Channa stewartii - schockierendes Verhalten des Weibchens


    • Klex
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    • Channa stewartii - schockierendes Verhalten des Weibchens

      Hallo liebe Aquarienfreunde,
      wie Ihr seht bin ich neu hier und möchte mich erstmal vorstellen. Seit ein paar Jahren bin ich im Ruhestand und habe meine alte Leidenschaft für Aquaristik wieder aufleben lassen. Das brauch ich.

      Jetzt hab ich ein Problem und brauche dringend Rat:

      Seit Februar habe ich 4 Channa stewartii. Nun hat sich vor 4 Wochen ein Zuchtpaar gefunden. Die zwei anderen habe ausquartiert (darauf war ich vorbereitet), und die beiden haben auch gelaicht und gebrütet, wie es sich gehört. Jetzt ist die Brut kurz vor dem Freischwimmen und zu meinem Entsetzten musste ich ansehen, wie die Dame einzelne Jungfische frisst. Sie hat sie geschluckt. Ich habs genau gesehen! :motz: Der tapfere Vater hats auch gesehen. Eigentlich duldet er sie in der Nähe der Brut, attakiert sie aber gelegentlich äußerst heftig und verjagt sie.
      Das wird bei Fischen mit so hohem Aggressionspotential zum großen Problem und kann zum Mord führen.

      Nun frage ich mich, ob es an der Beckengröße liegt (100cm x 50cm x 50cm) oder ob es sich um eine Verhaltensdegeneration handelt, wie sie auch bei Skalaren gelegentlich vorkommt. Das halte ich aber für unwahrscheinlich, weil es sich um Wildfänge handelt (Fanggebiet Nähe von Kooch).

      Hat vielleicht jemand Erfahrung mit diesen Fischen?

      schon mal vielen Dank
      Thomas
    • Update:


      Noch am Donnerstag abend hab ich den Rogner (Weibchen) herausgenommen,
      weil ich wegen der Verletzungen die sich die Fische gegenseitig zugefügt
      haben Bedenken hatte.
      Der Milchner (Männchen) traute sich eine Stunde später mit Brut aus
      seiner Höhle. Am Freitag hat er plötzlich angefangen aufgeregt durchs
      Becken zu schwimmen und beruhigte sich erst nach etwa 10 Minuten wieder.
      Ich habe mir eingebildet er sucht seine Partnerin. Aber das ist
      eigentlich unzulässig weil vermenschlichung.


      Jetzt steht er meist in der Nähe des Schwarms und patrulliert regelmäßig
      durchs Becken um neugierige Ausreisser ein zu sammeln. Er scheint das
      gern zu machen, weil er manchmal auch Fische aus dem Schwarm aufnimmt,
      zwei Runden durchs Becken dreht und sie dann wieder entlässt. Die
      Jungfische, die es bemerken reagieren sofort indem sie versuchen auch
      ins Maul zu kommen. Eine Schutzreaktion und klassische
      Instiktverschränkung im Lorezschen Sinn.





      Dann hab ich noch eine Bitte an die Administratoren: Könnt Ihr diesen
      Beitrag anders einordnen oder mir sagen, wie das geht. Das Thema ist zu
      speziell für Grundlagen, wie ich finde. Ich hab mich einfach blöd
      angestellt beim posten.
      Danke und Gruß
    • Update 2

      Am 5. Tag Fütterung haben die Kleinen ihre Länge verdoppelt. Sie sind jetzt ca. 2cm lang und sehen aus wie Miniausgaben der Eltern. Sie lassen sich nicht mehr einfangen, sonder flüchten, wenn der Vater es versucht. Seine Schwanzflosse ist immer noch lädiert zeigt aber keinen weißen Saum, so dass ich hoffe, sie ist in ein paar Wochen wieder so schön wie vorher. Die Mutter hat´s schlimmer erwischt. Sie hat eine 4 - 5 qcm große Schramme, die vorgestern noch ziemlich übel aussah. Alle Schuppen fehlen auf der Fläche und an einer kleinen Stelle sieh man das blanke Fleisch. Dies Stelle ist heute kleiner und der Bereich ohne Schuppen ist dunkler geworden. Es war dringend nötig sie zu trennen. Hätte ich schon 2 Tage vorher machen sollen. Das weibchen erweist sich als erstaunlich gesellschaftsfähig. Die die ca. 6 - 7 cm großen Prachtbarben bleiben völlig unbehelligt und zeigen auch keine Angst oder besondere Vorsicht. Das Becken ist unbeheizt und hat zur Zeit 23°C, den gleichen Wert wie das Becken mit der Brut. Das nächste Mal dürfen die Beiden es in einem 500l-Becken versuchen. Natürlich nur, wenn ich die Fische auch an den Mann bringe.

      Futter: 2 mal Täglich Artemianauplien in je 2 Etappen bei ausgeschaltetem Filter (und Wecker für mich). In einer Woche werde anfangen kleines Frostfutter an zu bieten, um mehr Abwechslung in den Speiseplan zu bringen. Heute habe ich es mit ausgesiebten feinen Krillresten versucht, die, wenn auch zögerlich, angenommen wurden.
      Die adulten Fische bevorzugen auch wenn sie ein großes Maul haben kleinere Happen (5 mm). Die Stücke werden immer zerbissen (natürlich mit den Schlundzähnen) was man an der Kopfbewegung deutlich sieht. Sie bekommen zur Zeit große Heimchen, Kompostwürmer, Shrimps und Fischfleisch. Ich füttere alle 2 Tage soviel sie aufnehmen. Stücke, die liegenbleiben enferne ich nach 10 min aus den Becken.

      Hier noch zwei Bilder: Papa Schlangenkopf und die Schlundzähne eines großen Döbels (50cm).
    • Hallo Thomas,

      ich habe gerade deinen Bericht gelesen. Es geht ja hoch her bei den Channas.
      Und die Zähne der Fische... heißt der große Bruder der Art Piranha??

      Klex schrieb:

      Natürlich nur, wenn ich die Fische auch an den Mann bringe.
      Hast du dir schon überlegt, was du mit diesem Nachwuchs machst, wenn du die Tiere nicht abgeben kannst? Es ist ja immerhin eine sehr spezielle Art.

      Bin auf die Fortsetzung gespannt :top:
      Liebe Grüße
      Marlis
      ____________________________
      Es gibt nichts, was eine Mutter glücklicher macht, als zu wissen, dass ihr Kind gesund ist und es ihm gut geht
    • Hallo Marlis,

      das sind Labyrinter, die Verwandten heißen also Kampffisch und Fadenfisch. Sie sind mit 20 bis 25cm, im Extremfall bis 30cm die "Großen von den kleinen Arten".
      Die Viecher müssen eine erstaunliche Physis haben: Sie überleben in "nahezu jeder Brühe" und überstehen die Trockenzeit im Schlamm, solange der nur feucht bleibt. Sie sind sogar bereit über Land zu gehen. Wohl gemerkt in ihren natürlichen Habitaten. Die Schwierigkeit bei der Haltung besteht vor allem im innerartlichen Aggressionpotential und natürlich in der nötigen Temperaturabsenkung im Winter. Sonst verfetten die inneren Organe, hab ich gelesen.

      Marlis, Du machst mir Angst...

      Noch hege ich die Hoffnug, dass der Händler, von dem ich sie hab mir auch den Nachwuchs abnimmt. Immerhin hat der auch andere Nachzuchten dieser Gattung im Angebot. Sogar Channa micropeltes! Die holen sich Deinen Katzennachwuchs wenn Du sie im Gartenteich hältst und sind allenfalls für Großaquarien mit mehreren zig m3 geeignet, um es überspitzt zu formulieren.
      Klar, der deutsche Markt nimmt sicher keine 30 000 solcher Fische auf, aber meine 100 oder 150 mit der Zeit wohl schon. Wenn ich 1/5 von dem krieg was ich bezahlt hab, bin ich glücklich.
      Das neue 500er Becken wird in absehbarer Zeit jedenfalls erstmal dem Nachwuchs vorbehalten sein. Wenn alle Stricke reißen hab ich noch Glas für 3 weitere Becken. Wollt mir eigentlich Zeit damit lassen. Wär doch langweilig, wenn alles glatt liefe.
      Im allerschlimmsten Fall muss ich sie mir in die Pfanne hauen, ham ja das Format vonner Bratwurst :-O
      Grüßle
    • Update 4

      Die Jungtiere sind jetzt +/- 3cm lang und heute habe ich zum ersten Mal Tk-Artemien angeboten, die gierig genommen wurden. Sie haben ihr Verdauungssystem und auch ihr Labyrinth offenbar ausgebildet und gehen regelmäßig an die Oberfläche, was sie anfänglich nicht taten. Da werd ich die Nauplienbrüterei jetzt benden, was mich erleichtert.
      Anfänglich hat die Brut nachts in der Nähe der Oberfläche als regelrechter Meatball geschlafen. Jetzt verteilen sie sich im Becken und schlafen einzeln oder in kleinen Gruppen auf dem Grund, zwischen Blättern oder hinterm Ablaufrohr.



      Wenn der Vater die Futterwolke bemerkt, führt er seine Brut hinein. Dabei geraten natürlich auch Nauplien in seinen Schlund. Die kitzeln ihn an den Kiemen, was ihn zu heftigem Kopfschütteln veranlasst. Irgendwann wird´s ihm zuviel und er sucht das Weite. Trotzdem macht er es jedesmal. Was tut man nicht alles für die lieben Kleinen?
      Die Verletzungen des Muttertieres heilen schnell. Es sind jetzt keine hellen Stellen mehr zu sehen und ich erwarte, dass in den nächsten Tagen auch die Schuppen nach wachsen. (Hab vor ein paar Tagen ein Foto gemacht, würde es aber nur auf ausdrücklichen Wunsch hochladen, weil es mir nicht gefällt.) Auch habe ich festgestellt, dass die Tiere eine deutlich dickere Schleimschicht besitzen als andere Fische.

      Becken: 100x50x50 cm, 8er Glas mit einer Verstrebung, 190 l netto. Das Becken hat eine schlüssige 6teilige Abdeckung, die mit 10mm großen Löchern versehen ist um einen ausreichenden Luftaustausch zu gewährleisten. Die Tiere gelten als "Ausbrecherkönige", was sich aber bei mir nicht bestätigt hat. Tagsüber lasse, wenn ich anwesend bin einen Teil der Abdeckung offen und keines der Tiere ist seither raus gesprungen. Sie können aber schon gut und zielgenau springen. Da wird ein Wurm schon mal 10cm über dem Wasser genommen, bevor ihn ein anderer kriegt. Und ich krieg ´n Schreck.

      Entgegen meiner Erwartung scheint das Becken groß genug für eine Einzelhaltung. Ursprünglich war es als Übergangslösung gedacht. Diese Fische haben, obwohl es Wildfänge sind kein ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis. Sie patroullieren gemächlich und mit sanften Bewegungen durchs Becken dabei sind ihre großen Brustflossen in ständiger Bewegung. Sie haben eine voll funktionsfähige Schwimmblase und können reglos im freien Wasser stehen. Zwischendurch machen sie Pausen unter Steinen, Wurzeln und zwischen Pflanzen. Beim Futter packen oder bei Attacken können sie trotzdem blitzschnell und entschlossen losschießen.
      Häufig beobachte ich, dass sie erst einige Augenblicke die Oberfläche beobachten und nach dem Atmen scheinbar eilig nach unten tauchen. Die größte Bedrohung scheint von oben zu kommen.
      Es wird empfohlen, ihnen möglichst viele, ausreichend große Versteckmöglichkeiten an zu bieten, obwohl sie als waschechte Räuber eher neugierig als ängstlich sind. Der Tigerlotus in meinen Becken wird sehr geschätzt und vermehrt sich dank Bodengrunddüngung fleißig. Es gibt viel Platz zwischen den Blättern und er bietet die so wichtige Deckung von oben.

      Übrigens halte ich die Tiere für ausgesprochen intelligent. Ich musste lachen als er die Kamera bedrohte, was er gegenüber meiner bloßen Hand nicht tut. Daraus schließe ich, dass er erkennt, dass die Kamera in meiner Hand ein eigenständiges "Tier" ist. Wenn ich morgens die Abdeckung entferne, verkrümelt er sich, schwimmt eine Runde, stellt sich unter ein Blatt und äugt. Wenn ich abends die Abdeckung wieder drauflege, zeigt er sich völlig unbeeindruckt, selbst wenn er direkt drunter steht. Manchmal frag ich mich wer da eigentlich wen beobachtet.