Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verhalten von Skalaren
Henry Wollentin
18.11.2006, 10:45
Hallo,
huch, was ist das denn ? Henry schreibt über Skalare ? Das geht doch gar nicht ! :biggrin: :biggrin: :biggrin: :biggrin:
Doch, das geht, aber nur ausnahmsweise.
Auf dem Magdeburger Stammtisch habe ich eine kleine Geschichte über Skalare erzählt, und Heiko hat mich gebeten, den Originaltext hier mal zu veröffentlichen. Er stammt aus dem unten gezeigten Buch von 1981:
"Über Schwarmbildung und gewisse Schreckreaktionen liegen uns Freilandbeobachtungen von Praetorius (1932a) vor. Er berichtet, dass man vom Boot aus am Rand flutender Röhrichtbestände Schwärme von 15 bis 20 Skalaren beobachten kann. Sie halten sich dicht an den Pflanzen, um bei der geringsten Störung in ihnen zu verschwinden. Stets sind sie mit dem häufigen und ökologisch ähnlichen Cichlasoma festivum (alter Name) vergesellschaftet. Der Segelflosser ist so schreckhaft, dass, wenn an mit dem Ruder oder Arm eine Bewegung macht, er aus dem Wasser schießt, sich flach auf die Oberfläche legt, dort ungeschickte und hilflose Bewegungen macht und man ihn mit der Hand fangen kann. Bei den Eingeborenen heißt er daher auch Pacu doido (= der verrückte Flussfisch).
Böhm (1957) erlebte, wie Segelflosser bei einem Schuss auf einen Alligator erschreckt aus dem Wasser sprangen."
Besonders die Angaben über die Gruppenstärke aus diesem Zitat sollte man sich vor Augen halten, wenn mal wieder die Haltung eines Paares in einem 200-Liter-Becken empfohlen wird.
Andreas W
18.11.2006, 12:04
Hallo Henry,
von der Geschichte habe ich auch schon einmal gehört. Es wäre interessant zu wissen ob es denn den Tatsachen enspricht. Im Aquarium sind die Skalare ja nicht so schreckhaft wie dargestellt. Ich müsste mal beim Tomsky fragen ob er ähnliches beobachten konnte. Er war schon öfters bei Aquaristischen Reisen in der Heimat der Skalare. Ich habe auch seine Reiseberichte gelesen. Unter anderem hat er auch Skalare fangen können, die er danach wieder freilassen musste. Von einem solchen Verhalten hat er jedoch nirgends berichtet.
Gruss Andreas
Henry Wollentin
18.11.2006, 12:13
Hallo,
ich denke schon, dass der Bericht stimmt. Heute sieht man in den Aquarien tatsächlich kaum noch, dass Skalare so schreckhaft sind, in den 70ern allerdings durfte man sich vor einem Skalar-Becken kaum bewegen, ohne dass die Tiere panisch gegen die Scheiben geschwommen sind. Ich denke, dass die lange Zucht in Gefangenschaft dieses Verhalten etwas verändert hat.
welsandreas
18.11.2006, 14:13
HI
Den Bericht halte ich für sehr glaubwürtig da ich ähnliches bereits gehört habe. Ich denke auch das es bei reinen Wildfängen dieses Verhalten noch gibt.
Das beste Beispiel für Veränderungen des Verhaltens durch übertriebene Zucht ist doch das Brutpflegeverhalten was es bei vielen Tieren schon gar nicht mehr gibt.
Auch das innerartliche Verhalten hat sich durch die Zucht verändert. Wenn man sieht wieviele Farbformen gezüchtet werden die keine Streifen mehr haben mit denen sie auch miteinander kommuniezieren und ihre Stimmungen ausdrücken.
Andreas W
18.11.2006, 14:27
Hallo,
gegen diese Geschichte würde aber sprechen, dass es immer noch Wildfänge in Aquarien gibt.Sie würden im Aquarium nie Ruhe haben. Die hohen Segelflosser waren bis vor einigerZeit noch fast ausschliesslich Wildfänge. Ich habe Skalare im Becken die angeblich WF1 Nachzuchten sein sollen. Prüfen kann ich es natürlich nicht. Bei WF 1 Nachzuchten würde ich es ausschliessen, dass die Fische ihre natürliche Schreckhaftigkeit verloren haben.
Selbst den Menschen, die ja nun lange schon lange nicht mehr in der Wildnis leben wird nachgesagt, dass zum Beispiel Kreidequietschgeräusche daher so unangenehm für den Menschen sind, weil Affen früher ähnliche Warngeräusche ausgestossen haben wenn ein Raubtier sich näherte. Dadurch wurde der Adrenalinspiegel erhöht um auch noch letzte Reserven zur Flucht oder Verteidigung genutzt werden können. War glaube ich mal in "Wunderwelt Wissen"
Gruss Andreas
Hallo,
Original von welsandreas Das beste Beispiel für Veränderungen des Verhaltens durch übertriebene Zucht ist doch das Brutpflegeverhalten was es bei vielen Tieren schon gar nicht mehr gibt. Wobei die Frage ist, in wie weit es ein Instinkt ist, dessen erfolgreiche Ausübung erst erlernt werden muss. Dazu bedarf es aber der Ruhe und nicht zu viel an Störungen. Die meisten Gesellschaftsbecken sind zu klein und zu dicht besetzt dafür.
Original von welsandreasAuch das innerartliche Verhalten hat sich durch die Zucht verändert. Wenn man sieht wieviele Farbformen gezüchtet werden die keine Streifen mehr haben mit denen sie auch miteinander kommuniezieren und ihre Stimmungen ausdrücken. Auch das ist eine unbewiesene These. Sie kommunizieren sicher auch über ihr Verhalten und über Laute.
Gruß Knut
Henry Wollentin
18.11.2006, 18:54
Huhu,
leider kann niemand diese Geschichte nachprüfen, da die Autoren wohl nicht mehr leben. Ich kann nur sagen, dass ich bereits genügend panische Skalare in Aquarien gesehen habe um an dieser Geschichte ncht zu zweifeln.
Die Sache mit dem verschwundenen Brutpflegeinstinkt wurde auch schon in den 90ern ausführlich diskutiert. Hiernach ist es ein angeborener, also genetisch verankerter Instinkt. Dieser soll besonders bei Skalaren sehr defektanfällig sein, so dass immer wieder Tiere mit einem solchen Defekt geboren werden. In der Natur kann sich dieser Defekt nicht vererben, weil Nachkommen solcher Tiere nicht groß werden können. Im Aquarium hat man aber schon sehr bald nach der Einführung von Skalaren in die Aquaristik mit der künstlichen aufzucht begonnen, eben weil die Brutpflege oft nicht klappt. Dadurch werden natürlich auch Jungtiere durchgebracht, die den Defekt geerbt haben und dieser potenziert sich von Generation zu Generation.
Leider finde ich die Quelle nicht wieder, die diese Erkenntnisse damals offeriert haben. Ich halte sie aber für vernünftig, denn ein Erlernen der Brutpflege kann ich mir kaum vorstellen, und zwar deshalb:
Ein Elternpaar, egal von welchen Cichliden (Maulbrüter mal ausgenommen), beginnt unmittelbar nach der Eiablage mit dem Befächeln der Eier. Nun müssten ja die Eier über ein phänomenales Gedächtnis verfügen, wenn sie sich das von den Eltern abgucken sollten und Monate später anwenden sollten. Ich glaube aber kaum, dass ein Ei in der Lage ist überhaupt zu erkennen, was das Elterntier da macht. Veilleicht kann das ein Jungtier sehen und sich merken, aber dieses sieht eben nur, dass die eltern Jungtiere befächeln, nicht aber Eier. Woher kommt also die Erkenntnis, dass man auch Eier befächeln muss ?
Ich werde mal demnächst schauen, ob ich was dazu wiederfinde. Im Internet war's bestimmt nicht, denn damit hatte ich in den 90ern noch nichts zu tun. Es muss also irgendwo in der Literatur gewesen sein.
hi Henry
schon interessant, das du über Skalare berichtest. :biggrin:
Eins aber mal vorweg. Ich halte und züchte, besser gesagt, sie vermehren sich, Skalare schon seit Ende der 70er, Anfang der 80er.
Was jetzt nicht überheblich klingen soll, oder ich mir anmaße davon mehr Ahnung zu haben als andere.
Ich schreibe das nur, weil du sagtest du hättest in den 70ern immer wieder scheue, schreckhafte Skalare gesehen.
Dies ist mir nämlich nicht aufgefallen. Die Skalare zeigten, meiner Meinung nach, schon früher selbiges Verhalten wie heute.
Das was in der Natur beobachtet wurde, nämlich "das Springen in flacher Form über dem Wasser, hat nichts mit der Schreckhaftigkeit der Tiere zu tun. Dies ist eizig und allein der Fluchtinstinkt der Skalare im Schwarm vor Fressfeinden, ähnlich zB. der "Fliegenden Fische"
Andere Fische flüchten genauso schnell vor Paddelschlägen wie die Skalare, halt nur unter Wasser.
Diese Beobachtungen konnte ein guter Bekannter machen, der jedes Jahr ins Amazonasgebiet fliegt und dort Fische fängt. Ich hab mir auch die Vidiofilme davon angeschaut und wir sahen deutlich, das auch recht weit entfernte Skalar-Gruppen sprangen, aber nicht wegen Bewegungen die von den Leuten kamen. Aber stellenweise waren auch Hechtcichliden inder Gegend und andere Räuber
Astrid.S
18.11.2006, 19:28
Hi, also meine Skalare haben im Verlaufe des letzten Jahres immerhin gelernt, die verpilzten Eier auszusortieren. Auch die Umhängerei klappt schon besser. Leider haben sie noch nicht gelernt, die Jungen nicht zu fressen, kurz bevor sie freischwimmen.
Ich habe die Vier deshalb vor 2 Monaten alleine ins 440 l gesteckt, dachte wenn sie genug Platz haben und nicht gestört werden, wird das schon was. Ist nicht - auch ohne Störung fressen sie immer alle auf. :frown:
Ich glaube , wenn ich mal Jungskalare großziehen will, muss ich ihnen die Eier auch wegnehmen.
Viele Grüße
Astrid
Henry Wollentin
18.11.2006, 19:29
Huhu Klausi,
schon interessant, das du über Skalare berichtest.
wie heißt es in dem Lied so schön ? "Wunder gibt es immer wieder." :biggrin:
Aber ich möchte mich nicht so großartig in die Diskussion einbringen, denn meine letzten Skalare hatte ich vor gut 20 Jahren. Ich wollte eigentlich nur das tun, was ich auch getan habe: den Text zeigen.
Was jetzt nicht überheblich klingen soll, oder ich mir anmaße davon mehr Ahnung zu haben als andere.
Na Gott sei Dank, ich dachte schon, ich muss hier mit meinen rudimentären Kenntnissen allein kämpfen :biggrin:.
Ich schreibe das nur, weil du sagtest du hättest in den 70ern immer wieder scheue, schreckhafte Skalare gesehen.
Dies ist mir nämlich nicht aufgefallen. Die Skalare zeigten, meiner Meinung nach, schon früher selbiges Verhalten wie heute.
Wenn man bedenkt, dass in den 70ern noch Becken von 100x40x40 für Trupps von 6 Skalare empfohlen wurden, dann könnte ich mir vorstellen, dass es möglicherweise an den beengten Verhältnissen lag. Häufig wurden Skalare auch zu kalt gehalten, was auch oft zu Augentrübugen führte, vielleicht lag darin auch noch eine Ursache für vermehrte Schreckhaftigkeit.
Hallo Henry,
vielen Dank für den Bericht. Vielleicht bekomme ich das Buch mal auf einen Flohmarkt. :biggrin:
Zu den Skalaren kann ich nur sagen, dass meine jezigen Rotrückenskalare-Wildfäge immer noch recht schreckaft sind, jedenfalls mehr als die 0815 aus dem Baumarkt.
hi Heiko
Auch bei meinen Rotrücken, F1 und Wildfänge, war keines der Tiere auch nur annähernd scheu.
Schreckhaftigkeit oder auch nur die Scheu kann viele andere Ursachen haben, Wasser, Vergesellschaftung, Becken, Aufstellung des Beckens, usw.
Wenn sich die Rotrücken wohl fühlen sind sie sehr ruhige Gesellen, ohne Scheu oder Hektik
Hallo Klaus!
Naja was verstecht man unter schreckhaft. Jedenfalls stehen sie schöner im Wasser als die 0815 Baumarkt-Skalare.
Da kannst Du Recht haben, da ich im Moment an meinem 540l-Becken bastele und meine 5 Rotrücken im Ausweichquatier sind. Bis Weihnachten sind sie auf jedenfall in ihrem 540l-Becken.
Hi,
ich beherberge auch so ne Meute von 4 St. Kloppen sich ab und zu wie die Kesselflicker. Aber scheu? überhaupt nicht. Die hängen sofort an der Scheibe sobald sie jemanden sehen. Wenn ich im Becken rum wurstele kommen sie und zupfen mir sofort an den Armen.
Ja, bei mir ist das auch so. Allerdings habe ich auch schon mehrfach von 'Landgängern' im Netz gelesen, die aus dem Becken gesprungen sind. Ob das jetzt alles Legende ist sei dahingestellt, ich habe ein solches Verhalten auf jeden Fall noch nicht beobachten können.
Viele Grüße,
der Nico
Henry Wollentin
27.11.2006, 19:04
Huhu,
ich habe mich entschlossen, den thread hier noch ein bisschen weiter zu führen und euch vor allem interessante Fotos aus dem Buch zu zeigen:
1. Pterophyllum dumelilii
Dies war damals eine eigene Art, von der man so gut wie nichts gehört hat. Lt. Aquanet ist dies heute ein Synonym von Pt. scalare. Mich würde mal interessieren, was da nun wirklich hintersteckt. Vielleicht kann einer der Skalar-Freaks dazu mal ein bisschen forschen.
2. Elternpaar mit Jungtieren - sowas sieht man wohl kaum noch
3. Röntgenaufnahme von Pt. scalare
4. sogenannter Schwarz-Weiß-Skalar
5. Siamesischer Zwilling
Wenn ihr an weiteren Fotos interessiert seid, dann sagt Bescheid.
hi Henny
stimmt, man sieht es sehr selten das Jungfische so lange bei den Eltern belassen werden,wenn sie überhaupt da schlüpfen dürfen
Astrid.S
28.11.2006, 21:50
Hi Klaus, vielleicht geht es vielen wie mir, dass die Eltern sie einfach fressen, sobald sie geschlüpft sind :mad: . Ich hoffe immer noch, dass sie es lernen - inzwischen haben sie aber mindestes 10 mal laichen hinter sich - die Hoffnung wird immer kleiner.
Viele Grüße
Astrid
Henry Wollentin
12.12.2006, 21:08
Huhu,
ich mache an dieser Stelle einfach mal weiter mit neuen Abbildungen aus dem Buch. Das Buch ist dann fast erschöpft, es sei denn, ihr wollt noch Mikroskopaufnahmen von Jungfischen u.ä. sehen. Ich werde aber in anderer Literatur bestimmt noch das Eine oder Andere zu Skalaren finden - mal sehen.
Corydoras99
13.12.2006, 15:30
Hallo,
Vielen Dank für deine recherchen Henry! :top:
Hm ich habe gestern erstmal mein Skalarpäärchen an Werner abgegeben :mecry:
Irgendwie fingen die an sich zu zanken,und bevor das Weibchen das Männchen platt macht :rolleyes: ...Werner hat ja eh noch 1 Weibchen gesucht...naja,jetzt sind meine meekis in das Becken eingezogen und freuen sich über ihre neue Behausung :top:
Gruss
Daniel
Henry Wollentin
13.12.2006, 17:38
Huhu,
ich habe euch heute mal eine Sammelkarte zum Thema "Skalare" eingescannt. Sie gehört zu der Mappe, die ich im Geschichts-Thread vorgestellt habe. Ich hoffe, man kann die Schrift einigermaßen lesen.
Bitte bedenkt, dass der Text über 40 Jahre alt ist und einem Anfänger in Sachen Skalar-Pflege nicht als "Lehrbuch" dienen sollte, da viele Ansichten mittlerweile überholt sind.
Henry Wollentin
13.12.2006, 17:39
Und hier noch die letzte Seite:
Henry Wollentin
16.12.2006, 19:03
Huhu,
in der letzten "VDA aktuell", die ich vor ein paar Tagen bekommen habe, ist ein leserbrief zum Thema Skalare und Qualzuchten. Ich habe ihn mal eingescannt und stelle ihn hier vor, ohne ihn zu kommentieren. Die Qualität ging leider nicht besser, da die Dateianhänge eine Größenbeschränkung haben.
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