Leitfaden für Neulinge?


    • vetzy
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    • Leitfaden für Neulinge?

      Hallo,




      jetzt kurz nach dem Weihnachtsfest kommen wieder viele Neuaquarianer auf mich zu und fragen mich warum es mit ihrem Aquarium, was sie zu Weihnachten bekommen haben, nicht so richtig funktioniert.
      Ich habe mir schon öfters Gedanken zu dem Thema gemacht und einen Leitfaden für den Aquarienneuling geschrieben. Leider kann ich auf den ersten Text nicht mehr zugreifen, daher habe ich meine Gedanken zu einem erfolgreichen Start in die Aquaristik hier noch mal nieder geschrieben.


      Gibt es überhaupt so etwas wie ein Grundrezept für Aquarien? Also was man immer beachten muss, immer aufbauen muss, damit ein Aquarium funktioniert. Ich glaube nicht, denn die Aquaristik ist so vielseitig, so dass man so eine Formel einfach nicht aufstellen kann.
      Da gibt es Gesselschaft-, Frischwasser-, Altwasser-, Pflanzen-, Biotopbecken und was weis ich noch. Und so muss man sein Becken immer an die Bedürfnisse anpassen. Also muss ich mir, auch als Neuling die Frage stellen was für ein Becken ich betreiben möchte. Dazu muss ich wissen:


      1. Wie viel Zeit kann und will ich in der Woche für das Aquarium aufbringen
      2. Wie viel Geld habe ich monatlich zur Verfügung um das Aquarium zu betreiben
      3. Mein Leitungswasser, bin ich bereit das Wasser den Bedürfnissen der Bewohner an zu passen
      4. Habe ich genug Platz um den Bewohnern die benötigte Beckengröße auf zu stellen


      Für mich die 4 Hauptfragen wonach ich die Auswahl für mein Aquarium treffen kann. Gehen wir einfach mal davon aus es soll zu Beginn ein Gesellschaftsaquarium mit einigen Pflanzen werden. Von der Größe kann es ruhig das Standard 54L Einsteigerbecken, oder auch mit 112L, etwas größer sein.
      Beiden Becken würde ich bei einer regelmäßigen Pflege einen Zeitaufwand von 5 Minuten am Tag, für Füttern, Düngerzugabe, Kontrollblick einrechnen. Dazu kommt ein wöchentlicher Wasserwechsel von 40-50%, evtl. Pflanzenrückschnitt, Technik Überprüfung, Filterreinigung und anderer Kleinkram.
      Wie berechnet man die Kosten für das Aquarium? Bei der Beschaffung würde ich 4,00-5,00€ pro Liter Aquarieninhalt einrechnen. Die monatliche Belastung ergibt sich aus den Strom-, Wasser-, Dünger-, Futterkosten. Diese können natürlich stark schwanken. Aber ich denke 10-15,-€ pro Monat sollte man dafür einrechnen.
      Ein wirklich wichtiges Thema ist das verwendete Wasser. Bei einem Gesellschaftaquarium ist es vielleicht nicht so wichtig das Leitungswasser per Osmose oder Entsalzer auf zu bereiten, aber doch sollte man die Ausgangswerte für das Aquarium wissen. Ich selbst habe hier einen Kaliumwert von 14mg/l. Wenn ich da einen Standard Dünger rein gebe, schießt mir der Kaliumwert durch die Decke und eine Algenplage ist fast nicht zu vermeiden. Also kann ich nun zwei Dinge machen. Entweder ich passe meine Düngung an das Leitungswasser an, oder ich bereite das Leitungswasser durch Osmose auf und kann mit einem Düngeplan die Pflanzen mit den wichtigen Stoffen versorgen.
      Wie kann ich nun die Wasserwerte ermitteln, ohne das ich gleich einen ganzen Testkoffer zu kaufen? Man kann entweder mit Teststäbchen arbeiten, dabei ist aber zu beachten das man nicht alle Werte erfassen kann. Dann kann man im Internet die Werte des Wasserversorgers ausfindig machen. Oder man geht mit einer Wasserprobe, wichtig sie muss in einem geschlossenen Becher und randvoll ist.


      Der Händler kann einem die Wasserwerte dann gut ausmessen und nennen. Meistens kostet so eine Wasserüberprüfung etwas Geld, was aber bei einem Einkauf von Technik, Pflanzen oder was auch immer, oft verrechnet wird. Ich finde es wichtig das man immer einen Ansprechpartner hat. Es ist mir wichtig das ich Vertrauen zu meinem Händler habe. Ich gehe dann auch immer wieder dort hin. Das ist meine erste Ansprechstelle bei Problemen. Und ich kaufe dann auch dort. Da ist es mir nicht so wichtig ob ich ein Produkt im Netz günstiger finde. Für mich ist so ein Einkauf dann auch immer ein Happening. Es wird geredet, fachgesimpelt und auch mal ein Kaffee getrunken. So was braucht man. Das ist wichtig, denn gerade bei den Gesprächen erfahre ich doch auch immer was neues, erweitere meinen Horizont. Denn jemand der täglich 8 Stunden mit der Aquaristik zu tun hat und das aus voller Leidenschaft macht, der hat mehr Ahnung, kennt mehr Leute, als ich.


      Also hin mit dem Wasser und dann mal durch testen lassen. Und dann kann ich mit den Werten meinen Düngeplan aufstellen. Wie sieht jetzt so ein Düngeplan aus? Als Neuling will ich natürlich nicht etliche Flaschen haben und dann immer schauen wie viel ich von jedem rein schütten muss. Daher beschränke ich mich auf 2 Flaschen. Einmal den Eisenvolldünger, also Mikronährstoffe und zum anderen einen Nitrat/Phosphat/Kalium ein Dünger für die Makronährstoffe. Mit diesen 2 Düngern und einem regelmäßigen Wasserwechsel mit bekannten Wasserwerten, kann ich vielen Pflanzen eine Grundversorgung zur Verfügung stellen.


      Welche Wasserwerte versuche ich denn nun zu erreichen?
      Ich selbst achte eher darauf das ich alle Wasserwerte erreiche. Mir ist es lieber in laufe der Woche steigt ein Düngeranteil zu hoch, als das ich einen Wert zu gering habe. Schließlich kommt mit dem Wasserwechsel in der Woche ein Großteil der Düngerzugabe wieder raus.


      Ph: 6,5-6,8
      CO2: 20mg/l
      NO3: 10-15mg/l
      PO4: 0,5mg/l
      K: 10mg/l
      Fe: 0,1mg/l


      Wie erreiche ich nun diese Werte und welchen Dünger brauche ich dafür? Als erstes nehme ich die Ausgangswerte von meinem Leitungswasser und schaue wie viel mir von dem jeweiligem Düngerstoff noch fehlt. Und dann suche ich nach einem Dünger womit ich die oben genannten Werte ungefähr einstellen kann. Ob das dann nun JBL, Dennerle, Tropica, ADA, Aquarebell, Drak oder sonst wer ist, ist mir persönlich erst mal egal. Da muss man einfach mal die einzelnen Hersteller vergleichen und errechnen welcher Dünger für sein Wasser am geeignetsten ist. Und diesen nutze ich dann. Klar das erfordert einiges an Fleißarbeit.


      Damit habe ich also gutes Wasser für viele Pflanzen und auch Fische die wir in unser Aquarium einsetzen wollen geschaffen. Aber ich will noch mal einen Schritt zurück. Schließlich geht es ja um Neulinge in der Aquaristik. Also stehen diese ja erst mal vor der Entscheidung welches Aquariumset, oder doch besser Einzelkauf es denn nun sein soll. Also mal einen Blick auf die technische Seite geworfen. Was ist mir denn wichtig?


      Filterung
      Licht
      Heizung


      Arbeiten wir uns kurz von oben nach unten durch. Denn ich denke man kann es wirklich kurz halten.
      Beim Filter steht eigentlich nur die Entscheidung an ob Innenfilter oder Außenfilter. Bei den meisten Sets sind Innenfilter verbaut. Diese haben eine nicht so lange Standzeit wie die Außenfilter. Die Filtermaterialien sind vorgegeben, denn diese müssen der Bauform entsprechen. In einigen Filtern gibt es einen Extraschacht in dem man den Heizstab einsetzen kann. Wie der Name schon sagt sitzen sie im Aquarium selbst. Dadurch nehmen sie etwas Fläche vom Aquarium ein und behindern auch etwas den freien Blick auf die Pflanzen und Fische.
      Der Außenfilter sitzt außerhalb vom Aquarium. Die Filter sind von den Herstellern meistens mit Filtermaterialien vorbestückt. Diese sollte man als Neuling auch so nutzen. Ist man später tiefer in der Materie drin, kann man diese auch mal austauschen. Die Standzeit ist länger als bei Innenfilter. Ich säubere den Filter erst wenn ich einen merklichen Wasserdruchlaufverlust feststellen kann. Einige Außenfilter haben eine Heizung integriert, werden dann Thermofilter genannt. Theoretisch kann über die Schlauchkupplungen und Filterdichtungen Wasser auslaufen, da der Filter ja außerhalb steht. Davon gehört habe ich aber bisher nicht, es sei denn es handelte sich um eine Falschbedienung. Preislich sind die Außenfilter natürlich höher angesiedelt als der Innenfilter.


      Wie sieht es bei dem Licht aus. Ganz einfach. Der Neuaquarianer wird da nicht dran rum spielen. Also muss er mit dem verbauten Licht auskommen. Ich halte gerade bei den 54 und 112L Becken die Beleuchtung für zu gering. In Leuchtstoffröhren sollten es meiner Meinung nach 0,5Watt pro Liter sein. In LED Technik rede ich von 30Lm/L als Minimum. Es gab mal ein Aquariumset von Hagen. Das Waterhome Professionell. Das war das einzige mir bekannte 54L Becken was in der Abdeckung schon 2 Leuchten eingebaut hatte. Leider war der Preis wohl zu hoch und man konnte die Vorteile dieses Sets gegenüber der billigen Konkurenz nicht herausstellen. So ist es wieder vom Markt verschwunden. Also wird man sich zu Beginn wohl mit dem geringen Licht auskommen müssen und wenn man die ersten Erfahrungen gemacht hat evtl. Aufrüsten.


      So als letztes wollen wir es den Fischen natürlich noch mukkelig warm machen. Die Zeiten der Bimetallheizer ist schon lange rum. Das waren damals Heizer die über das Metall geschaltet haben. Wenn es warm genug war bog sich das Bimetall hoch und der Kontakt war getrennt, der Heizer war aus. Gefahr dabei war das die Metalle zusammengebackt waren und der Heizer nicht mehr ausschaltete und so das Wasser immer weiter erhizte. Bei mir so geschen zum Halbfinalspiel 2006 Deutschland-Argentinien. Wollte nur mal kurz in der Halbzeitpause die Fische im Zuchtraum füttern. Das Wasser der Corydoras adolfoi war bei 46Grad. Mittlerweile sind die Heizer alle elektronisch geregelt. So kann das nicht passieren. Ich selbst stehe auf die Eheim Heizer. Aber wer ein Set kauft hat immer einen Heizer schon dabei und wird diesen dann auch nutzen.


      Damit hätten wir auch schon alles was es braucht. Bis auf eines und das kann gleich eine richtige Diskussion werden. CO2 zugeben, ja oder nein? Ich sage ja und zwar wenn ich fest gestellt habe wie viel CO2 ich im Aquarium habe. Das ist genauso wie mit dem Dünger. Für mich ist CO2 aber einer der wichtigsten Düngestoffe für die Pflanzen überhaupt. Das hat jeder von uns damals im Biologieunterricht gelernt. Also schaue ich wie viel CO2 meine Fische einbringen. Wenns reicht ist es schön und ich kann ohne Anlage arbeiten. Aber meistens wird das nicht der Fall sein und ich muss CO2 zugeben. Also Dauertest kaufen und messen!!!


      Jetzt bin ich aber durch. Wie der Leiter der Killigruppe Rheinmain immer sagt. Das Hauen und Stechen ist frei gegeben. Denke jeder wird seine Meinung zu dem Geschrieben haben. Also immer raus damit.
      Über Pflanzenauswahl und Fische können wir dann auch noch diskutieren. Jetzt aber erst mal die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Haltung.


      Gruß Christian
    • Hallo Christian,

      eine Menge gibt es ja auch schon bei uns,
      unter "Grundlagen der Aquaristik" und "Tipps und Tricks für den Anfang"
      Man muss ja nicht alle paar Jahre ein altes Rad neu erfinden, aber vielleicht
      können wir das, was uns noch fehlt, auffüllen. Aus dem Kopf meine ich,
      dass zB noch niemand über CO2 geschrieben hatte...
      Dann wächst auch dieser Bereich weiter, so wie momentan die Pflanzendatenbank :klatsch:
      Viele Grüße, Corinna :fish:
      Glück ist, wenn du gesund bist und wenn die, die du liebst, auch gesund sind.