Sturisoma aureum oder nicht?

    • Sturisoma aureum oder nicht?

      Guten Abend euch allen,

      Ich habe seit ein paar Wochen zwei Sturisoma in einem meiner Becken schwimmen. Verkauft wurden sie als aureum.
      Da ich jetzt aber noch gerne 1 oder 2 Exemplare dazu kaufen möchte würde ich gerne wissen ob es sich wirklich um aureum oder eine andere Art Sturisoma handelt.
      Könnt ihr mir dabei helfen? Die sehen für mich alle zu ähnlich aus :confused:
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    • Moin!


      L-ko schrieb:

      ... ist Sturisoma aureum (oder richtig Sturisomatichthys aureus).
      Ich kann mich dunkel erinnern, dass S.aureum und St. aureus zwar im Handel als der gleiche Fisch angeboten werden (sowie min. 27 weitere Bezeichnungenv :kopfkl: :lach: ) , aber zwei Gattungen darstellen. (?) Oder erinnere ich das grad falsch?

      Gruss,
      Martin
      Grau ist alle Theorie - entscheidend is auf`m Platz.
    • Hi,

      ja, Sturisoma und Sturisomatichthys sind zwei unterschiedliche gültige Gattungen. Aber darum geht es hier eigentlich gar nicht.

      Sondern es ist die Frage, welcher Systematik man folgt: der "amerikanischen" oder der "mitteleuropäischen".
      Die amerikanische ist die wissenschaftlich anerkannt(er)e. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass man bei Art- und Gattungseinteilung wesentlich mehr verallgemeinert.
      Bei der mitteleuropäischen splittet man lieber. Das ist zwar nicht unberechtigt, bläht die Sache aber sehr auf. Und bei einigen Aspekten kann man sich auch in wissenschaftliche (philosophische) Probleme verstricken, die bei einer Verallgemeinerung keine Rolle spielen würden.
      Der Trend zur Vereinheitlichung geht derzeit mehr zur amerikanischen. In der Literatur setzt die sich auch immer weiter durch.

      Was in der mitteleuropäisch: Sturisoma aureum ist, ist in der amerikanischen Sturisomatichthys aureus.
      Aber verwendet Sturisomatichthys aureus in Deutschland. :grinz: Wer von uns hier würde denn in der Datenbank Sturisomatichthys aureus suchen?

      Insofern sind auf der Website zumindest in der deutschen Version, die hier üblicheren Artnamen verwendet und der amerikanische (in der Wissenschaft übliche) nachgestellt. In den anderen Sprachversionen ist es genau anders herum. Weil aus Amerika oder schon Großbritannien normaler Weise kein Benutzer nach Sturisoma aureum suchen würde.

      Ergo,
      der wissenschaftlich anerkannte Name ist Sturisomatichthys aureus (womit auch gesagt ist, in welcher Gattung die Art derzeit wissenschaftlich eingeordnet ist),
      der bei uns übliche Name ist Sturisoma aureum.

      Wer in der Welsfans-Datenbank nach in Deutschland üblichen Namen sucht, verwende die deutsche Version,
      wer sich in der Systematik mehr wissenschaftlich bewegen möchte, verwende nicht die deutsche, sondern eine andere (z.B. die englische) Version.
      (Kleine "Unschönheiten" gibt es sicherlich, wenn man z.B. nach deutschen Namen sucht und dann die Sprachversion wechselt)

      Wenn man den wissenschaftlich gültigen Namen - nicht nur für Welse - sucht, kann man auch in Catalog of Fishes nachsehen.

      Viele Grüße
      Elko

      PS: Die Zuordnung zu Sturisomatichthys geht auf
      Covain et. al. "Molecular phylogeny of the highly diversified catfish subfamily Loricariinae (Siluriformes, Loricariidae) reveals incongruences with morphological classification" zurück. Ingo Seidel hatte in Aquaristik-Fachmagazin Aug./Sept. 2016 (Wels-Presseschau) darüber berichtet.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von L-ko ()

    • Vielen Dank für die Aufklärung und umfangreiche Erklärung, Elko!
      Nun weiß ich auch endlich, weshalb in meiner deutschen Taxonomie (DATZ Sonderheft) S. aureum (Steindachner, 1900) steht, während in einer französischen Version nur St. aureus erwähnt wird.
      Nichts destotrotz bräuchten wir sicherlich dringend eine Überarbeitung bei den L-Welsen. Ich hatte ja schon auf den L200 hingewiesen, die nach wie vor zwei Gattungen bezeichnet, die nur durch den Zusatz HF/LF unterschieden werden. Nichts gegen die L-Nummern an sich - eine super Erfindung - aber Fische, die eindeutig beschrieben und eingeordnet sind, sollten auch tatsächlich eine eigene Nummer haben. Ähnliches Wirrwarr haben wir ja auch bei meinen geliebten Baryancistrus sp., die wahlweise als L81/L18/L85/L177 in Händlerbecken schwimmen. Ganz besonders beliebt bei mir sind Händlerbecken, wo L81+L18 in einem Becken sind und auf der Scheibe steht nur "Golden Nugget".
      Noch lustiger wird es, wenn die LDA-Nummern dazu kommen. Dann ist der "casual user" am Ende und kauft den goldenen A.sp. als LDA16. :kopfkl:
      Bei dieser Gelegenheit kann man gerne mal auf eine Seite verweisen, die als einzige (mir bekannte) deutschsprachige Seite auf den korrekten Fisch zu dieser Nummer hinweist:
      https://www.suedamerikafans.de/
      :top: :grinz:
      Bei dieser Gelegenheit: Du hast ihn aktuell (02.01.18)auf einer Stockliste gesehen. Wenn es keine Umstände macht, wüsste ich gern wer ihn drauf hat, da ich aktuell nur noch ein ♀ besitze. Vielen Dank auch hier für die Mühe. :lach:

      Gruss,
      Martin
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    • Hi,

      die wissenschaftliche Arbeit zur Familie Loricariidae ist permanent in Arbeit. Gestern ist erst wieder ein umfangreiche Arbeit über die Gattung Guyancistrus erschienen.

      Bevor über Hemiancistrus subviridis gesprochen wird, ist erstmal die Gattung Hemiancistrus zu klären. Seit der schon o. g. Arbeit enthält diese eigentlich nur noch die Typusart Hemiancistrus medians. Die restlichen "Hemiancistrus" haben mit der Typusart nicht mehr so viel gemeinsam. Genau so wenig passt der HighFin in die Gattung Baryancistrus.
      Ein Fertig wird es nicht geben. Wir werden uns immer wieder auf Veränderungen einstellen müssen. Die genetischen Untersuchungen der letzten Jahre sind dabei sehr hilfreich, liefern aber auch nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse.

      Die L-Nummer sind / die LDA-Nummern waren eine reine Aufzählung. Da steckt keine wissenschaftliche Arbeit dahinter. Interessant wird es dann erst so richtig, wenn man versucht diese einer wissenschaftlich beschriebenen Art zuzuordnen. Auch die unterschiedlichen L-Nummern zu Baryancistrus xanthellus lassen sich bestimmten Fangorten zuordnen (Es gibt natürlich Grauzonen - ist halt so, wenn man Individuen hat.) Die unterschiedlichen Nummern machen schon Sinn. Man muss sich nur die Mühe der Zuordnung machen. :grinz:
      Man findet auch in wissenschaftlichen Arbeiten irgendwelche Durchnummerierungen von unbeschriebenen Arten. Wenn man das nicht machen würde, könnte man sie später, wenn notwendig, auch nicht referenzieren. Alles auf einmal beschreiben geht auch nicht. Also: Eine nachvollziehbare Nummerierung ist schon besser als gar nichts.

      Bei den Angaben zu Stocklisten muss ich die Angaben der Händler verwenden. Ich habe keine Möglichkeit die korrekte Zuordnung auch zu prüfen.
      Das ist zwar eine "gewisse Unschärfe" aber andererseits in der Datenbank sind jetzt über 1700 Loricariidae (Arten/Formen) und davon waren z.B. während der letzten beiden Jahre jeweils "nur" ca. 250 Arten/Formen im Handel. Also wenn man etwas für's Aquarium sucht, mach es sich schon ganz gut, dass auf das "wahrscheinlich aktuell Machbare" einzuschränken.

      Viele Grüße
      Elko

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von L-ko ()

    • Hi,


      L-ko schrieb:

      Genau so wenig passt der HighFin in die Gattung Baryancistrus
      Interessant. Aber wo passt er rein? Spectracanthicus? Hm, passt die Zahnzahl nicht.


      Zu dem LDA16 noch kurz: Ich suche ja noch etwas für mein leeres 260er, damit ich nicht mit Malawi anfangen muss, wie vom Familienvorstand gefordert. :lach:

      Gruss,
      Martin
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    • Moin.

      Weibchen sind eventuell um die Hüfte herum etwas fülliger aber verlassen würde ich mich da nicht drauf und auf den Bartwuchs warten. Wie groß sind die denn jetzt?
      Ob man sie ab einer gewissen Größe anhand der Papille unterscheiden kann, ist mir nicht bekannt. Vielleicht weiss da ja jemand im Forum mehr.

      Gruss,
      Martin
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    • Hi,

      ... entscheidend ist die Form der Rückenflosse.
      Die von Sturisomatichthys festivus ist gegenüber der von Sturisomatichthys aureus deutlich geschwungen.
      Auf Deinen Bildern oben erscheint die fast gerade. Auf dem ersten Bild könnte es zwar aus der Perspektive täuschen, bei zweiten aber wohl nicht. Aber vergleiche bitte selber noch einmal: direkt sehen ist immer besser als irgendein Foto.

      Viele Grüße
      Elko

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von L-ko ()

    • Hi,
      also die Rückenflosse ist schon etwas geschwungen aber nicht so extrem wie auf vielen Fotos von S. festivum, aber auch etwas mehr als auf Fotos von S. aureus. Irgendwie gibt es da keine Eindeutigen Bilder, je nach Quelle unterscheiden sich diese alle stark.
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