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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die versprochenen "TecSpecs" zu meinem Aquarium


cschweden
16.12.2006, 18:51
Hallo allerseits,

jetzt habe ich mal Zeit gefunden, ein bisschen was über mein Becken zu schreiben, insbesondere über die Technik, da war ja doch der ein oder andere Interessent...

Ein bisschen zur Geschichte: Wir haben uns im Januar 2002 entschieden, uns ein Eigenheim zu leisten und an Rosenmontag (und das in Köln) dann endlich den Kaufvertrag für ein schnuckliges, arg renovierungsbedürftiges 50er Jahre-Häuschen unterschrieben. Schon am nächsten Tag ging die Sanierung los und dauerte 10 Wochen, bis wir soweit waren, dass wir einziehen konnten. Alles musste neu gemacht werden - Strom, Wasser, Heizung, Fußböden, Wände und so weiter...
In unserer alten kleinen 50qm Bude hatten wir schon unser 250l Meerwasserbecken stehen, und die Fische sollten ja mit umziehen. Also musste bei der Renovierung ganz schnell ein neues AQ aufgebaut und eingefahren werden, damit beim Umzug alles fertig ist.

Also spannten wir die ganze Familie nebst allen handwerklich begabten Freunden für die Renovierung ein, und klein Christian fing mit dem Aquarium an:

1. Der Standort:
Das Becken sollte als Raumteiler zwischen Wohn- und Esszimmer zu stehen kommen. Die Stelle ist optimal, da direkt unter dem Aquarium eine stabile, tragende Kellerwand verläuft. Da gaaanz früher zwischen Wohn- und Esszimmer auch mal eine Wand stand, war allerdings der Estrich nicht durchgehend und hätte unter dem Gewicht des fertigen Beckens irgendwann reissen können. Da ich keine Lust auf ein schiefes Aquarium hatte, habe ich dann in mühevoller Kleinstarbeit den Estrich am "Aquariumstellplatz" rausgekloppt und anschließend eine neue Bodenplatte für den Unterbau aus Stahlbeton gegossen. DIE STEHT JETZT!

2. Der Unterbau:
Nachdem der Beton der Bodenplatte dann ausgehärtet war, ging es ans Mauern. Ich hatte gegen einige Proteste beschlossen, den Unterbau aus Ytongsteinen zu zimmern, weil das am Ende auch die günstigste Lösung war. Ich bestellte im Baustoffhandel eine Palette Steine und zwei Sack Dünnbettmörtel und machte mich ans Werk. Bei der Konstruktion beteiligte sich netterweise unser Architekt. In der Mitte (über der Kellerwand) läuft ein durchgehender Sockel aus 6cm dicken Steinen in drei Lagen nebeneinander, die ineinander verzahnt sind. So wird der Großteil des Gewichtes auf die Kellerwand abgeleitet. Damit das Becken später nicht kippelt, wurden dann rechts und links jeweils 3 einschichtige Stützwände hochgezogen. Wichtig bei Ytong ist, dass man den richtigen Mörtel benutzt und diesen wirklich nur sehr dünn aufträgt, der schrumpft nämlich beim Abbinden, und zu dicke Schichten sorgen dann für "Schiefstand".
Die fertige Ytongkonstruktion habe ich anschließend mit dem Reibebrett (Staubkatastrophe) egalisiert und dann verputzt und tapeziert. Als Grundplatte für das Aquarium dient eine 30mm OSB-Platte, die ich mit Bootslack von allen Seiten wasserdicht versiegelt habe.

3. erste Katastrophen
Die komplette Filtertechnik sollte im Keller verschwinden, weil die für das Meerwasser ausgesuchten Pumpen in der nötigen Leistungsstärke nicht gerade wohnzimmertauglich waren. Also mußten diverse durchbrüche in die Decke. Dabei stellte ich zuerst fest, dass man es in den 50ern wohl nicht so genau mit den Bauplänen genommen hatte - mein erster Bohrversuch endete in der Aussenmauer. Da ich zu geizig für eine Kernbohrung war, wollte ich die Betondecke unbedingt mit unserer "guten" Bosch-Schlagbohrmaschine selber bohren und aufstemmen. Beim dritten 22mm-Loch wickelte sich der sch... Bohrer dann um das erste Eisen, die Maschine steckte im Boden, die Rutschkupplung hatte versagt und meine Schulter ein häßliches Geräusch gemacht. Nach einem Tag harter Arbeit war dann der Bohrer frei und es hätte weitergehen können, wenn die Maschine nicht die Grätsche gemacht hätte... Wutentbrannt habe ich dann in eine gute, schwere, Makita investiert, und der waren auch die Eisen im Boden egal (eine Kernbohrung wäre übrigens billiger gewesen...).
Dann kam der Tag, an dem der liebe Markus (unser Aquarienbauer) das Becken lieferte, dass natürlich nicht durch die Haustür passte, sondern quer durch unwegsames Gelände durch den Garten und über die Terasse ins Haus musste. Gott, ist Glas schwer... Kaum stand das Becken, war mir auch schon klar, was ich vergessen habe: Das Becken hat eine Bodenbohrung für den Ablauf zum Filter, und genau da, wo die Bohrung war, war auch die Mittelwand meiner Unterkonstruktion. Also wieder kloppen und bohren...

4. Das Becken:
Das Aquarium hat die Maße 160x90x70 bei einer Glasstärke vom 12mm (grünsticharm). Um Spannungen in der Bodenscheibe zu verhindern, wurde diese aus zwei Teilen geklebt.

5. Die Beleuchtung:
Zuerst haben wir aus Zeitgründen nur eine einfache und relativ preiswerte 2x250 Watt HQI-Leuchte von Aqualight über das offene Becken gehängt, es sollte ja auch offen bleiben. Leider stellte sich bald nach unserem Umzug heraus, dass Grundeln gerne Bungee-Jumpen, aber aufgrund ihres Mangels an Einkaufsmöglichkeiten wohl keine Gummiseile besaßen - es musste eine Abdeckung her. Mit Aluprofilen aus dem Baumarkt zimmerten wir eine Grundkonstruktion, die die Hängeleuchte und zwei Blaulichtröhren aufnehmen konnte. Verkleidet wurde das Ganze dann mit zigmal lackiertem Sperrholz und Kunststoffplatten. Die Abdeckung liegt auch heute noch drauf, allerdings sind beim Umstieg auf Süsswasser die HQIs rausgeflogen und von T5 ersetzt worden.

6. Der Filter
Im Aquarium steckt ein 63er PVC-Rohr als Überlauf mit selbstgebautem Schalldämpfer (sonst "Klospülungsgeräusche". Das Wasser landet unten in unserem alten 250l Aquarium, das mit ein Paar Querscheiben in drei Kammern unterteilt wurde. In der ersten Kammer sammelt sich grober Schmutz (Pflanzenteile etc.). Von da gehts in die Hauptkammer, die früher voll Lebendgestein war. Heute dient sie als Auffangstation für lebensmüde Garnelen (die lieben es, in den Überlauf zu schwimmen) sowie als Aufzucht- und Umgewöhnungsbecken. Wir haben Sie mit einer dicken Schaumstoffmatte als Grobfilter nochmal abgetrennt. Dahinter sind 25kg Lavasplitt als Biofilter. Die dritte Kammer ist für die Technik. Hier sitzt unser Heizer, die Umwälzpume (damals Magnetkreiselpumpe ATK, jetzt OASE Brunnenpumpe), die ganze Messtechnik, CO2-Zufuhr und Niveauregulierung. Die Pumpe ist über einen Frequenzumrichter auf 40Hz gedrosselt, fördert dabei immer noch reichlich ins Erdgeschoss und ist wesentlich sparsamer als die alte Magnetkreiselpumpe. Von der Pumpe gehts dann durch ein 40er PVC-Rohr wieder nach oben in einen Verteiler. Der Größte Teil des Wassers geht durch ein Rohr im Bodengrund bis in den vorderen Teil des Beckens (gegenüber vom Überlauf), wo es aus zwei Düsen ins Becken gepumpt wird. So entsteht eine schöne "Ringströmung", die für gute Umwälzung sorgt. Ein kleiner Teil des Pumpenwassers ist auf die Oberfläche gerichtet, um dort für etwas Bewegung zu sorgen. Dieser "Schnorchel" hängt etwas über der Wasseroberfläche, um bei einem Pumpenausfall Luft zu ziehen und damit zu verhindern, dass das Wasser dann in den Keller gesaugt wird.

7. Heizung:
Zuerst haben wir versucht, das Becken elektrisch zu heizen, allerdings reichten im Winter 4 300 Watt Heizer nicht aus, und bei 1,2kW Heizleistung plus Licht plus Pumpe war meine Schmerzgrenze deutlich überschritten. Also haben wir das AQ an die Zentralheizung angeschlossen. Dazu haben wir einfach eine Rolle "Wiroflex"-Verbundrohr (trinkwassergeeignet) so aufgewickelt wie sie war an den Heizungskreislauf angeschlossen. Geregelt wird über ein Heizkörperthermostat in der "Behördenausführung", der Fernfühler baumelt in Epoxydharz gegossen im Filterbecken. Das Ganze funktioniert erstaunlich gut, einmal eingestellt, braucht man sich um nichts mehr zu kümmern. Im Sommer schalten wir die AQ-Heizung mit in den Warmwasserkreislauf der Zentralheizung, wobei die Temperatur dann eigentlich nie kritisch niedrig wurde.

8. Wasseraufbereitung:
Das Kölner Leitungswasser ist aus aquaristischer Sicht ein klein bisschen blöd - meine Kaffeemaschine will wöchentlich entkalkt werden. Deshalb ist eine Osmoseanlage mit nachgeschaltetem Silikatfilter im Einsatz. Im vergangenen Sommer haben wir uns dann einen 18m-Brunnen bohren lassen (wegen Gartenteich und Gartenbewässerung), dessen Wasser fast dem Leitungswasser entspricht und deshalb genauso aufbereitet wird (ist aber vieeel billiger). Das Restwasser aus der Osmose läuft in die Regenwasserzisterne und ist verschnitten mit dem Regenwasser zum Klospülen und Blumengiessen prima.
Verdunstetes Wasser im Aquarium wird automatisch über die UOA nachgefüllt. Wasserwechsel geht seit zwei Wochen auch ohne Eimer und kleckern, mittlerweile ist am Filterbecken ein fest installierter zu- und Ablauf. Um reines Osmosewasser nachzufüllen, reduziere ich einfach den Wasserstand im Filterbecken bis aufs Minimum, die "Nachfüllanlage" besorgt innerhalb von ein Paar Stunden den Rest.

9. Düngung
Wie so oft war ich für 500g-CO2-Flaschen wieder zu geizig. Im Getränkehandel gibt es wunderschöne große Flaschen, die dann auch mal ein Paar Jahre halten (so war es zumindest am Kalkreaktor im Seewasser) und für wirklich kleinstes Geld bein Handel für techn. Gase aufgefüllt werden. Praktischerweise sind die Armaturen ja kompatibel... Das CO2 ist synchron mit dem Licht geschaltet und wird direkt in die Pumpe geleitet. Durch den langen Weg ist es bis oben vollständig aufgelöst. Auf eine pH-Regelung habe ich mal verzichtet, denn ich würde es garantiert vergessen, die Elektrode zu reinigen und zu regenerieren, und dann macht eine Regelung auf Nachkommastellen eh keinen Sinn mehr...
Um täglich Dünger zu dosieren bin ich zu faul. Aus dem Meerwasserbecken war noch eine Dosierpumpe über, die nun jeden Tag meine Eigenkreation Eisendünger ins Becken pumpt.

10. Weitere Projekte für die Zukunft:
Zur Zeit bastele ich an einem Steuercomputer, der den ganzen Haufen Zeitschaltuhren, Schwimmerschalter, Magnetventile, Messgeräte usw. mal in einem Modul bündelt. Bei der Sanierung haben wir in jeden Raum jede Menge Steuerleitungen für eine "Hausautomation" gelegt, die mittlerweile auch ganz gut gewachsen ist. Schön wäre es, wenn das Aquarium da integriert wäre, damit ich auch mal einfach vom Sofa aus die Schaltzeiten auf Sommerzeit umstellen könnte... Wird wohl noch jede Menge Spielkram werden.

Bild 1: Abdeckung von innen (inklusive Katernase)
Bild 2: Filterbecken in der Totalen (ohne aufgeräumt...)
Bild 3: "große Filterkammer" mit Lavasplitt
Bild 4: Pumpe und Heizspirale im "Technikbecken"
Bild 5: Das Schlauch-, Rohr- und Kabelchaos, das zum Glück nie das Wohnzimmer erreichen wird...

Ich werde auf jeden Fall die restliche Fotos noch irgendwo im Netz ablagern und kommentieren, das würde hier glaube ich nur ziemlich unübersichtlich. Link folgt bald!

Wenn irgendwelche Fragen sind oder jemand Bastelanleitungen und Tipps haben will - nur zu!

Gruß,
Christian

cschweden
16.12.2006, 19:11
Hallo,

hier noch ein paar Fotos vom Aquarium, wie es jetzt aussieht.

Gruß,
Christian

PS: Glaube, ich habe demnächst Hornkraut abzugeben...
PPS: Sorry für ultralange Threads - die Alternative war das Bügelbrett

Frankma
17.12.2006, 10:24
Hallo Christian
Da hast du aber ein super AQ und super Bilder :respekt:

fradin
17.12.2006, 10:30
Moin Christian,

gefällt mir auch sehr gut,aber warum hast du die Abdeckung soweit über das Aq gezogen?

cschweden
17.12.2006, 10:38
Hallo Frank,

wie so vieles hier am Haus ist auch die Baustelle Aquarium noch nicht ganz fertig. Da, wo die Abdeckung zugegebenermaßen etwas häßlich übersteht, steht an der Wand ein Vorsprung vor, in dem die Heizungsrohre nach oben laufen. Irgendwann, wenn ich mal wieder Lust auf Bastelei habe, baue ich in die Lücke noch ein Paar Regalböden und eine Tür davor, dann passt's wieder...

Gruß,
Christian