Garantie auf das Becken und müsst nicht mir Klebstoffen arbeiten, bei denen vor lauter Warnhinweisen der Produktname kaum noch auf die Tube passt. Auf jeden Fall wird die Angelegenheit - egal wie - nicht ganz billig. Wenn Ihr Euch trotzdem selber heranwagt, haltet uns aber bitte auf dem Laufenden!
Gruß,
Christian
Nachtschwärmer
06.06.2007, 15:32
Lieber Christian,
danke für deine Hilfe. Hast du eine Ahnung was es kosten könnte sowas bauen zu lassen?
Und gibt es keine Ersatzstoffe außer Silikon, die man zum Abdichten nehmen könnte? Denn ich denke einfach die Kanten aufeinanderzukleben wird nie so sicher und dicht sein wie mit Silikon oder ähnlichem.
Kann man nicht einen Teil des Plexiglases einschmelzen, in die ausgefrästen Vertiefungen füllen und dann als Kleber verwenden? Das ganze Teil dann in einen Backofen zu stellen, wird nämlich ziemlich schwierig.
Liebe Grüße
Monique
cschweden
06.06.2007, 16:05
Hallo Monique,
die Verklebung mit Spezialkleber ist fester als alles andere - eher bricht das Material mittendrin als an der Klebestelle. Du klebst ja nicht wirklich, sondern du schweißt, und wenn alles gut gemacht wird, besteht alles nur noch aus einem Teil.
Einschmelzen und gießen kannst Du knicken. Die Fließtemperatur liegt oberhalb der Temperatur, bei der das Material zerstört wird (Eigenschaften (http://www.kern-gmbh.de/cgi-bin/riweta.cgi?nr=2610&lng=1)) .
Was das ganze kostet, kann ich dir leider nicht sagen. Aber schon Platten haben recht stolze Preise (habe für 140x90x12 in satiniert 79 Euro netto bezahlt), und Zylinderformen sind ja eher selten gefragt. Du kannst ja mal unter www.schuran.com eine Anfrage stellen, denen sagt man nach gute Qualität zu bauen. Eigene Erfahrungen habe ich bisher noch nicht mit Acrylaquarien (sind mir nach wie vor zu empfindlich).
Gruß,
Christian
justizia
07.06.2007, 23:02
Hallo!
Leider habe ich zu runden AQs ein eher nicht so gute Meinung.
Genau wie wir Menschen brauchen Tiere (auch Fische) Ecken um sich zu orientieren. Es gibt auch noch andere Kriterien gegen ein Kreisrundes AQ.
Sorry, wenn ich hier ein wenig Kritik einbringe. Aber vielleicht kann man es ja optisch etwas anders gestallten, so das es auch für die Fische optimal ist :smile:
Säulenaquarien
Für die Haltung von Zierfischen sind Säulenaquarien ungeeignet, sofern der Durchmeser wesentlich geringer als die Höhe ist. Bei solchen Aquarien ist die Oberfläche, an der der Gasaustausch stattfindet, in Relation zum Wasservolumen zu gering. Die runde Form macht bei kleinem Durchmesser einen Rückzug der Fische bei Streß unmöglich. Ab einem Durchmesser von ca. 45 cm kann dieser Mangel durch geeignete Einrichtung beseitigt werden. Im besonderen Maße tierschutzwidrig sind Säulenaquarien mit sehr kleinem Durchmesser, wenn darin Fische gehalten werden, deren Körperlänge diesem Durchmesser nahezu entspricht, und einer Luftblasenentwicklung zu Dekorationszwecken. Die Fische werden ständig zwangsweise auf- und abbewegt, was eindeutig als Verstoß gegen § 2 Ziff. 2 TSchG zu werten ist.
Goldfischkugeln
In bezug auf den Gasaustausch an der Oberfläche und fehlender Rückzugsmöglichkeiten sind Goldfischkugeln wie Säulenaquarien zu beurteilen. Hinzu kommt ein noch stärker verzerrter optischer Eindruck der Umgebung sowie eine oft fischschädliche Aufheizung des Wassers während der warmen Jahreszeit aufgrund der Formgebung.
Wandbildaquarien
Für die Haltung von Zierfischen sind Wandbildaquarien aufgrund der geringen Tiefe ungeeignet. Den Fischen fehlt die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Für die Haltung von Zierfischen sinnvolle Einrichtung und Gestaltung sind nicht möglich. Alle für Fische wesentlichen Lebensraummerkmale (Schwimmraum, Rückzugmöglichkeit, ggf. Raum für Schwarmbildung etc.) sind entweder nicht oder nur eingeschränkt vorhanden. Die üblicherweise für solche Wandbildaquarien angebotenen Filtersysteme sind unterdimensioniert und vermögen deshalb nicht, eine fischverträgliche Wasserqualität zu erzeugen bzw. aufrecht zu erhalten.
Ähnlich sind Flachtische und andere "entfremdende" Gegenstände, die keine tierschutzgerechte Zierfischhaltung ermöglichen, zu beurteilen.
Quelle: http://www.zzf.de/tiernatur/checkliste.html#aquaristik
Hi justizia,
ich finde es ganz große Klasse, daß Du Dir nicht um die Technik,
sondern um das Wohlbefinden der Fische Gedanken machst.
:top: :top: :top:
Dein Beitrag ist äußerst interessant, habe vieles davon auch nicht gewußt - aber zum Glück auch "nur" ein normales rechteckiges Becken!
Nachtschwärmer
11.06.2007, 14:55
Hallo justizia,
über dieses Problem habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Wir sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ein solches Becken für kleine Fische wie Guppys unproblematisch sein sollte und zwar aus folgenden Gründen:
Der Durchmesser ist mit einem Meter relativ groß.
Anhaltspunkte zur Orientierung können Pflanzen, Steine und Wurzeln sein. Außerdem wird in der Mitte des Beckens eine Säule installiert werden, die einen Durchmesser von etwa 15-20 cm haben wird. hier wierden dann Filter und Kabel versteckt. Eine Kombination aus beidem sollte für die Fische zur Orientierung genügen.
Außerdem ist die Scheibe (aus Sicht der Fische) wahrscheinlich nicht sooo stark gebogen.
Da Fische in ihrem natürlichen Lebensraum auch keine eckigen Begrenzungen haben, halten wir eine runde Form bei entsprechender Größe und Aufbau für geeignet.
Als Vorteile sehen wir bei diesem Becken, dass die Tiere viel Platz zum schwimmen haben und nicht ständig "wenden" müssen.
Sollten wir jedoch entgegen aller Erwartungen feststellen, dass die Tiere durch die runde Form beeinträchtigt werden, werden wir hohe Pflanzen zur optischen Trennung des Beckens in Kompartimente verwenden. So haben die Tiere einzelne Bereiche, in denen sie sich aufhalten können, die sie aber auch verlassen können. Diese enzelnen Bereiche werden wir dann unterschiedlich gestalten.
Falls ihr noch Kritik oder Anregungen habt: Her damit! :)
LG
Monique
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