Wasserwerte für ein Kampffisch ok?


    • iShiwa
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    • Wasserwerte für ein Kampffisch ok?

      Habe vorhin mal ein Test mit den sogenannten Wasserteststreifen gemacht. Und folgendes kam dabei heraus:
      NO³ 0 mg/l
      NO² 0 mg/l
      GH >21°d
      KH 15°d
      pH 8,0
      CL² 0,8 mg/l

      Falls einiges nicht gut sein sollte würde ich gerne wissen wie ich dieses Problem ( sollte es eines/mehrere ) geben beheben kann bzw. was ich dazu benötige. Wie gesagt sollte für einen Kampffisch sein ( wird Einzel gehalten ).

      Mit freundlichen Grüßen,
      Sandra
    • Hallo ihr beiden

      Tja, Aquaristik ist eben auch den Moden unterworfen. Heute gilt es als modern zu sagen: "Wasserwerte sind doch gar nicht so wichtig".

      Ich wurde eben zu einer Zeit aquaristisch sozialisiert, in der man Wasserwerten noch mehr Beachtung geschenkt hat. Lasst einen Dinosaurier deshalb eine alternative Meinung haben:

      Bettas sind für mich Weichwasserfische. Das gilt für mich auch für die Zuchtform Betta splendens. Meiner schwimmt in ph 6,0 bis 6,5, KH3, GH6. Sandra, ich halte Deine Hartwasserwerte mit einem KH 15 und GH über 20 Grad deshalb für kritisch. (Wenn es denn die endgültigen Wasserwerte sind.) Bevor ich in diese Hartriegelbrühe einen Betta einsetzen würde, würde ich das Ganze mit 50 Prozent Osmosewasser verschneiden.

      Klar doch, ein Betta wird nicht gleich röchelnd tot umfallen, wenn Du ihn in Dein Wasser setzt. Es fragt sich nur, weshalb Bettas mittlerweile als Verschlieiß-Fische gelten, die kaum mal mehr als 1,5 bis knapp 2 Jahre alt werden.

      Dass Betta oftmals nicht alt werden, geht in meinen Augen auf generell falsche Haltung zurück, in der auch das Wasser eine Rolle spielt. Es addiert sich halt vieles:

      - das Wasser ist zu hart und zu warm
      - das Becken ist zu wenig bewachsen und hat zu viel Strömung und keine Abdeckung
      - zu wenig Frost- und Lebendfutter, auch spezielle Betta-Flocken enthalten immer noch zu viele pflanzliche Anteile für diese reinen Carnivoren.

      Sandra, wenn Du nun unbedingt einen Betta haben musst, dann sorge dafür, dass die anderen Faktoren optimiert werden.

      Grüße,
      Stefan
    • Gibt es zum Thema Moden in der Aquaristik schon einen Grundsatzdiskussion hier? ich bin ebenfalls ein AQ-Dino und tendiere stark dazu, mich Stefans Meinung anzuschließen. Wie kann es sein, dass Wasserwerte, wie PH und Härte plötzlich keine Relevanz mehr haben? Mich interessieren brennend die Argumente der Gegenposition.
      Grüße aus Nürnberg

      Gisela



      ”Alles, was wir hören, ist eine Meinung - keine Tatsache.
      Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive - keine Wahrheit.“

      Zitat: Weiß net.....aus'm Netz gefischt. :-)
    • Hi,

      Die Wildform des Betta splendens kommt in sämtlichen Gewässern vor. Da passende Wasserwerte zu finden wird schwierig. Irgenwo zwischen Ph 6 und 8 und auch die Gh reicht da von 5-15°. Interessant ist allerdings auch, dass die Wildform mitunter mehrere Wochen auch mit 12°C auskommt. Aber das würde ich bei Hochzuchten nicht versuchen. In einigen Gebieten, in denen die Wildform gefunden wurde hat das Wasser mitunter über 30°C. Aber zu lange sollten sie auch bei diesen Temperaturen nicht verbleiben. Passend finde ich 24-25°C.

      Allerdings ist es eher unproblematisch Fische aus weichem Wasser in härterem zu halten. Ich persönlich würde mir hier keine Gedanken machen. Bei so einem Wasser würde ich persönlich aber schauen, ob ich Betta simplex bekomme. Aber das ist wieder was anderes und gefällt nicht jedem (bzw. ist es auch mitunter nicht leicht da dranzukommen).

      Gruss
      Sascha
    • HiHI Ihrs,

      Gisela, nein, bitte nicht! Wir sollten da keine Grundsatzdiskussion aus der Wasserwertfrage machen, denn so was endet nur in der völligen Beliebigkeit der subjektiven Erfahrungen und Meinungen. Trotzdem: Du fragst nach einem Argument dafür, warum Wasserwerte in der Diskussion heute eine geringere Rollespielen als früher? Ein Argument da wäre natürlich, dass mittlerweile bei immer mehr Tierarten Nachzuchten auf dem Markt sind, die eine größere Wasserwerttoleranz aufweisen als Wildfänge. Nur mal so als advocatus diaboli gesprochen…

      Sascha, natürlich sind Bettas in Randbereichen hart im Nehmen. Aber wir sind uns wohl einig: Sie sind eben trotzdem keine harten Hunde! Sie sind in der Lage, bestimmte Extremsituationen abzukönnen. Geringe Sauerstoffwerte aufgrund ihres Lahyrinth-Atmungssystemes und auch starke Temperaturschwankungen. Aber diese „Randbedingungen“ werden eben durch Randbedingungen limitiert. Diese Fische können ein, zwei extreme Parameter ab, aber nur dann, wenn die übrigen Parameter stimmen. (Die Härteste aller Spezies ist unsere: Da gibt es Exemplare, die können bis zum Südpol oder quer durch die Wüste Gobi laufen. Aber nur dann, wenn andere Randbedingungen optimal sind: Wasserversorgung, Energiezufuhr, Hautschutz etc.…)

      Darauf - auf eine quasi systemische Betrachtung - wollte ich oben raus. Suboptimale Faktoren können von Organismen kompensiert werden. Ja, aber nicht in beliebiger Häufung. Dann muss der Rest stimmen.

      Ich würde meine Predigt oben schon halten wollten: „Sandra, wenn Du nun unbedingt einen Betta haben musst, dann sorge dafür, dass die anderen Faktoren optimiert werden.“

      Ansonsten hätte ich nur noch einen Satz an die Betta splendens selbst: „Es ist ein verdammter Nachteil, wenn man einfach zu schön ist!“

      Zum Glück habe ich dieses Problem nur selten…

      LG
      Stefan :cool:
    • Hi,

      Stefan, ganz im Gegenteil. Die Wildform des Betta splendens ist sehr, sehr hart im Nehmen, aber nicht die Hochzuchten. Die sind viel empfindlicher, wie Wildfänge. Muss man leider so sagen.
      Sehr, sehr wichtig finde ich das Futter. Das falsche Futter ist das grösste und schwerwiegenste Problem. Und auch die Temperatur spielt eine grosse Rolle in der Haltung. Zu kalt und der fisch schwächelt und kann schneller erkranken. Zu warm und der Fisch altert schneller. Da können ein paar Grad schon die Hälfte der Lebenszeit ausmachen. (Als Beispiel: Betta channoides bei 24°C leben 3-4 Jahre. Bei 27-28°C nur an die 2 Jahre.)

      Mit den Wasserwerten hat jeder andere Erfahrung. Ich kann nicht sagen, bei welchen Wasserwerten die Asiaten ihre Fische heranziehen. Man kann aber davon ausgehen, dass es etwas weicher und saurer ist, wie bei uns das Leitungswasser. Früher war es so, dass die Kampffische mit Wasser aus der Natur aufgezogen wurden. Also das Wasser wurde nicht gross aufbereitet oder sowas. Das wird heute auch nicht viel anders sein. Aber wie die Werte sind, das weiss ich nicht.
      Ich würde sowieso schauen, dass ich einen Züchter in meiner Nähe finde. Oftmals haben die sehr, sehr schöne Fische für wenig Geld. Ich kenne mittlerweile einige Züchter, die ihre Hochzuchten an Geschäfte weiterverkaufen, weil sie kaum Abnehmer für ihre Fische finden. Die Käufer im Zoogeschäft zahlen nicht selten auch mal 15-20 Euro für etwas besonderes, wofür der Züchter nur 5 Euro kassiert hat.

      Übrigens: Ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass viele Wildformen viel einfacher zu halten und zu vermehren sind, wie Betta splendens Hochzuchten. Was die Flossenformen angeht, so kann mit der Vielfalt keine Wildform mithalten. Aber was die Farben angeht, da gibt es einige Wildformen, die mindestens genauso schön sind, wie Betta splendens Hochzuchten. Allerdings sind da die Wasserwerte meisst wieder extrem wichtig. Zumindest für die Vermehrung. Und Wildformen sind etwas zu schade, um "nur" angeschaut zu werden. Die sollte man auch schon vermehren.

      Gruss
      Sascha
    • Prestutnik12 schrieb:

      „Es ist ein verdammter Nachteil, wenn man einfach zu schön ist!“
      :cool:


      Och, voll die Geschmacksache! Ich persönlich mag Fische mit Schleiern garnicht so gerne. Egal, ob Bettas, Guppies oder Goldfische. :grinz:
      Grüße aus Nürnberg

      Gisela



      ”Alles, was wir hören, ist eine Meinung - keine Tatsache.
      Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive - keine Wahrheit.“

      Zitat: Weiß net.....aus'm Netz gefischt. :-)
    • Frage an die Experten: Ist das nur mein laienhafter Eindruck, oder kann es sein, dass es unter Zierfischarten auch Qualzuchten gibt? Ich finde z.B., dass manche Fische mit "Schleiern" garnicht mehr so richtig ordentlich schwimmen können. Es hat den Anschein, als ob sie an ihren Flossen zu schwer tragen. :denknach:
      Grüße aus Nürnberg

      Gisela



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      Zitat: Weiß net.....aus'm Netz gefischt. :-)
    • Hallo,

      @Gisela:
      Ich bin eindeutig kein Experte :grinz: , aber bei Qualzuchten muss ich sofort an sämtliche Goldfischvarianten denken:
      Extra aufgeblähter Bauch, die wirklich nicht mehr schwimmen, sondern "um ihr Leben paddeln"-vergrausamt ausgedrückt;
      dann noch mit Wasserblasen unter den Augen...
      DAS nenn ich persönlich Qualzuchten!

      Bei richtigen Tropen...
      fallen mir nur diese Mollys ein, die einen absichtlichen Kugelbauch haben.
      Betta splendens habe ich persönlich noch nie als Qualzucht angesehen, allerdings hab ich bei diesen Fischen noch nie so richtig drüber nachgedacht :schaem:
      Vielleicht ist es für sie schlimm, wenn die Flossen so stark verschleiert sind, dass sie im Jahr mit vollstem Energieaufwand ganze 3 cm weit kommen... OoO
      Also: Gute Frage :denknach:
    • Hi,

      Qualzucht und Betta splendens:
      Offiziell ist der Betta splendens als Hochzucht keine Qualzucht. Ich persönlich sehe ihn so auch nicht. Das Schwimmverhalten ist eingeschränkt, keine Frage, ABER er ist ja so oder so kein grosser Schwimmer. Persönlich mag ich die kurzflossigen Fische sowieso lieber. Also auch wenn ich mal zu Hochzuchten greifen sollte, so würden es auf alle Fälle Plakat werden.

      Wo es dann schon etwas kritisch wird:
      Betta splendens Hochzuchten mit der Bezeichnung "Dragon" oder "Copper". Ich finde gerade diese Farbzeichnung unheimlich schön. Aber leider ist es auch so, dass gerade bei diesen Zuchtformen vermehrt Tumore auftauchen. Persönlich halte ich sowas zumindest für ein wenig fragwürdig. Ich würde davor auch lieber etwas Abstand nehmen, bevor das nicht grösstenteils entfernt wird.
      So wie es aussieht sind diese Farbformen durch die Vermischung verschiedener Bettaarten entstanden, was für mich persönlich ebenfalls ein Kriterium wäre, wonach ich von solchen Tieren Abstand nehmen würde.

      Betta splendens Hochzuchten sind auch empfindlicher als ihre wilden Artgenossen und vor allem viel, viel aggressiver. Allein aus dem Grund habe ich davon Abstand genommen und bin komplett zu den Wildformen übergegangen.
      Der Splendens-Formenkreis ist für mich zwar sehr interessant (vor allem Betta splendens (Wildform) und imbellis), aber nur schwer zu erhalten, da es einfach an Nachschub fehlt, womit man seinem Stamm frisches Blut zukommen lassen kann. Auf Dauer verringert sich der Nachwuchs und irgendwann stellt er sich ganz ein. Dieses Problem hat man beim Coccina-Formenkreis z.B. nicht, da es hier Tiere nur von wenigen verschiedenen Fundorten gibt. Betta imbellis, smaragdina und splendens sind über das ganze Land verteilt. Da gibt es zig Fundorte.
      Warum keine Fundorte miteinander vermischen? Ganz einfach: Vor einigen Jahren wurde z.B. ein Betta imbellis in Vietnam gefangen. Damals lief er über den Namen Betta imbellis Black Vietnam, weil man annahm, dass es ein Betta imbellis ist. Später wurde durch eine DNA-Untersuchung festgestellt, dass es eine eigene Art ist. Heute heisst dieser Fisch Betta siamorientalis.
      Würde man also verschiedene Fundorte miteinander verpaaren, könnte man durchaus zwei verschiedene Bettaarten miteinander vermischen.
      Davon abgesehen unterscheiden sich Betta splendens von verschiedenen Fundorten extrem voneinander. Hier mal ein paar Beispiele von Betta splendens Wildform:
      betta-ag.de/Betta_Daten/betta_splendens_bilder.html

      Und hier mal Betta imbellis von verschiedenen Fundorten:
      betta-ag.de/betta_imbellis_bilder.html

      Und auch beim Betta smaragdina sehen die Fische von Fundort zu Fundort anders aus:
      betta-ag.de/betta_smaragdina_bilder.html

      Gruss
      Sascha
    • Ah, okay, bestimmte Goldfischarten sind eindeutig Qualzuchten, Betta-Hochzuchten zumindest grenzwertig. Kann man wohl schlecht genau definieren aus menschlicher Sicht. Und die Tiere kann man nicht fragen, ob sie sich quälen. Ich persönlich gucke sogar diesen Guppy-Hochzuchten ungern beim Schwimmen zu. Diese überdimensionalen Schwanzflossen! Nee!
      Grüße aus Nürnberg

      Gisela



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      Zitat: Weiß net.....aus'm Netz gefischt. :-)