Wasseraufbereitung mit einem Vollentsalzer

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wasseraufbereitung mit einem Vollentsalzer

      Hallo,

      die meisten Meerwasser-Aquarianer werden sich bei der Entscheidung, wie das benötigte Wasser gewonnen wird, für eine Osmose-Anlage entscheiden.
      Nicht zuletzt deshalb, weil das Regenerieren der Harze einer VE als umständlich und gefährlich eingestuft wird.
      Auch bei der Kostenfrage für die Regenerierung gibt es viele Meinungen, alleine schon wegen der unterschiedlichen Preise für die Salzsäure und die Natronlauge.
      Schon aus früheren Süßwasserzeiten kenne ich den Umgang mit der Vollentsalzung. Zum Start in die Meerwasser-Aquaristik hatte auch ich mich Anfangs für eine UOA entschieden. Nachdem ich aber bemerkte dass damit Unmengen von Wasser verpanscht wird, musste schnell wieder eine VE her!

      Entschieden habe ich mich für eine VE in Kompaktbauweise, also 2 Säulen á 2 Liter. Das entspricht 9000 Härteliter.
      Das bedeutet dass ich mit einer Wasserhärte von 15 GH rund 600 Liter Reinstwasser produzieren kann, bevor ich die Anlage wieder regenerieren muss.

      Rechnung: 9000 Härteliter : 15 GH = 600 Liter Reinstwasser

      Wer sich für eine VE entscheidet sollte aber das Verhältnis Kationenaustauscher zu Anionenaustauscher anders wählen als ich damals!

      Denn wir brauchen in der Meerwasser-Aquaristik einen Anionenaustauscher mit stark basischem Harz (wichtig), weil dieses Harz zusätzlich die Silikate aus dem Wasser entfernt. Dieses Harz ist aber schneller erschöpft!

      Heißt im Klartext: Wenn das Harz des Kationenaustauschers (Kati) erst zu zwei Drittel erschöpft ist, muss der Anionenaustauscher (Ani) bereits regeneriert werden. Ratsam ist deshalb z.B. die Kombination 3 Liter Kati und 5 Liter Ani.

      Nun möchte ich euch das Regenerieren der VE etwas genauer erklären:

      Vorab ist es wichtig, die Ani nicht mit Leitungswasser in Berührung zu bringen, deshalb bitte vor dem Regenerieren die benötigte Menge Wasser durch die Anlage, oder vielmehr durch die Kati laufen lassen. Also nur kationenfreies Wasser für die Ani verwenden, auch beim Regenerieren!!!
      Die Kati darf mit Leitungswasser regeneriert werden.


      Wie man auf den Fotos erkennen kann, enthält die Kati-Säule ein Harz mit Farbindikator(das erschöpfte Harz färbt sich rot). Für mich sind die Gardena-Anschlüsse, die für ein paar Euro Aufpreis erhältlich sind, sehr hilfreich. Auf dem dritten Foto bereite ich gerade das Wasser für die Regeneration der Ani vor.

      Hier ist der Farbunterschied bei der Kati (links) sehr gut zu erkennen. Es sind nur noch knapp 5cm übrig!


      Regeneriert wird bei mir in der Garage, dort kann ich nach Herzenslust pantschen:


      Die Kanister sind genau beschriftet, somit gibt es keine Verwechslungen. Am Schraubverschluss befinden sich wieder Gardenaanschlüsse! Allerdings zeigt der Ani-Kanister meine frühere Methode an. Das Anmischen der Natronlauge war mir auf Dauer zu heftig, deshalb gebe ich mittlerweile das Ätznatron direkt in das kationenfreie Wasser. Damit bin ich einen unangenehmen Arbeitsschritt los:


      Ein sehr wichtiger Punkt ist die Sicherheit, bitte NIEMALS ohne Schutzvorkehrungen mit der Säure und der Lauge hantieren. Überhaupt nicht auszudenken was passiert wenn ein Tropfen Salzsäure das ungeschützte Auge trifft.
      Schutzbrille und säurefeste Handschuhe kosten keine 10 Euro!


      Nachdem die Salzsäure und das Leitungswasser im richtigen Verhältnis gemischt wurden geht es mit der Regenerierung der Kati los. Auf dem dritten Foto sieht man die 10%ige Salzsäure "flimmern"


      Die Kanister stehen bei mir auf einem verschlossenen Kübel auf dem Kühlschrank, also braucht es keine Pumpe; die Säure läuft von alleine durch die Kati.
      Eine kleine Bohrung auf der Oberseite des Kanisters - gegenüber des Auslaufhahnes - ist sehr wichtig damit im Kanister kein Sog entsteht!
      Die Säure, die nun am Ausgang aus der Säule kommt, wird in einem Eimer gesammelt und NICHT weggeschüttet.
      Nachdem die Säure komplett durchgelaufen ist wird die Kati mit ca. 20 Litern Leitungswasser gespült.

      Dann geht es mit der Ani weiter.

      In 3,8 Liter kationenfreies Wasser gebe ich 160 Gramm Ätznatron und erhalte somit eine 4%ige Natronlauge (dazu später mehr)


      Auf diesem Foto ist zu erkennen dass ich die Natronlauge in den Eimer laufen lasse in der sich bereits die Salzsäure befindet:

      Man sieht die Reaktion wenn sich die zwei Flüssigkeiten vermischen. Beide Flüssigkeiten neutralisieren sich und können so in den Gulli gekippt werden. Oder man verwendet die einzelnen Flüssigkeiten z.B. als Reiniger.

      Wieder in der Waschküche angekommen wird nochmal gespült bis der Leitwert des Wassers bei Null liegt(nochmals ca. 20 Liter). Dazu läuft das Wasser natürlich erst durch die Kati, dann durch die Ani!!


      Zum Messen des Leitwertes verwende ich ein TDS- Meter für ca. 20 Euro:


      Weil ich das Regenerieren meistens sehr lange rauszögere, wird nach getaner Arbeit sofort Nachfüllwasser produziert:


      Genau hier sehe ich einen weiteren Vorteil einer VE : Ich mache mit meiner relativ kleinen Anlage in 10 Minuten ca. 15 Liter Reinstwasser!!

      Nun noch zu den Mischverhältnissen von Säure und Lauge:
      Der Hersteller gibt an dass für die Kati eine 8%ige Salzsäure ausreichend ist. Ich mache das aber seit eh und je mit 10%iger Säure.

      Also: 1,2 Liter 33%ige Salzsäure werden mit 2,8 Liter Leitungswasser vermischt.


      Für den Anionenaustauscher wird eine 3-5%ige Natronlauge benötigt. (einigen wir uns auf 4%)
      Dazu werden 3,8 Liter kationenfreies Wasser und 160 Gramm Ätznatron vermischt.
      Hierfür bitte einen Pulvertrichter verwenden, damit kein Ätznatron verschüttet wird! Nach der Zugabe sofort schütteln, da sich das Wasser nach der Zugabe des Ätznatrons sehr stark erwärmt!


      Grundsätzlich werden beim Regenerieren pro Liter Harz zwei Liter Flüssigkeit benötigt. Das Mischverhältnis wird nach folgender Tabelle berechnet.

      Beispiel:
      Bei dem Ätznatron 100%ig wird 50Gramm Ätznatron auf 950ml Wasser benötigt =1 Liter 5%ige Natronlauge
      970ml Wasser + 30gramm Ätznatron = 1 Liter 3%ige Natronlauge
      960ml Wasser + 40gramm Ätznatron = 1 Liter 4%ige Natronlauge
      950ml Wasser + 50gramm Ätznatron = 1 Liter 5%ige Natronlauge
      usw.

      Um Säure und Lauge zu kaufen gibt es verschiedene Bezugsquellen. Ich kaufe beides sehr günstig ein. 10 Liter Salzsäure plus 5kg Ätznatron kosten inkl. Gefahrguttransport 40 Euro.
      Damit kommt man ewig weit. In dreieinhalb Jahren habe ich 3 Kanister Salzsäure und 1,5 Eimer Ätznatron verbraucht!


      Gruß Roland

      Diesen Beitrag habe ich vor längerer Zeit in meinem früheren Forum geschrieben. Die Fotos sind trotz Wasserzeichen mein Eigentum.