Taxonomie für Dummies


    • Prestutnik12
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    • Taxonomie für Dummies

      Hallo

      Mein Bub muss in der Quinta im Biologie-Unterricht "Taxonomie" lernen. Und er nervt seinen Vater mit seinen Fragen und nicht etwa seine Mutter, die von Haus aus Biologin, Genetikerin, ist… Also fing ich an, es ihm zu erklären. Und ich wählte halt die Aquaristik als Beispiel. Wer mag, kann uns zuhören:

      Fangen wir oben an. Die Taxonomie ist keine besonders "exakte" Wissenschaft. (Ja, ich muss es aus allgemein-pädagogischen Gründen halt vor dem Buben erwähnen: Es gibt für mich eh' nur zwei exakte Wissenschaften, die Mathematik und die Logik. Der Rest ist mehr oder minder "empirischer Pfusch" oder "vage Verbal-Dichtung"… Punkt!)

      Wir begegnen der Taxonomie in der Aquaristik zumeist bei den "wissenschaftlichen" Namen unserer Tiere. Also bei Gattungs- und Artnamen. Die höheren Einteilungen der Biosystematik in "Reiche" (Regnum) oder "Domänen" spielen für uns ja keine Rolle. Es ist uns auch gleichgültig, dass da vier oder fünf Einteilungs-Modelle miteinander konkurrieren. (Dann trotzdem Abhören der Reihenfolge, wie sie halt in seinem Bio-Buch steht: Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung… Dem Herrn Sohn soll ja nicht zu wohl werden…)

      Wir Aquarianer haben es mit Tieren und Pflanzen zu tun, die einen vorangestellten Gattungs- und einen nachgestellten Artnamen haben: Neocaridina davidi, Davids Garnele aus der Gattung der Neocaridina. Dann kommt noch der Name des erstbeschreibenden Biologen und das Beschreibungsjahr hinzu. Betta persephone Schaller, 1986.

      Das ist der Idealfall eines wissenschaftlichen Namens. Davon abgeschwächt gibt es eine Reihe von Spezialfällen, die uns meist in der Form von Abkürzungen begegnen. Sie sind gewissermaßen Ausdruck dafür, dass die wissenschaftliche Arbeit auf diesem Feld nicht abgeschlossen ist oder einfach Unklarheiten vorliegen. Oder dass die Beseitigung der Unklarheiten bisher allen egal war. Hier einige, denen man ab und an begegnen kann:
      • spec., sp. (Spezies): Die Art ist bislang wissenschaftlich noch nicht endgültig beschieben worden.
      • aff., sp. aff. (species affinis): verwandte, ähnliche Art . Eine bislang unbestimmte Art, die aber einer beschriebenen Art - die dann genannt werden muss - sehr ähnlich ist.
      • conf., cf. (confer: vergleiche): Es gibt zwar Abweichungen von der Originalbeschreibung einer Spezies, die aber nicht so schwer wiegend sind, dass es sich um eine neue Art handeln sollte.
      • ssp., subsp. (subspecies): Unterart von…
      • sg., subg. (subgenus): Untergattung von …
      • var. (varietas): Variante
      Das dürften wohl die häufigsten Kürzel sein, über die wir Aquarianer des Öfteren stolpern. (Wer mag, kann es gerne ergänzen…)

      Man muss akzeptieren: Die Taxonomie ist ein Beschreibungssystem, das im Fluß ist. Entweder weil neue Erkenntnisse hinzukommen (im schönsten Fall eine erfolgreiche Fang-Expedition mit vielen Entdeckungen) oder auch, weil neue, alternative Methoden hinzukommen. So hat die genetische Analytik die klassische Taxomomie, die auf phänotypischen oder phylogenetischen Beschreibungen basierte, revolutioniert. Was teilweise zu massiven Revisionen führte. Und wieder zu Revisionen der Revisionen.

      Zwei Sachen mag ich noch andeuten:

      Die Genetik ist zwar moderner, aber deshalb nicht per se besser oder klarer oder weniger interpretationsbedürftig als die klassische Taxonomie. (Und sie wird die Verfahren der klassischen Taxonomie auch nicht verdrängen oder überwinden können. Die Genetik analysiert DNA im Labor, aber ihr fehlt das "Feld", die Umwelt, die Fundsituation eines Tieres.) Es läuft, wie man heute bereits sehen kann, auf eine Kombination beider Methoden hinaus.

      Auch eine verbesserte Methodologie kann nicht darüber hinweg täuschen: Die grundlegenden Begriffe "Gattung" und "Spezies" sind in der Biologie nicht exakt geklärt bzw. ihre Definitionen können nicht in jedem praktischen Fall durchgehalten werden.

      Die Taxonomie basiert auf der kleinsten Einheit der Spezies - und gerade der Art-Begriff ist einer der unklarsten und interpretationsbedürftigsten dieser Wissenschaft. Ich vermute mal, dass dies aufgrund der enormen Varianz und Vielfältigkeit der Natur - des Objektes dieser Disziplin - auch so bleiben wird…

      Und damit entließ ich meinen Sohn - und auch Euch.

      Grüße,
      Stefan :grandpa:

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Prestutnik12 ()

    • Heiho Stefan,

      Prestutnik12 schrieb:

      Hallo

      Mein Bub muss in der Quinta im Biologie-Unterricht "Taxonomie" lernen. Und er nervt seinen Vater mit seinen Fragen und nicht etwa seine Mutter, die von Haus aus Biologin, Genetikerin, ist… Also fing ich an, es ihm zu erklären. Und ich wählte halt die Aquaristik als Beispiel. Wer mag, kann uns zuhören:
      ..............


      Wir Aquarianer haben es mit Tieren und Pflanzen zu tun, die einen vorangestellten Gattungs- und einen nachgestellten Artnamen haben: Neocaridina davidi, Davids Garnele aus der Gattung der Neocaridina. Dann kommt noch der Name des erstbeschreibenden Biologen und das Beschreibungsjahr hinzu. Betta persephone Schaller, 1986.

      ............

      Grüße,
      Stefan :grandpa:
      spätestens ab der unteren, gepunkteten Linie, wäre mein Junior ausgestiegen :confused: . Zuviel Input, für solch ein kleinen Begriff. der sich "Taxonomie" nennt.

      Warum er Muttern nicht befragt........... Vielleicht aus dem, von mir vorbenannten Grunde?! Biologen / Genetiker - auch die weiblichen-, können da doch sehr Detail verliebt sein :blabla: . Vielleicht hatte er ja, die Hoffnung, eine Kurzfassung von dir zu erhalten :pfeifen: .

      Egal, hast du gut erklärt. :lach: Mein :respekt: dafür.
      Deine Meinung ist mir wichtig, jedoch gefällt mir meine besser. :prost: :chill:

      Liebe Grüße
      Martin :wein:
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