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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auswirkung: abgeschalteter Filter


Timo J
31.12.2006, 20:27
Hallo,

ich habe gerade in Internetforen häufig Thread gelesen, dass manche ihre Filter nachts abschalten wegen Lärmbelästigung/ Gutglauben/ Energiesparen etc.
Immer wieder war daraufhin zu lesen, dass es unweigerlich zu einem Nitritpeak kommen wird und die Tiere sterben werden.

Was ist dran - und was stimmt wirklich?

Hier einige theoretische Überlegungenzum Thema Innenfilter, Aussenfilter, HMF; biologische Filterung, Sauerstoff:

ich denke das das Problem darin liegt, dass eine Überprüfung in unseren Maßstäben (Heimaquariener) nicht möglich ist hinsichtlich der Besiedlungsdichte.

Also muß es bei der Theorie bleiben. Theoretisch wird der Innenfilter schnell durchströmt, was eine hohe Sauerstoffzufuhr gewährleistet. Der Schaumstoff wird zu 100% besiedelt. Theoretisch werden bei einem HMF nur die ersten Zentimeter des Substrates besiedelt, weil dort Nahrung zu finden ist. Die Sauerstoffversorgung ist theoretisch ebenfalls niedriger, aber sicher mit der des Aquarienwassers vergleichbar.
Hebt nun die große Besiedlungsfläche des Innenfilters mit dem extremen Sauerstoffverbrauch die Leistungsfähigkeit eines HMF´s auf? Alleine aufgrund der mechanischen Filterwirkung befindet sich mehr Nahrung in Form von organischen Feststoffen im Substrat als beim HMF, der als biologischer Langsamfilter arbeitet.

Der Aussenfilter muss ähnlich wie der Innenfilter gewertet werden, denn die dort befindlichen Bakterien werden dauerhaft mit viel Sauerstoff versorgt, ebenso mit fester organischer Nahrung.

Alles theoretisch. Fällt nun der Innenfilter/ Aussenfilter aus, fehlt den Bakterien der nötige Sauerstoff. Bakterien passen sich an ihre Umwelt an, sprich, haben sie enorme Sauerstoffmengen zur Verfügung, werden sie sich darauf einstellen.
Entfällt nun diese Versorgung, wird es theoretisch schneller zu einem Sauerstoffmangel kommen als in einem Langsamfilter wie dem HMF, der den Sauerstoff weiterhin aus dem Aquarienwasser ziehen kann (der aufgrund der Wasseroberfläche nahezu unendlich vorhanden ist).

Die Frage wäre nun, wie belastbar wäre ein System mit abgeschaltetet Pumpen?

Die Situation im Aussen- und Innenfilter würde sich immer mehr zuspitzen. Je nach Größe des Aussenfilters wäre Sauerstoff vorhanden; die Versorgung im Innenfilter würde deutlich langsamer werden, aber nicht abreißen.

Während die Bakterien im HMF ihre Arbeit ohne weiteres ausüben können, je nach vorhandener Strömung (zusätzlicher Schnellfilter o.ä.) erhalten sie weiterhin Nahrung und Sauerstoff. Aber auch ohne weitere Technik arbeitet der HMF zu geschätzten 95% weiter.

Die Bakterien im Aussenfilter werden aber auf Denitrifikation umstellen müssen. Sprich sie knacken Nitrat um an den Sauerstoff zu kommen, vereinfacht ausgedrückt. Entstehendes Produkt z.Bsp. Nitrit, Stickstoff (und N20 & N2).

Je nach Zeitraum kann es passieren, dass bei der Wiederinbetriebnahme des Filters diese "Suppe" ins Becken gepumpt wird.

Also wird aus der Theorie eine praktische Frage, denn es hängt von den Faktoren ab. Wie lange bleibt der Filter aus, wie groß ist der Sauerstoff"vorrat" im Wasser und Filtertopf, wie schnell ändert sich das Mileu im Filter, wieviel Stickstoffverbindungen sind gelöst. Weiter würde es gehen mit der Fütterung, etc., sprich kommen nun angepasste Nährstoffmengen an die neu formierte(n) Bakterienkultur(en), wie schnell stellen sich diese Kulturen um, wie sehr belasten abgestorbene Kulturen das Wasser etc.

In dieser ganzen Zeit kann ein HMF seelenruhig weiterarbeiten, denn es wird zwar eine Umstellung der Kulturen geben, aber dies kann langsam geschehen und wenn der Aquarianer keine groben Fehler begeht, wird er auch nichts bemerken.

Das ist meine theoretische Annahme, ob ein ausgeschalteter Aussenfilter Probleme verursachen könnte.

Ein praktisches Beispiel: durch ein Leck im Absperrhahn meines JBL CP500 arbeitete der Filter (ich glaube 12 Liter Brutto Volumen) mindestens 6 Stunden nicht, möglich wären auch 8.
Nachdem ich den Fehler provisorisch behoben hatte, arbeitete der Filter wie gewohnt weiter. Kein Ausstossen trüben Wassers, keine Auffälligkeiten der Fische, keine veränderten Futtergewohnheiten meinerseits. Keine Ausfälle.

Als Überlegung würde ich sagen, dass 12 Liter brutto (vielleicht 8 Liter netto) ausreichen einen gut eingefahrenen Filter mindestens 6 Stunden mit Sauerstoff zu versorgen. Dies natürlich nur theoretisch, aber es gibt keinen Anhaltspunkt, dass es zu großem Bakteriensterben kam.

Wie bereits erwähnt, ich denke es hängt von zuvielen Faktoren ab und uns fehlen die Möglichkeiten, dies zu bekräftigen.

Aber grundsätzlich kann man den biologischen Langsamfilter eher einen längeren Stromausfall zumuten als einem kleinen Aussenfilter/ Innenfilter, gerade wenn der Ausfall vielleicht nicht bemerkt wird und man weiterhin füttert.

Im übrigen muß ein Filter nicht ausfallen - in meinem 60er Becken muß ich den kleinen JBL Innenfilter (der eigentlich nur zur mechanischen Schnellreinigung nutze) mindestens alle 2 Wochen gründlich reinigen, da er dann seine Funktion einstellt aufgrund der zugesetzten Ansaugöffnung.

Wie sind eure Erfahrungen/ Überlegungen zur Thematik "Filter temporär ausschalten"?

Schönen Gruß Timo

Thomas
31.12.2006, 21:05
Hi Timo,

ich habe mehrfach vergessen den Stecker des Filters nach einer Fütterung wieder einzustecken... :O~

Aber auch wenn ich es erst nach ca. 24 Stunden bemerkt habe, habe ich lediglich den Stecker wieder eingesteckt, dann wird erstmal Brühe ins Aquarium gepumpt, aber das verschindet recht schnell wieder. Ich habe danach nie Nitrit oder dergleichen gemessen, kann deshalb dazu auch nichts sagen. Es gab aber danach nie irgendwelche Ausfälle bei den Aquarienbewohnern.

Das ganze ist mir in den letzten 4,5 Jahren ca. 3-4 mal passiert.

Guten Rutsch wünsch ich Dir und allen anderen hier auch!

Viele Grüße

Thomas

Justy
31.12.2006, 21:31
Hallo,

was Du schreibst, klingt irgendwie plausiebel. Ich glaube wenn der Aussenfilter nur mit Bio-Masse bestückt ist und das Becken entsprechend gross ist, kann das vom Netz nehmen des Filters für eine kurze Zeit keinen wirklichen Schaden anrichten. Der erste Austoss wird sich schnell verdünnen und warscheinlich nicht mehr messbar sein.

Wer aber meint er muss das aus Kostengründen tun um Strom zu sparen, hat das falsche Hobby gewählt.

Karana
01.01.2007, 10:25
Hallo Rolf,
da ich schon ein Aquarium hatte, bevor ich online war, machte ich mir um abgeschaltete Filter nie Gedanken.
Bei zwei Umzügen schaltete ich den Filter (Innenfilter) morgens aus gab ihn in einen Eimer (ohne Wasser) und schaltete ihn abends wieder ein. Die Fische haben es gut vertragen.Mich wundert eher, dass die Fische das Umsetzten von hartem in (wie erst später festgestellt) sehr weiches Wasser problemlos vertragen haben.
Ich schaltete auch schon mehrfach den Filter aus, wenn ich Regenbogenfischlarven im 60-cm-Becken aufziehen wollte. Nach ca 3 Wochen schaltete ich ihn einfach wieder ein (mit Strumpf bestückt).
Und einmal lief ein Filter nur noch brummend. Ich zog den Stecker, besorgte ein neues Flügelrad - was eine Woche dauerte- baute es ein und steckte den Stecker wieder ein. Es ist nichts passiert.
Allerdings waren alle Becken nur schwach besetzt.

cschweden
01.01.2007, 12:41
Hallo,

wie so oft, wenn es um bakteriellen Abbau und biochemische Prozesse geht, ist die Sache ziemlich kompliziert. Ich stürze mich mal auf die Aussenfilter, weil ich da so meine Erfahrungen gemacht habe.

Im normalen Betrieb steht für die Filterbakterien ausreichend Sauerstoff zur Verfügung. Organisches Material wird abgebaut, ohne dass es zu einer Wasserbelastung käme, da der Filter ausreichend Besiedelungsfläche für alle beteiligten Bakterienstämme bietet. Das setzt natürlich schon voraus, dass der Filter richtig dimensioniert ist: ist er zu klein, kann es hier schon zu einem Überangebot an organischem Material kommen, was nahezu zwangsläufig einen Sauerstoffmangel produziert - aber das nur am Rande.

Fällt nun der Filter aus, hängt der weitere Verlauf entscheidend von der im Filter enthaltenen Wassermenge und dem Grad der Verschmutzung ab. Ein richtig dimensionierter Filter bei "normaler" Verschmutzung hat nur geringe Anteile an nicht verwerteter organischer Masse. Der im vorhandenen Wasser enthaltene Sauerstoff kann dann ausreichen, diese noch zu veratmen, ohne dass es zu Problemen kommt. Steht keine Nahrung mehr zur Verfügung, stellen die Bakterien ihre Arbeit als Anpassung an die Umstände ein und es gibt keine Probleme.
Ein zu kleiner, stark verschmutzter Filter hingegen rasselt in die "Katastrophe". Es steht zwar genug Nahrung für die Bakterien zur Verfügung, es fehlt aber schnell an Sauerstoff. Die Kulturen gehen in die Denitrifikation über und es entsteht solange Nitrit, bis die limitierende Konzentration erreicht ist. Die Menge an Nitrit kann unter Umständen für das Aquarium beim Wiedereinschalten unproblematisch sein, es kann aber auch sehr schnell zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Das meiner Meinung nach größte Problem stellen Filter dar, die über einen langen Zeitraum (mehrere Tage bis Wochen) abgeschaltet waren und wieder in Betrieb gehen. Organisches Material geht ohne Sauerstoff in Fäulnis über, und die Produkte dieser Prozesse werden als übelriechende Brühe ins Aquarium gespült. Die Zusammensetzung des Wassers aus dem Filterinhalt ist dabei im Vorfeld kaum zu bestimmen, da durch den anaeroben Abbau alles Mögliche entstehen kann. Mit einer solchen "Brühe" kann es dann schon zu enormen Problemen kommen.

Diese Szenarien sind - wie auch Timo schon schrieb - ziemlich theoretisch, doch in der Konsequenz konnte ich alles schon mal erleben. Leider sind solche Prozesse so gut wie nicht reproduzierbar - mal passiert ein Unglück, mal passiert überhaupt nichts. Beeinflussende Faktoren sind meiner Meinung nach Besiedelungsdichte, Verhältnis der Bakterienarten zueinander, Freiwasservolumen des Filters, Sauerstoffsättigung und Verschmutzungsgrad. Wahrscheinlich spielt auch noch die Temperatur eine Rolle. Alle diese Faktoren variieren ständig, und deshalb finde ich es auch sehr schwer eine pauschale Aussage zu treffen.

Mein (persönliches) Fazit: bei einem gut funktionierenden Filter in einem "normal" verschmutzen Aquarium ist das Abschalten eines Filters für einen kurzen Zeitraum (über nacht oder bis zu drei Tagen) kein großes Problem, sollte aber nach Möglichkeit nicht geschehen. Da ich bemüht bin, die Prozesse im Aquarium möglichst naturnah zu gestalten, läuft mir das Abschalten eines Reinigungsvorganges ohnehin etwas gegen den Strich. Gegen laute Filtergeräusche können ja Maßnahmen ergriffen werden, so dass auch der wichtigste Anlass zum Abschalten eigentlich keiner sein sollte.

Gruß,
Christian

SaschaK.
01.01.2007, 12:45
Hallo zusammen!

Ich für meinen Tel denke das es weder beim HMF, noch beim Innenfilter ein Problem darstellt ihn auszuschalten oder ängere Zeit abzuschalten.
Ein größeres Problem wird es geben, wenn man einen Aussenfilter längere Zeit ausläßt und ihn dann wieder in betrieb nimmt.
Ich für meinen Teil habe eine zeitlang meinen Aussenfilter gegen einen Innenfilter ausgetauscht und mir gedacht, "laß mal schön alles drin wie es ist,solltest du mit dem Innenfilter nicht zufrieden sein..."
Naja und so kam es auch...Habe den Filter wieder anschließen wollen,nach ca. 3 Wochen und das Wasser war aufgrund fehlenden Wasseraustauschs gekippt.Das hat gestunken sag ich Euch, ekelhaft!

Aufgrund dessen, denke ich mir das es kein Problem sein wird den Filter eine Nacht auszulassen.Obwohl ich mich frage wo der "Nähere Sinn" darin besteht!?Um Geld (Strom) zu sparen?Naja,da hat man sich dann leider das falsche Hobby ausgesucht.

LG aus Herdecke,
Sascha

JayJay
01.01.2007, 13:28
Hallo und frohes neues Jahr zusammen,

um nicht zu vergessen, Bakterien besiedeln alle festen Oberflächen. Auch Wurzeln, Steine, Kies und sonstige Gegenstände.
Ok, die Besiedlungsdichte ist nicht so kompensiert wie im Filter, aber es ist davon auszugehen das sich das System anpassen wird.

D.h. fällt der Filter aus, werden sich mit Sicherheit die Bakterien an anderer Stelle, man beachte deren Vermehrungsfreudigkeit, in kurzer Zeit vermehren weil das "Nährstoffangebot" (z.B. Nitrit) eine höhere Konzentration erreicht.

Wie Christian im letzten Absatz seiner Ausführung schon schrieb, gehe ich auch davon aus, dass ein normales Becken, mit einem optimalen Verhältnis von Flora, Fauna und Wasserkörper, durchaus in der Lage ist, einen "Störfaktor" wie Schadstoffanstieg auszugleichen.
Diese Theorie ließe sich ja damit untermauern, wenn man bedenkt das auch Becken jeder Größe erfolgreich Filterlos (auch ganz ohne Technik) betrieben werden.

Sollte nun ein über längeren Zeitraum abgeschalteter Filter wieder in Betrieb gehen, mhhh, schwer zu sagen. Ich würde ihn zumindest mal kurz durchspülen um eine höhere Konzentration an Schadstoffen nicht ins Becken gelangen zu lassen.


Gruß Alex

Timo J
01.01.2007, 14:05
Hallo,

den Faktor Filterung im Becken hatte ich absichtlich ausgelasen, weil die Faktoren die man ins Rechenbeispiel beachten muß, zu vielfältig sind.
Denn man darf nicht vergessen - hier wiederhole ich Alex quasi - das man davon ausgehen kann, dann gut die Hälfte der Filterleistung im Becken selbst stattfindet bevor das Wasser dem Filter zugeführt wird. Sprich jedes Sandkorn/ Kiesel, Pflanze, Deko, Wurzel... jeder Milimeter im Becken bietet Besiedlungsfläche für Bakterien.

Ein entscheidenter Faktor ist immer der verfügbare Sauerstoff. Und da ein Aussenfilter klar vom Wasserkreislau abgetrennt ist, würde hier je nach freier Wassermenge im Topf und vergangener Zeit zuerst der Sauerstoff knapp werden, gerade weil die Bakterien das schnell fließende Wasser (= gute Sauerstoffversorgung" gewöhnt sind und sich entsprechend entwicklelt haben.

Der Innenfilter kann je nach Bauart auch ohne Filterleistung Sauerstoff aus dem freien Wasser ziehen, wenn auch deutlich weniger, aber die Bakterien haben mehr Zeit um sich anzupassen und die Gefahr eine Giftbrühe ins Becken zu pumpen ist wegen der Bauart der Innenfilter (u.a. geringe Freiwassermenge) relativ gering. Allerdings ist die Besiedlungsdichte im Innenfilter deutlich erhöht.

Der HMF ist ein langsamer Filter, nicht nur was die biologische Sicht. Seine Bakterienstämme sind nicht so dicht wie im Innenfilter besiedelt. Auch sind sie nicht auf die Strömungsgeschwindigkeit der Pumpe angewiesen, sie dient nur dem schnelleren Abbau der Schadstoffe - die Matte funktioniert nachgewiesen auch ohne Pumpe.
Selbst wenn die Pumpe ausfällt, finden keine bedeutenden Änderungen innerhalb der Matte statt. Solange es keine starken Temperaturabfälle aufgrund eines Stromausfalles gibt, arbeitet die Matte weiter. Einziges Problem könnte die Sauerstoffversorgung der Fische darstellen, wenn die HMF- Pumpe zuvor die Wasseroberfläche stark bewegt hat. Aber dieses Problem gilt für alle Filter.

Schönen Gruß Timo