Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Exportstop bedrohter Fischarten.
Andreas W
30.11.2006, 15:44
Hallo,
in der Cichlidenwelt (http://www.cichlidenwelt.de/wbb/thread.php?threadid=3180&sid=) läuft gerade ein spannendes Thema. Es geht um das Ausfuhrverbot einiger bedrohter Fischarten. In diesem Falle Süsswasserrochen. Nun würden mich Eure Meinungen interessieren. Wie immer, bitte ich die Leute, die Abstimmen eine Meinung zu ihrer Stimme abzugeben. Da dieses sicher ein brisantes Thema sein könnte, hoffe ich auf eine friedliche Diskussion.
Wie steht Ihr dazu, dass nicht mehr alle Fische aus Brasilien oder aus anderen Gegenden exportiert werden?
Huhu
Ein Ausfuhrverbot von bedrohten Tierarten für Grosshändler finde ich sinnvoll.
In diesen Fällen sollte die Ausfuhr nur noch im Rahmen von Erhaltungszuchtprogrammen genehmigt werden, die auf einen gewissen Genpool angewiesen sind. Tiere die artgerecht gehalten werden vermehren sich auch, was eine ständige Einfuhr von Wildfängen absurd erscheinen lässt.
Gruss
Olli
Andreas W
30.11.2006, 16:10
Hallo Olli,
ich halte das Ausfuhrverbot auch für sinnvoll. Eine Zucht zur Arterhaltung wäre sicher nicht schlecht. Die Frage ist halt, wie lässt sich das Ganze überwachen?
Es gibt ja schon einige Projekte, die die Arterhaltung einiger Tiere zum Hauptziel haben. Können wir Aquarianer wirklich dazu beitragen oder können es nur Einrichtungen wie Zoos, Tiergärten u.s.w.?
Gruss Andreas
Hallo!
Auch ich bin für ein Ausfuhrverbot. Leider nutzen so ein Ausfuhrverbot einige Schwarzhändler um die Preise für Fische in die Höhe zu treiben. :mad:
Es bingt nichts, wenn sich Leute Fische in AQ halten, welche in der Natur ausgestorben sind. Mir ist kein Fall bekannt, dass Fische von AQ-Besitzern in die Natur freigelassen wurden sind. OK, es gibt Schildkrötenaufzuchtstationen, aber für AQ-Fische?
Es sollte der Lebensraum der Fische erhalten werden. Durch die Zerstörung des Regenwaldes und die Industriealisierung an den Flussufern wird der Lebensraum zerstört.
Schaut euch mal die Preisentwicklung vom Wels Hypancistrus zebra (ehemals L 46) an, denn da besteht schon ein Ausfuhrverbot. Vor 5 Jahren vielleicht waren 100,- DM zuviel für manchen Liebhaber des Welses. Heute zahlen sie dann aber teilweise über 200,- Euro für ein Exemplar. Schaut mal hier (http://www.l46.de/Preise/Preise.html)
Hallo,
die Liste der bedrohten Arten aus Brasiliens Fauna findet man hier:
---Link nicht mehr verfügbar---
Darunter sind einige ganz bekannte Zierfisch-Arten , wie z.B. diese beiden hier:
Hyphessobrycon flammeus Myers, 1924 der bekannte und häufig in unseren Aquarien anzutreffende Rote von Rio und natürlich L46 oder wie er richtig heißt:
Hypancistrus zebra Isbrücker & Nijssen, 1991
Ist ein Ausfuhrverbot oder eine freiwillige Fang- und Exportbeschränkung wirklich sinnvoll ?
Hilft diese Maßnahme die Tiere in der Wildnis zu erhalten ?
Ich sage: Nein.
Der Grund für das Aussterben der Arten, in unserem Interesse stehen dabei die Zier-Fische und nur auf diesen Teil beziehe ich mich, ist nicht der Fang und der Export dieser Tiere sondern wohl fast ausschliesslich die Verschlechterung der Umwelt- und Lebensbedingungen. Deshalb wird ein Fang- und Ausfuhrverbot diese Arten nicht retten, sondern nur konsequentes Erhalten der Lebensräume und Umweltbedingungen.
Das Veröffentlichen eines Exportverbotes oder einer freiwilligen Beschränkung des Handels führt aber vor allem zu einem drastischen Ansteigen der Preise, wie am Beispiel Hypancistrus zebra zu sehen ist.
Der Fang und Export von Zierfischen hat weder zum Aussterben von Fischen geführt, noch ist darauf der eine Bedrohung der Arten zurückzuführen, weder bei Chromobotia macracanthus (stand in der roten Liste der IUCN) oder bei Hyphessobrycon flammeus noch bei Hypancistrus zebra.
Ein Handel mit bedrohten Arten verbietet sich aber nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Bei einigen bedrohten Tierarten ist dies durchaus sinnvoll, vor allem wenn wirtschaftliche Interessen dahinter stehen, Elfenbein, Nashorn, Wildkatzen etc.
Das Nachzüchten in Gefangenschaft zum Arterhalt bedrohter Tierarten sollte man auschliesslich dafür geschulter Institutionen überlassen, die durch das Führen von Zuchtbüchern und der Einhaltung notwendiger Richtlinien dazu in der Lage sind. Das mag im Einzelfall durchaus auch mal ein Hobby-Zoologe sein!
Gruß Knut
PS: ich habe dagegen gestimmt, weil ein Exportverbot an der Situation der Fische nichts ändern wird.
*gnarf*
In der Cichlidenwelt trau ich mich nich was dazu zu schreiben, da ist mir die Diskussion zu fachsimpelig :).
Ich hab für ein Ausfuhrverbot gestimmt... ich bewege mich mit meinem Tierschützerherz sowieso stündig in grenzwertigen Bereichen in der Aquaristik.
Wildfänge lehne ich grundsätzlich ab. Wenn man bedenkt wieviel Fischies sterben müssen, damit auch nur ein Fisch davon in meinem Becken rumschwimmt... nee nee.
Dann wiederum ging ja auch in der Cichlidenwelt die Diskussion über Modefische und den 0815-Aquarianer los.
Wir regen uns über Rochen auf, die vielleicht nicht artgerecht gehalten werden, wenn jeder "Depp" mit einem 54 Liter-AQ in den Laden gehen kann und sich ne Prachtschmerle kaufen kann... Oder wie neulich in unserem Freßnapf: Pangasius *an die stirn patsch*
Die roten Oscars beispielsweise... die sind süsse 5 cm groß und werden verkauft.
Wieviel Aquarianer aus Leidenschaft gibts denn? Mit Becken ab 500L aufwärts? Leider eher der geringe Teil der Deutschen Aquariumbesitzer.
Immerhin hat sich durch die Aquaristik mein Hass auf die Zoohändler gelegt. Jedenfalls stehe ich den meisten erst einmal neutral gegenüber und hab im Zooladen unseres EKZs sogar einen Lieblingshändler, er hat Ahnung und er wird beratungsresistente Kunden zumindest einmal versuchen vom Kauf unsinniger Fische abzuhalten. Jede weitere Aktion würde seinen Job gefährden... traurig aber wahr.
Hach... ich schweife ab. Ich wollte eigentlich nur sagen, daß ein Ausfuhrverbot alleine es nicht immer macht.
Bei den L46 find ich es extrem witzig, daß die deutschen Nachzuchten jetzt für teuer Geld verhökert werden. Das hält sicherlich viele davon ab, daß Tier einfach nur wegen der Farbe zu kaufen.
Die L46 lassen sich aber doch relativ leicht nachzüchten... also ist es nur eine Frage der Zeit, wann sie doch wieder für 2,50 das Stück in viel zu kleine Becken gezwängt werden... wobei die Gott sei Dank nicht so groß werden.
Was meiner Meinung nach viel mehr helfen würde, wenn die Länder, wenigstens die EU-Länder, bestimmte Fischarten mit Extra Steuer, Cites-Papieren und Haltungsauflagen schützen würden. Und zu dieser Gruppe sollte automatisch jeder Fisch gehren, der größer als 20 cm wird.
Das würde Papa und Mama Schulze (Schmidt, Meier, Müller) vielleicht doch dazu bewegen, lieber weniger Trockenfutter ins Basin zu schütten und die Prachtschmerle Leuten überlassen, die sich mit sowas auskennen.
Just my 2xxxxx cents :)
LG
Simone
Andreas W
30.11.2006, 18:10
Hallo Knut,
natürlich haben es die Tiere eh schon schwer in ihrem natürlichen Zuhause. Die Populationen werden sich aber nicht erholen können, wenn sie noch zusätzlich aus ihren Gewässern gefangen werden, damit wir sie in unserem Aquarium bewundern können. Man kann doch nicht sagen (überspitzt) Na, da sind doch noch 3000. 2000 vermehren sich doch auch noch. Bei 3000 wäre die Chance halt etwas höher.
Gruss Andreas
Hallo Knut
Hm dann können wir ja doch wieder Elefanten schiessen, Wale jagen und Gorillafleisch auf den Tisch bringen, denn der Zierfischfang ist eine ausschliesslich kommerzielle Angelegenheit, wohingegen Elefanten Wale etc. vielen Völkern zur Nahrungssicherung dienten. Ich halte eh nichts davon nachziehbare Arten zu fangen, habe einmal gesehen wie z.Bsp. Rifffische gefangen werden auch ohne Gift eine Quälerei.
Nur weil es schön und selten ist muss ein Tier nicht für jederman verfügbar sein.
Gruss
Olli
Hallo Andreas,
du hättest recht, wenn der Fang für den Export in unsere Aquarien zu der Abnahme der Bestände beitragen würde! Die Populationen nehmen aber nicht wegen des Fischfanges für den Zierfischhandel ab, das hat ganz andere Ursachen.
Mit einem Exportverbot wirst du den Fang der Fische nicht verhindern. Auf Grund dieses Verbotes steigen die Preise und damit wird es für die Fänger, vor allem aber die Händler und Exporteure, lukrativer die Fische dann eben illegal zu fangen und zu vermarkten.
Man muss versuchen durch ein Bündel an Maßnahmen sowohl die Umweltbedingungen zu verbessern als auch die Situation der Fischfänger nachhaltig zu stärken und zu sichern.
Hallo Olli,
bei den von dir genannten Tieren ist eine Bedrohung des Bestandes auch durch den direkten Fang und Töten der Tiere durch den Menschen gegeben. Diese Tiere unterliegen, meines Wissens, auch dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), wie ich oben erwähnt habe, die den Handel verbietet.
Bei dem Fang von Zierfischen ist eine solcher Einfluss auf die Bestände zumindest sehr fraglich. Ich kenne bisher auch keinen Verdacht in dieser Richtung. Die Ursachen liegen wie gesagt woanders. Wenn der Zierfischfang allerdings tatsächliche einen Einfluss auf deren Bestände haben sollte, dann ist eher die Forderung nach einer sinnvollen, arterhaltenden Bewirtschaftung zielführend als ein Exportverbot.
Gruß Knut
Andreas W
30.11.2006, 19:03
Hallo Knut,
das kennt jeder aus unseren Becken. Habe ich viele Becken und viele Fische, habe ich ne Menge Nachwuchs. Habe ich viele Becken und weniger Fische, habe ich weniger Nachwuchs.
Mit der Entnahme der Fische, gehen potentielle Nachwuchsträger verloren. Wieder überspitzt gesehen (pro Frau drei Kinder), (10 Frauen- 30 Kinder)
(6 Frauen-18 Kinder).
"Wir sind es nicht Schuld, dass die Bestände zurück gehen, die Schuld tragen andere" Nur ich denke, jeder der dazu beiträgt, das die Bestände zurück gehen trägt einen Teil der Mitschuld. Und die Bestände gehen nun auch durch den Fang der Fische verloren. Kann oder darf man so denken?
Diese Art des Denkens (wir sind nicht Schuld, es sind andere) macht den Import wieder für alle legitim?
Finde das Thema spannend und interessant.
Gruss Andreas
Hallo Andreas,
wir sollten versuchen das Thema auf einer sachlichen Ebene zu diskutieren. Deine Totschlagargumente:
Diese Art des Denkens (wir sind nicht Schuld, es sind andere) macht den Import wieder für alle legitim? Helfen nicht wirklich weiter. Die Entnahme von einigen Millionen P. axelrodi jährlich aus dem Amazonasbecken oder einer grossen Anzahl an P. scalare etc. oder auch von Discus schadet den Beständen nicht!
Da sollte man schon differenzieren und nach den Ursachen suchen! Ein Export- und Fangverbot ist schnell gefordert und klingt zunächst logisch. Hilft aber in den meisten Fällen nicht wirklich, und führt manchmal zum Verschlimmbessern!
Gruß Knut
Andreas W
30.11.2006, 20:01
Hallo Knut,
hier geht es nicht um Neons oder Skalare, sondern um bedrohte Tierarten. Ich wüsste auch in keinster Wiese wo ich unsachlich war. Ist es nicht eher unsachlich zu sagen, dass man eh nicht viel daran ändern kann solange die Lebensraüme eingeschränkt werden, deshalb kann man solche Tiere auch weiter fangen?
Das hat auch nichts mit Totschlagargumenten zu tun, sondern ist ledigdlich meine Sicht der Dinge. Wenn Du Argumente hast, die mich in eine andere Denkensweise bringen, dann her damit. Ich lerne gerne dazu. Das Argument, dass die Lebensräume fehlen gibt mir nicht das Recht zu denken, dass die Fische weiter in ihrer Zahl minimiert werden sollten, als es die Lebensumstände eh schon machen.
Gruss Andreas
Huhu knut
Viele Beispiele zeigen das die Züchtung und Erhaltungszüchtung durchaus dazu führen das bedrohte und gefährdete Bestände sich soweit erholen können, das Ihre Nutzung und ihre eigentliche Aufgabenerfüllung innerhalb des Biotops wieder sichergestellt sind.
Ausserdem ermöglicht eine gezielte Züchtung eine viel bessere und gezieltere Bedienung des Verbrauchers mit dem Produkt Zierfisch.
Denn um nichts anderes geht es.
Und wenn Fänger aufhören ganze Flussabschnitte mit Lähmungsgiften zu verseuchen auf der Suche nach einer bestimmten L Nummer dann ist auch dem Schutz des Biotops an sich gedient.
Gruss
Oliver
Hallo Andreas,
Die Beispiele Neon und Skalar sollten zeigen, dass eine Entnahme aus der Wildbahn möglich ist, ohne den Bestand oder die Art zu gefährden. Bei den oben genannten Arten lag die Bedrohung im Wandel der Lebensräume und deren Verschnmutzung.
Ich habe argumentiert, wenn ein Fang- und Exportverbot die Bestände sichern würde, dann hättest du recht, halte aber einen Weg für eine verträgliche Nutzung und Arterhaltung für sinnvoller. Deshalb ist dein Argument; jeder der so denkt wie legitimiert da was ..., für mich ein Totschlagargument, gegen das eine sachliche Argumentation nicht mehr möglich ist!
Gruß Knut
Hallo Olli,
Das Nachzüchten in Gefangenschaft macht doch nur dann Sinn, wenn man die Tiere in eine Umwelt auswildern kann, in der sie auch wieder einen ihrer Art entsprechenden Lebensraum vorfinden.
Arterhaltung nur für den Zoo, also in einer Umwelt in der sie ohne (menschliche) Hilfe nicht existieren können ist in meinen Augen falscher Natur- und Artenschutz, oder zumindest sehr kritikwürdig.
Gruß Knut
Hallo Knut
Es gibt aber eine menge Tiere, z.B. Sibirischen Tiger, oder auch den Indischen Tiger deren Lebensraum vom Mensch zerstört wird und daher in den nächsten Jahren nur noch im ZOO zu bewundern sind (leider), das sehe ich nicht als fragwürdig an.
Du schon ? Wenn ja, warum?
Ich denke aber auch das der Süsswasserrochen,
in seinem Lebensraum zwar bedroht ist aber auch wegen Überfischung auch auf die Rote Liste gehört und nicht ausgeführt werden sollte und das er nichts in einem normalen AQ verloren hat.
Hallo Frank
Original von Frankma
Es gibt aber eine menge Tiere, z.B. Sibirischen Tiger, oder auch den Indischen Tiger deren Lebensraum vom Mensch zerstört wird und daher in den nächsten Jahren nur noch im ZOO zu bewundern sind (leider), das sehe ich nicht als fragwürdig an.
Du schon ? Wenn ja, warum? An dieser Stelle ist die Diskussion nur noch auf einer ethisch moralischen Basis zu führen. Ich halte es deshalb für kritik- oder auch fragwürdig, weil wir zunächst den Lebensraum dieser Tiere zerstören und ihnen damit die Basis für eine Existenz in Freiheit nehmen, und dann anschließend argumentieren: Weil das Tier in freier Wildbahn bedroht ist, sorgen wir im Zoo für eine Arterhaltung! Das hat für mich etwas von Doppelmoral!
Original von Frankma
Ich denke aber auch das der Süßwasserrochen,
in seinem Lebensraum zwar bedroht ist aber auch wegen überfischung auch auf die Rote Liste gehört und nicht ausgeführt werden sollte und das er nichts in einem normalen AQ verloren hat. .
Und hier tappe ich eben im Dunkel, oder würde mich auf sehr dünnes Eis begeben. Eine Überfischung kann man z.B. bei Hyphessobrycon flammeus und bei Chromobotia macracantha verneinen und wohl auch bei Hypancistrus zebra.
Über die Haltungsbedingungen von Süsswasserrochen kann man sicherlich trefflich diskutieren. In ein normales Aquarium gehören sie sicher nicht.
Auf der roten Liste tauchen die Süsswasserrochen inzwischen auf, klassifiziert in der 6. und 7. Stufe der Skala und der Trend ist mit einem Fragezeichen versehen.
Ich will die Bedrohung damit nicht verharmlosen, nur relativieren.
Gruß Knut
Der Fischer
30.11.2006, 23:15
Hallo!
Da Hypancistrus zebra recht kleine Gelegegrößen aufweist kann ich mir, wenn man berücksichtigt, dass überwiegend die für die Fortpflanzung notwendigen Männchen befischt werden, schon vorstellen, dass der Bestand durch Befischung gefährdet sein könnte.
Bei Chromobotia macracanthus ist nach Angaben der DATZ die Brandrodung der Regenwälder und das damit einhergehende Verschwinden des Lebensraumes für die Gefährdung verantwortlich.
Gruß!
Martin
Fischfee
01.12.2006, 07:09
Hallo
Hab auch mit ja gestimmt
ich denke ALLE bedrohten Tierarten sollten mit einem Exportstop
belegt werden
Casa Carota
01.12.2006, 07:20
Hallo,
ich habe für das Ausfuhrverbot getimmt.
Wenn sich schon die Lebensbedingungen in den Habitaten der Fische so verschlechtern, dass sie dadurch immer weniger werden, müssen wir uns nicht noch die restlichen Tiere dieser Art für unsere Aquarien dort rausfangen lassen.
Entweder Züchter schaffen es, Nachwuchs zu "produzieren" und diese bedrohten Fische Aquarianern anzubieten - oder es gibt diese Tiere einfach nicht mehr im Handel.
Logisch, dass das Geschäft mit bedrohten Tierarten dadurch umso lukrativer für illegale Fänger wird. So etwas hat es immer gegeben und wird es auch immer geben.
Ein seriöser Fachhandel sollte deshalb in Deutschland solche Tiere als Wildfänge gar nicht zum Verkauf anbieten.
Und wenn der Preis/Wert der Tiere auf der Roten Liste steigt, ist sicher auch der Reiz bei Züchtern gegeben, diese Arten nachzuziehen
Hallo,
generell bin ich für ein Handelsverbot, wenn der Handel mit diesen Tieren zu einer Bedrohung der Art führt.
In diesem thread sind einige Bemerkungen die ich kommentieren möchte.
Natürlich werden von Olli einige Fangmethoden zu Recht angeprangert. Darüber muss man nicht diskutieren. Auch über Tierschutz und Artenschutz an sich muss man nicht diskutieren. Aber man kann über die Massnahmen, die zur Arterhaltung beitragen geteilter Meinung sein.
Es gibt internationale Abkommen und Richtlinien die z.B. den Handel mit bedrohten Tierarten regeln, das reicht vom totalen Handelsverbot bis zu kontrollierten Tierentnahmen aus der Wildnis.
Naturschutz und Artenschutz bringt wenig bis gar nichts, wenn er die betroffenen Menschen nicht mit einbezieht. In diesem Fall sind das die Händler und Tierfänger. In Brasilien leben einige Menschen vom Zierfischfang und Handel. Auch diesen Menschen muss man Sinn und Zweck vermitteln. Ihnen einfach die Lebensgrundlage entziehen wird sie nicht zur Einsicht bringen. Die Gefahr dass ein Verbot wirkungslos ist, ist sehr gross. Der Fänger wird weiter seine Fische fangen, vor allem, wenn er auf dem Schwarzmarkt nach einem Verbot sogar noch höhere Preise erzielen kann als vorher. Hier ist eine Bewirtschaftung, also ein kontrollierter Fang und Export, der sowohl die Bestände schätzt als auch dem Fänger weiterhin ermöglicht seine Familie zu ernähren wesentlich sinnvoller als ein einfaches Verbot.
Meines Wissens haben sich viele Staaten zu diesem Zweck und zur Internationalen Kontrolle und Ächtung des Handels mit bedrohten Tierarten in der CITES Organisation (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) zusammengeschlossen.
Dieses Abkommen ächtet den Handel in jedem einzelnen Land, dass sich diesem Abkommen angeschlossen hat. Da wird nicht nur der Export geregelt, sondern jeglicher Handel unterbunden oder strengen Regeln unterworfen.
Die Cites gibt eine Liste der Arten heraus, deren Handel verboten oder eingeschränkt ist.
Es gibt die IUCN, (International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources) diese Organisation führt auch die Rote Liste der bedrohten Arten. Es gibt eine Klassifizierung für jede hier aufgeführte Art, die oberste Stufe ist z.B. Ausgestorben, dann folgt ausgestorben in freier Wildbahn usw.
Und schliesslich fährt jede Nation eigene Listen der bedrohten Arten.
Kommen wir nun zum Beispiel der Süsswasserrochen.
In der von mir verlinkten Liste der gefährdeten Arten der brasilianischen Regierung tauchen die Potamotrygon Arten nicht auf, vielleicht gibt es aber inzwischen eine aktuellere Liste.
In der Cites Liste tauchen sie, meines Wissens, ebenfalls nicht auf.
In der IUCN Red List sind fünf Potamotrygon Arten gelistet, eine ist als LC (Least Concern) kategorisiert, die anderen vier als DD (Data Deficient).
LC ist eine Stufe unter NT (Near threatened) also nahe an einer Bedrohung, DD (eine Stufe unterhalb LC bedeutet es gibt keine ausreichenden Daten über Anzahl und Verbreitung.
Es gibt wohl ein Handelsverbot innerhalb Brasiliens zu einigen Süsswasserrochen.
So viel zu den Fakten. Bei Hypancistrus zebra lief es ähnlich ab. Es gab Vermutungen und schliesslich ein freiwilliges Fangverbot der Händler und Exportteure, das war allerdings auf 6 Monate befristet und galt faktisch nur für die Regenzeit. Da war sowieso kein Fang möglich!
Das führte dazu, dass die Preise in die Höhe kletterten. Bei den jetzigen Preisen sank dann auch die Nachfrage in Deutschland. In Japan werden sie angeblich fleissig weiter verkauft, zu Preisen die deutlich über denen in Deutschland liegen.
Bei der unklaren Datenlage zu den Süsswasserrochen ist eine Beurteilung, ob denn nun der Fang und der Handel tatsächlich einen Einfluß auf die Population hat nur sehr schwer möglich!
Die Frage ist hier für mich: Wem nützt also ein Exportverbot tatsächlich ? Hier ist viel Raum für Spekulationen.
Gruß Knut
Draconia
01.12.2006, 21:15
Ich bin generell für ein Fangverbot bedrohter Tiere.
Als ich gehört habe das Fächergarnelen Wildfänge sind war ich total geschockt!!
Ne sowas mag ich nicht in meinem Becken haben.Hab sie zurück zu Händler gebracht. Soll sich jemand anderes dieses schlechte Gewissen antun.
Das schlimme ist das die Händler nicht gezwungen sind einen darauf aufmerksam zu machen...
Ich denke wen dem so wäre würden sich einige Aquaristiker überlegen ob sie div. Fische kaufen möchten...
AndreasHB
02.12.2006, 11:08
moin,
ich habe fuer ein exportverbot gestimmt, muss das aber erlaeutern da ein einfaches ja/nein schema mir dabei doch erhebliche probleme bereitet.
ein exportverbot kann sinn machen, deshalb habe ich mit ja gestimmt.
wer oder was am aussterben von tier - und pflanzenarten "schuld" ist laesst sich pauschal nicht so einfach bestimmen.
ob ein exportverbot sinnvoll ist laesst sich nur im einzelfall von art zu art entscheiden. da helfen pauschalisierungen kaum weiter und die ursachen des aussterbens von arten werden je nach art unterschiedlich sein.
pauschal gesagt ist allerdings biotopzerstörung ursache nr.1, dicht gefolgt von faunenverfälschungen.
erhaltungszuchten koennen durchaus sinn machen und sollten von einem exportverbot ausgenommen werden. es ist auch nicht fuer jede tierart erforderlich den beruehmten (ausreichenden) genpool aufzubauen. was beim sibirischen tiger fuer eine erhaltungszucht unbedingt erforderlich ist muss nicht fuer zb wirbellose gelten. auch kann ich mir durchaus eine finanzierung von erhaltungszucht durch beschränkten gewerblichen verkauf vorstellen.
aber knut hat natuerlich bzgl des schwarzmarktes recht - jede prohibitive massnahme erzeugt einen hochgradig lukrativen schwarzmarkt und der ist kaum wirksam zu bekaempfen, evtl. ist da aber schon der begrenzte gewerbliche verkauf aus erhaltungszuchten eine wirksame gegenmassnahme.
fuer wirklich sinnvoll halte ich aber eher massnahmen wie zb den aufbau von kooperativen projekten (aehnlich wie zb den berühmt/berüchtigten solikaffee) u.a. mit der bevoelkerung vor ort. da fehlt aber leider das engagement der menschen hier (und natuerlich das geld).
gegen harte monetaere konzerninteressen werden aber auch solche massnahmen nur eine begrenzte reichweite haben.
zur "schuldfrage" bzw. dem schlechten gewissen: das ist mir wiederum mittlerweile komplett wurscht weil es meiner meinung nach ueberhaupt nichts zu sinnvollen problemlösungen beitraegt. das individuelle gute gewissen dient leider nur allzu oft dem fingerzeig auf andere (und wird fleissig von vermarktungsstrategen genutzt).
andreas
(der aber natuerlich auch unbedingt ein guter mensch sein will) ;)
AndreasHB
02.12.2006, 11:15
kurzer nachtrag:
lt. aktueller DATZ gilt jetzt auch ein exportverbot bzgl suesswasserrochen aus brasilien.
andreas
Andreas W
02.12.2006, 14:17
Hallo Andreas,
ich habe von diesem Datz Bericht erfahren aus der Cichlidenwelt. Daher habe ich diese Umfrage auch gemacht. Es ging oder geht mir nicht um ein Ausfuhrverbot von Zierfischen im allgemeinen, sondern wirklich um die bedrohten Arten.
Natürlich sehe ich ein, dass damit nicht die Hauptursachen der Minimierung der Bestände weg sind. Ich sehe dabei mehr, dass bedrohte Tierarten nicht mehr so schnell und einfach in die Verkaufsbecken der Händler geraten wird, und somit nicht noch von eh wenigen Tieren einige zusätzlich gefangen werden.
Geziehlte Nachzuchtsprojekte sollten dabei unterstützt werden. Dieses sehe ich genau so.
Den Schwarzmarkt wird es nicht interessiern, nein sogar noch anspornen. Jedoch wird dieses weit weniger Tiere betreffen als wenn sie legal ausgeführt werden dürften.
Vor allem sehe ich den Vorteil auch ein wenig darin, dass Züchter sich evtl. mehr um das Nachziehen schwer nachziehbarer Arten kümmern könnten, da sie dann ja auch einen um einiges höheren Verkaufspreis erzielen würden.
Gruss Andreas
kalle1302
02.12.2006, 15:53
Man sollte lieber versuchen die Arten nachzuzüchten und sie wieder auswildern um so einen Bestand einer Art zu erhalten .Ich persönlich würde
auch nur Nachzuchten kaufen ,denn es gibt schon genug bedrohte
Tierarten auf der Welt und es mÃüssen ja nicht noch mehr werden ,denn wir
sollten alle mal an unsere Kinder denken .Manche Tiere kennen sie schon heute nur noch von Bildern und nicht mehr als Orginale und das ist traurig genung,wenn es so weiter geht ,kennen unsere Enkel kein Tier mehr als Orginal und das kann es nicht sein ! :klatsch: :klatsch: :klatsch:
Michael H
02.12.2006, 21:25
Hallo,
da gab es vor nicht langer Zeit einen sehr interessanten Fernsehbericht zum Thema Naturentnahme und Wildfangtieren.
Das Fazit war folgendes.
Solange Tiere als Existenzgrundlage dienen, werden diese auch geschätzt. Zumindest werden ihre Biotope nicht zerstört. Ein Wildfänger, der nicht mehr jagen darf sucht einen anderen Weg um zu überleben.
Im Bericht wurden Gebiete gezeigt in denen ehemalige Jäger versucht haben Gold zu finden, Vieh zu züchten, oder Holz abzubauen.
Allein durch die benötigte Infrastruktur wurden mehr Lebensräume zerstört und Tiere vernichtet, wie dass durch legalen Fang je hätte passieren können.
Ein Schutz der Tiere vor Ort ist auf Grund der riesigen Flächen und mangelnden Geldes unmöglich.
Statt die Jäger zu jagen sollte man sich mit ihnen auf halben Wege treffen.
Nach dem Motto, wenn Du gewisse Arten verschonst darfst Du die anderen fangen/jagen und bekommst noch etwas zusätzlich.
Tiersammler, die unbedingt den letzten Dodo im Käfig halten wollen wird es immer geben, genauso wie Menschen, die diese Wünsche erfüllen.
Da helfen keine Verbote.
Grüsse
Micha
Hi,
ich habe erstmal noch gar nicht abgestimmt, da ich mir nicht ganz sicher bin...
Mal ein Beispiel aus der Heimat: Ich würde liebend gern ein Aquarium für unsere einheimischen Steinbeisser herreichten, finde aber bislang keine Nachzuchten und selber fangen ist nicht. Eigentlich ok, aber ich weiß das es völlig ok ist das beim Ausbaggern von Gräben oder kleinen Flüssen etliche dieser unter Schutz stehenden Fische an Land zu befördern, und das ganz legal und offiziell. Ich bin mir ziemlich sicher das die Zahl der Steinbeisser bei uns nicht wegen ein paar entnommen Individuen für die private Haltung geschädigt wird. Es gibt schließlich nur eine Handvoll Interessenten für derartige Fische. Die Schädigungen sind anderen Ursprungs, an denen wird aber kaum was geändert. Ich hoffe das sich irgendwann mal eine Teichfischzucht ihrer annehmen wird!
Bei der Schachbrettschmerle ist es meines Wissens auch so, das sie nicht wegen Naturentnahmen für die Aquarienhaltung vom Aussterben bedroht ist, sondern weil sie durch Staudämme nicht mehr zu ihren Laichgewässern kommen kann. Ob das wirklich so stimmt weiß ich nicht, habe es nur gelesen und nicht selbst überprüft. ;)
Ich finde es aber völlig richtig das eine wirklich (nach heutigem Stand) sehr seltene Schmerle von der Insel Sri Lanka (Lepidocephalichthys jonklaasi) nicht in den Handel kommt. Davon sind bisher glaube ich nur vier Fundorte bekannt, und in diesem Fall könnte ich mir vorstellen das häufigere Entnahmen für Aquarianer durchaus sehr negative Folgen für diese Art haben könnten.
Momentan tendiere zum Ausfuhrverbot, auch wenn es als einzige Maßnahme der betroffenen Art wohl nicht helfen wird.
Viele Grüße
Thomas
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