cschweden
12.01.2007, 08:34
Hallo allerseits,
ich möchte an dieser Stelle mal eine Glosse eröffnen (warum immer nur für nicht-aquaristische Fachzeitschriften schreiben?). Jeder sei dazu aufgerufen, das Thema fortzusetzen!
Sollte sich jemand an eigene Erlebnisse erinnert oder sich auf den Schlips getreten fühlen: nicht böse sein, eine Glosse darf das!
Gruß,
Christian
Samstags im Zoodiscount
Der ganz normale Wahnsinn der programmierten Klischee-Erfüllung Es ist Samstag, ich habe ausnahmsweise frei. Da wäre es doch toll, mal wieder den Zooladen zu besuchen und für etwas Gesellschaft im Aquarium zu sorgen. Der Plan wird schnell durchkreuzt von putzwütigen Mitbewohnern, für die der Samstag heilig zu sein scheint.
Nun ja, um vier Uhr nachmittags ist endlich alles auf Hochglanz poliert und es kann losgehen. Dumm nur, dass der Händler meines Vertrauens bereits um zwei die Tür abgeschlossen hat. Da man ja nun einmal unterwegs ist und bestimmte Entschlüsse nun mal unumstößlich feststehen, düst man quer durch die ganze Stadt (samstags nachmittags ein Hochgenuss für Verkehrsfans) zum großen Zoodiscount im Industriegebiet.
Nach halbstündiger erfolgloser Parkplatzsuche ist die zweite Reihe einfach sehr verlockend, und irgendwie schaffen es die Großen auch immer, den „Haben wollen“-Trieb zu wecken. Deshalb lauere ich auf jemanden, der mir mein Papiergeld in für Einkaufswagen passende Münzen tauscht und werde nach fast einer Viertelstunde fündig. Der Wagen quietscht und hat einen Drang nach links, dem ich mich nur unter Einsatz meiner ganzen Kraft widersetzen kann.
Wahnsinn! Hamsterkäfige inklusive Hamster, dreihundert Kilo Vogelsand zum Preis von zweihundertneunzig, dreißig Prozent Rabatt am Tag nach dem Geburtstag der Schwiegermutter des Nachbarn – die totale Reizüberflutung. Das Informationsbedürfnis der Kundschaft scheint jeden Samstag gegen fünf zu explodieren, denn fünf Minuten vorher findet sich das komplette Personal in froher Erwartung bei Kaffee und Keksen am Infoschalter.
Vorbei an der Vogelabteilung. Hier scheint ein Gewinnspiel in Vorbereitung zu sein. Das erregt Aufmerksamkeit! Statt Erbsen im Glas werden hier wohl demnächst Zebrafinken im Käfig zu schätzen sein. Das wird aber wohl wieder eine dieser unlösbaren Aufgaben werden. Ein Kunde hat sich anscheinend bereits versucht und begibt sich vollends verzweifelt auf die Suche nach jemandem, dem er sein Ergebnis mitteilen kann – ohne Erfolg, die sind ja alle an der Info.
In der Hundeabteilung zerlegt ein Dackel einen 25kg Sack Premiumfutter, was weder Frauchen noch die Dame in Dienstkleidung (die für die Info nicht genügend Fachwissen hat) beim Aufwischen einer Pfütze gelblicher Flüssigkeit sonderlich stört. Ich beobachte das Schauspiel und überlege, ob ich meine Fische demnächst auch auswärts essen lasse, verwerfe den Gedanken aber schnell wieder, da die kleine „Schackeline“ gerade die Kratzbaumlandschaft im Hintergrund lautstark umdekoriert. Die Kaninchen im Hintergrund versuchen schnellstmöglich Personal zu alarmieren indem sie wie wild in ihrem Käfig umher rennen. Erfolg haben sie nicht, denn das Personal ist anderweitig beschäftigt. Schackeline beendet unter anfeuernden Rufen ihrer Mutter ihr Zerstörungswerk erfolgreich mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck. Es scheint, als wäre so ein Einkauf ein Erlebnis für die ganze Familie.
In der Meerwasserabteilung läuft eine biologische Versuchsreihe zur Anpassung an die Beckengröße. Ein metergroßer Hai demonstriert anschaulich, dass er definitiv auch ohne Schwimmraum einige Tage zu Recht kommt. In der Verkaufsanlage sind kaum Fische zu sehen, denn die stehen ja schon SB-gerecht verpackt in den Styroporkisten vor den Aquarien, damit das Personal sich auf die Info konzentrieren kann. Vor dem imposanten Schaubecken drücken sich unzählige Menschen die Nase platt und freuen sich über das Fehlen eines Klopfverbotsschildes. Ich stehe auf der Rückseite des Aquariums und freue mich, dass alle Fische sich hier versammelt haben.
Meerwasser steht ja nicht auf meinem Einkaufszettel. Deshalb quietsche ich mit meinem Einkaufswagen weiter in Richtung Süßwasser. Am Pflanzenbecken wird mir eindrucksvoll demonstriert, wie wenig Licht die Pflanzen brauchen. Ich werde gleich wenn ich zuhause bin die Beleuchtung auf die Hälfte runterfahren, und in zwei Wochen sind meine Pflanzen dann hoffentlich zum Weiterverkauf geeignet. Braun kann sehr entspannend wirken. Da ich ziemlich genau weiß, was ich möchte, versuche ich einen Verkäufer zu finden. Aber die sind alle an der Info, und deshalb schaue ich mich erst mal um. Der Beckenbeschriftung nach zu urteilen haben sich mal wieder sämtliche lateinischen Bezeichnungen der Tiere geändert, ich werde wohl in einen neuen Aquarienatlas investieren müssen. Dieser Laden ist echt kundenfreundlich, denn man kann sich sehr schön über die verschiedensten Fischkrankheiten informieren und das Anschauungsmaterial zu moderaten Preisen gleich mit nach Hause nehmen. Toll!
Nach einer halben Stunde stelle ich fest, dass ich nicht mehr allein bin. Schackeline hat ihre Mutter mitgebracht und will nun unbedingt den „Babyhai“ haben (früher hießen die mal Haiwels). Durch das laute Geheul aufgeschreckt eilt ein Verkäufer von der Information zur Hilfe. Nett wie Verkaufspersonal nun mal ist, hilft er der Mutter auch gleich beim Einladen des Komplettaquariums aus dem Sonderangebot. „Das haben Sie mit zwei, drei Eimern schnell voll. Ich packe Ihnen noch den schönen blauen Kies und ein Paar Pflanzen dazu. Zuhause sind Sie in einer halben Stunde fertig und die Kleine hat ein tolles Geschenk!“ Ich überlege kurz, ob so ein Aquarium mit Babyhaien sich nicht ganz toll im Treppenhaus machen würde, verwerfe aber auch diesen Gedanken bei dem Blick in die Schauanlage, in der Babyhai’s Mama gerade ein halbes Brötchen verspeist. Schackeline freut sich über den mit Aquarium, Zubehör, Pflanzen und Fischen beladenen Einkaufswagen und zieht ab. Was hatte das Kind doch einen schönen Tag, und Mama hat auch nicht mehr bezahlt als für einen Zoobesuch. Sehr familienfreundlich hier.
Der Verkäufer reißt mich unsanft aus meinen Gedanken. „Kann ich ihnen helfen?“ Ich äußere meinen Wunsch nach 50 Rotkopfsalmlern, schließlich gibt es die ab 10 Stück schon zum Preis eines kleinen Skalars. Er nickt, holt sein Arbeitsgerät und geht zielstrebig auf die Glühlichtsalmler zu, was ich mit Protest zu verhindern versuche. Nach einer kurzen Diskussion über die Verteilung der fachlichen Kompetenz mache ich ihm unmissverständlich klar, dass ich diesen Fisch nicht will, sondern „den da!!“ Er gibt auf und fängt an zu jagen. Ohne Frage haben „Fischverkäufer“ das Talent der zahlenmäßigen Erfassung, bei der Geschwindigkeit komme ich nicht mehr mit. Schließlich hat er vier Tüten mit schreckblassen Fischen für mich, klebt einen Strichcode drauf und wünscht mir mit dem Verweis auf einen neuartigen Wasseraufbereiter ein schönes Wochenende. Ich versuche die Fische nachzuzählen, breche aber kurz vor Eintreten der ersten nervösen Zuckungen meinerseits erfolglos ab. Quietschend und gegenlenkend mache ich mich auf den Weg zur Kasse.
Meine Nerven liegen langsam etwas brach, als ich in die Zielgerade einbiege. An der Information türmt sich das Personal, auch das von der Kasse wurde abgezogen, um der Kundschaft zu demonstrieren, dass man als gutes Team auch gemeinsam Kaffee trinkt. Erste Unmutsbekundungen werden hörbar. Aus dem Wagen vor mir dringt ein leicht übler Geruch, dessen Quelle sich bei genauerem Hinsehen als auftauendes Frostfutter entpuppt. Im Vergleich mit den anderen Kunden gebe ich mit meinen paar Tüten im Einkaufswagen ein Bild des Jammers ab. Die Schlange windet sich nur langsam vorwärts Richtung Kassiererin, die wiederum etwas gereizt zu sein scheint, da sie offensichtlich beim Personalkaffee ausgeschlossen wurde. Die ist bestimmt neu hier. Zu meiner linken präsentiert das Geschäft Material zur Demonstration der nicht artgerechten Haltung von Nagetieren. Im Sonderangebot ist es wahrscheinlich, damit sich die Kindergärten das leisten können, um den Kids das „so nicht“ klarzumachen. Hamster hier einfüllen. Schön. Beim warten auf die Kasse beginnt sich ein ausgesprochen menschliches Bedürfnis in den Vordergrund meiner Gedanken zu drängen, was meiner nun doch etwas überstrapazierten Geduld den letzten Stoß gibt und meine Stimmung leicht ruiniert. Aber jetzt bin ich ja endlich dran.
Das Kassieren geht schnell, da ich ja - wie unmissverständlich befohlen - alles auf das Band gelegt habe. Die Fische in ihren Tüten erleben zum ersten Mal in ihrem Leben eine Lasershow, als die nette Dame den Barcode scannt. Der Endpreis macht mich dann aber doch stutzig, denn ich habe ja mehr als zehn Fische gekauft. Nach kurzem Versuch, mich abzuwimmeln, greift die Kassiererin dann doch zum Hörer und zitiert meinen Verkäufer nach vorne. Das wiederum steigert die Freude der mir folgenden Kunden, besonders die von Schackeline, die mir mit „Mama, ich muss mal“ aus der Seele spricht. Nach kurzen fünf Minuten ist der Verkäufer dann endlich da. Er kann sich zwar nicht wirklich erinnern, glaubt mir aber dankenswerterweise meine Ausführungen. Dumm nur, dass keiner der beiden Fachkräfte stornieren darf. Schackeline brüllt.
Endlich auf dem Parkplatz angekommen werde ich meinen Einkaufswagen nicht los, weil irgendjemand den Riegel des voraus parkenden Wagens verbogen hat. Mit Blick auf meine dem Platzen nahe Blase investiere ich einen Euro und gehe zum Auto. Die Investitionssumme steigt schlagartig auf sechzehn Euro an – parken in zweiter Reihe ist sehr exklusiv, was man mir mit einem kleinen rot-weißen Zettel an der Windschutzscheibe mitteilt. Ich frage mich, warum es dafür keine Bonuspunkte gibt.
Endlich zuhause angekommen entledige ich mich der Fischtüten und des Inhaltes meiner Blase. Die Eingewöhnung der neuen Aquariengäste verläuft reibungslos. Offensichtlich ist man im Zooladen besorgt um die Artenvielfalt in Aquarien, denn nachdem sich die Fische ihrer normalen Färbung besonnen haben, entpuppt sich ein Teil des Schwarmes als Glühlichtsalmler - diesen Service hätte mein Stammhändler mir nicht bieten können.
ich möchte an dieser Stelle mal eine Glosse eröffnen (warum immer nur für nicht-aquaristische Fachzeitschriften schreiben?). Jeder sei dazu aufgerufen, das Thema fortzusetzen!
Sollte sich jemand an eigene Erlebnisse erinnert oder sich auf den Schlips getreten fühlen: nicht böse sein, eine Glosse darf das!
Gruß,
Christian
Samstags im Zoodiscount
Der ganz normale Wahnsinn der programmierten Klischee-Erfüllung Es ist Samstag, ich habe ausnahmsweise frei. Da wäre es doch toll, mal wieder den Zooladen zu besuchen und für etwas Gesellschaft im Aquarium zu sorgen. Der Plan wird schnell durchkreuzt von putzwütigen Mitbewohnern, für die der Samstag heilig zu sein scheint.
Nun ja, um vier Uhr nachmittags ist endlich alles auf Hochglanz poliert und es kann losgehen. Dumm nur, dass der Händler meines Vertrauens bereits um zwei die Tür abgeschlossen hat. Da man ja nun einmal unterwegs ist und bestimmte Entschlüsse nun mal unumstößlich feststehen, düst man quer durch die ganze Stadt (samstags nachmittags ein Hochgenuss für Verkehrsfans) zum großen Zoodiscount im Industriegebiet.
Nach halbstündiger erfolgloser Parkplatzsuche ist die zweite Reihe einfach sehr verlockend, und irgendwie schaffen es die Großen auch immer, den „Haben wollen“-Trieb zu wecken. Deshalb lauere ich auf jemanden, der mir mein Papiergeld in für Einkaufswagen passende Münzen tauscht und werde nach fast einer Viertelstunde fündig. Der Wagen quietscht und hat einen Drang nach links, dem ich mich nur unter Einsatz meiner ganzen Kraft widersetzen kann.
Wahnsinn! Hamsterkäfige inklusive Hamster, dreihundert Kilo Vogelsand zum Preis von zweihundertneunzig, dreißig Prozent Rabatt am Tag nach dem Geburtstag der Schwiegermutter des Nachbarn – die totale Reizüberflutung. Das Informationsbedürfnis der Kundschaft scheint jeden Samstag gegen fünf zu explodieren, denn fünf Minuten vorher findet sich das komplette Personal in froher Erwartung bei Kaffee und Keksen am Infoschalter.
Vorbei an der Vogelabteilung. Hier scheint ein Gewinnspiel in Vorbereitung zu sein. Das erregt Aufmerksamkeit! Statt Erbsen im Glas werden hier wohl demnächst Zebrafinken im Käfig zu schätzen sein. Das wird aber wohl wieder eine dieser unlösbaren Aufgaben werden. Ein Kunde hat sich anscheinend bereits versucht und begibt sich vollends verzweifelt auf die Suche nach jemandem, dem er sein Ergebnis mitteilen kann – ohne Erfolg, die sind ja alle an der Info.
In der Hundeabteilung zerlegt ein Dackel einen 25kg Sack Premiumfutter, was weder Frauchen noch die Dame in Dienstkleidung (die für die Info nicht genügend Fachwissen hat) beim Aufwischen einer Pfütze gelblicher Flüssigkeit sonderlich stört. Ich beobachte das Schauspiel und überlege, ob ich meine Fische demnächst auch auswärts essen lasse, verwerfe den Gedanken aber schnell wieder, da die kleine „Schackeline“ gerade die Kratzbaumlandschaft im Hintergrund lautstark umdekoriert. Die Kaninchen im Hintergrund versuchen schnellstmöglich Personal zu alarmieren indem sie wie wild in ihrem Käfig umher rennen. Erfolg haben sie nicht, denn das Personal ist anderweitig beschäftigt. Schackeline beendet unter anfeuernden Rufen ihrer Mutter ihr Zerstörungswerk erfolgreich mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck. Es scheint, als wäre so ein Einkauf ein Erlebnis für die ganze Familie.
In der Meerwasserabteilung läuft eine biologische Versuchsreihe zur Anpassung an die Beckengröße. Ein metergroßer Hai demonstriert anschaulich, dass er definitiv auch ohne Schwimmraum einige Tage zu Recht kommt. In der Verkaufsanlage sind kaum Fische zu sehen, denn die stehen ja schon SB-gerecht verpackt in den Styroporkisten vor den Aquarien, damit das Personal sich auf die Info konzentrieren kann. Vor dem imposanten Schaubecken drücken sich unzählige Menschen die Nase platt und freuen sich über das Fehlen eines Klopfverbotsschildes. Ich stehe auf der Rückseite des Aquariums und freue mich, dass alle Fische sich hier versammelt haben.
Meerwasser steht ja nicht auf meinem Einkaufszettel. Deshalb quietsche ich mit meinem Einkaufswagen weiter in Richtung Süßwasser. Am Pflanzenbecken wird mir eindrucksvoll demonstriert, wie wenig Licht die Pflanzen brauchen. Ich werde gleich wenn ich zuhause bin die Beleuchtung auf die Hälfte runterfahren, und in zwei Wochen sind meine Pflanzen dann hoffentlich zum Weiterverkauf geeignet. Braun kann sehr entspannend wirken. Da ich ziemlich genau weiß, was ich möchte, versuche ich einen Verkäufer zu finden. Aber die sind alle an der Info, und deshalb schaue ich mich erst mal um. Der Beckenbeschriftung nach zu urteilen haben sich mal wieder sämtliche lateinischen Bezeichnungen der Tiere geändert, ich werde wohl in einen neuen Aquarienatlas investieren müssen. Dieser Laden ist echt kundenfreundlich, denn man kann sich sehr schön über die verschiedensten Fischkrankheiten informieren und das Anschauungsmaterial zu moderaten Preisen gleich mit nach Hause nehmen. Toll!
Nach einer halben Stunde stelle ich fest, dass ich nicht mehr allein bin. Schackeline hat ihre Mutter mitgebracht und will nun unbedingt den „Babyhai“ haben (früher hießen die mal Haiwels). Durch das laute Geheul aufgeschreckt eilt ein Verkäufer von der Information zur Hilfe. Nett wie Verkaufspersonal nun mal ist, hilft er der Mutter auch gleich beim Einladen des Komplettaquariums aus dem Sonderangebot. „Das haben Sie mit zwei, drei Eimern schnell voll. Ich packe Ihnen noch den schönen blauen Kies und ein Paar Pflanzen dazu. Zuhause sind Sie in einer halben Stunde fertig und die Kleine hat ein tolles Geschenk!“ Ich überlege kurz, ob so ein Aquarium mit Babyhaien sich nicht ganz toll im Treppenhaus machen würde, verwerfe aber auch diesen Gedanken bei dem Blick in die Schauanlage, in der Babyhai’s Mama gerade ein halbes Brötchen verspeist. Schackeline freut sich über den mit Aquarium, Zubehör, Pflanzen und Fischen beladenen Einkaufswagen und zieht ab. Was hatte das Kind doch einen schönen Tag, und Mama hat auch nicht mehr bezahlt als für einen Zoobesuch. Sehr familienfreundlich hier.
Der Verkäufer reißt mich unsanft aus meinen Gedanken. „Kann ich ihnen helfen?“ Ich äußere meinen Wunsch nach 50 Rotkopfsalmlern, schließlich gibt es die ab 10 Stück schon zum Preis eines kleinen Skalars. Er nickt, holt sein Arbeitsgerät und geht zielstrebig auf die Glühlichtsalmler zu, was ich mit Protest zu verhindern versuche. Nach einer kurzen Diskussion über die Verteilung der fachlichen Kompetenz mache ich ihm unmissverständlich klar, dass ich diesen Fisch nicht will, sondern „den da!!“ Er gibt auf und fängt an zu jagen. Ohne Frage haben „Fischverkäufer“ das Talent der zahlenmäßigen Erfassung, bei der Geschwindigkeit komme ich nicht mehr mit. Schließlich hat er vier Tüten mit schreckblassen Fischen für mich, klebt einen Strichcode drauf und wünscht mir mit dem Verweis auf einen neuartigen Wasseraufbereiter ein schönes Wochenende. Ich versuche die Fische nachzuzählen, breche aber kurz vor Eintreten der ersten nervösen Zuckungen meinerseits erfolglos ab. Quietschend und gegenlenkend mache ich mich auf den Weg zur Kasse.
Meine Nerven liegen langsam etwas brach, als ich in die Zielgerade einbiege. An der Information türmt sich das Personal, auch das von der Kasse wurde abgezogen, um der Kundschaft zu demonstrieren, dass man als gutes Team auch gemeinsam Kaffee trinkt. Erste Unmutsbekundungen werden hörbar. Aus dem Wagen vor mir dringt ein leicht übler Geruch, dessen Quelle sich bei genauerem Hinsehen als auftauendes Frostfutter entpuppt. Im Vergleich mit den anderen Kunden gebe ich mit meinen paar Tüten im Einkaufswagen ein Bild des Jammers ab. Die Schlange windet sich nur langsam vorwärts Richtung Kassiererin, die wiederum etwas gereizt zu sein scheint, da sie offensichtlich beim Personalkaffee ausgeschlossen wurde. Die ist bestimmt neu hier. Zu meiner linken präsentiert das Geschäft Material zur Demonstration der nicht artgerechten Haltung von Nagetieren. Im Sonderangebot ist es wahrscheinlich, damit sich die Kindergärten das leisten können, um den Kids das „so nicht“ klarzumachen. Hamster hier einfüllen. Schön. Beim warten auf die Kasse beginnt sich ein ausgesprochen menschliches Bedürfnis in den Vordergrund meiner Gedanken zu drängen, was meiner nun doch etwas überstrapazierten Geduld den letzten Stoß gibt und meine Stimmung leicht ruiniert. Aber jetzt bin ich ja endlich dran.
Das Kassieren geht schnell, da ich ja - wie unmissverständlich befohlen - alles auf das Band gelegt habe. Die Fische in ihren Tüten erleben zum ersten Mal in ihrem Leben eine Lasershow, als die nette Dame den Barcode scannt. Der Endpreis macht mich dann aber doch stutzig, denn ich habe ja mehr als zehn Fische gekauft. Nach kurzem Versuch, mich abzuwimmeln, greift die Kassiererin dann doch zum Hörer und zitiert meinen Verkäufer nach vorne. Das wiederum steigert die Freude der mir folgenden Kunden, besonders die von Schackeline, die mir mit „Mama, ich muss mal“ aus der Seele spricht. Nach kurzen fünf Minuten ist der Verkäufer dann endlich da. Er kann sich zwar nicht wirklich erinnern, glaubt mir aber dankenswerterweise meine Ausführungen. Dumm nur, dass keiner der beiden Fachkräfte stornieren darf. Schackeline brüllt.
Endlich auf dem Parkplatz angekommen werde ich meinen Einkaufswagen nicht los, weil irgendjemand den Riegel des voraus parkenden Wagens verbogen hat. Mit Blick auf meine dem Platzen nahe Blase investiere ich einen Euro und gehe zum Auto. Die Investitionssumme steigt schlagartig auf sechzehn Euro an – parken in zweiter Reihe ist sehr exklusiv, was man mir mit einem kleinen rot-weißen Zettel an der Windschutzscheibe mitteilt. Ich frage mich, warum es dafür keine Bonuspunkte gibt.
Endlich zuhause angekommen entledige ich mich der Fischtüten und des Inhaltes meiner Blase. Die Eingewöhnung der neuen Aquariengäste verläuft reibungslos. Offensichtlich ist man im Zooladen besorgt um die Artenvielfalt in Aquarien, denn nachdem sich die Fische ihrer normalen Färbung besonnen haben, entpuppt sich ein Teil des Schwarmes als Glühlichtsalmler - diesen Service hätte mein Stammhändler mir nicht bieten können.