Massensterben im Becken


    • Juergen
    • 2242 Aufrufe 27 Antworten

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    • Massensterben im Becken

      Hallo,
      ich habe ab Ende der 70er Aquarien, mal Süß - mal Meerwasser, immer ohne Probleme. Nun aber ab Juni 2021 Süßwasser.
      Gestern wollte ich das Holz im Becken gegen ein neues austauschen. Gesagt, getan. Es war ein Stück Totholz von einer Birne aus dem Garten meiner Töchter, und lag schon über ein Jahr in einer Ecke, voll durch getrocknet. Also habe ich die Rinde entfernt, Wurzel abgeschruppt und mit heißen Wasser gereinigt. Dann die Wurzel im Becken positioniert. Nach etwa einer halben Stunde sah ich das Ramireziweibchen taumelnd im Becken schwimmen. Als ich genau schaute passierte das bei allen anderen binnen, man kann bald sagen Sekunden und sie starben. Sofort wurden die noch lebenden Welse und Ottis herausgeholt. Dann 80% Wasserwechsel, Filterreinigung. Etwas gewartet und nochmal Wasserwechsel und Filterreinigung. Die geretteten Tiere sind leider auch gestorben. Was mich wundert ,im Aquarium waren noch drei Armanogarnelen und Schnecken, die haben , obwohl ich sie nicht aus dem Becken geholt habe überlegt und sind putzmunter.
      Verluste:
      4 Ottis, 4 Schachbrettpanzerwelse, 4 Kupfersalmler, 5 Blutsalmler und mein Ramirezipaar.
      An dem Holz habe ich bläuliche Stellen gesehen, die aber vorher übersehen. Auch wenn man liest das auch heimische Hölzer welche man selber sammeln kann verwendet werden können, so würde ich allen nach dieser Erfahrung davon abraten. Den Garnelen und Schnecken geht es immer noch gut.
      Nun meine Überlegung, nachdem ich nochmal ein Teilwasserwechsel machen werde, sollte man alle rausholen und abspülen?
      Gruß Juergen :wink:
    • Hallo Jürgen,

      die blauen Stellen könnten Bläuepilze sein. Die gehören noch nicht einmal zu den Holzpilzen und sind für Menschen unschädlich. Wie es sich bei Zierfischen verhält kann ich aber nicht sagen. Es ist aber genauso gut möglich dass auf diesem Stück Holz irgendwelche Pflanzenschutzmittel oder andere Pestizide waren. Heimisches Totholz würde ich deshalb niemals für ein Aquarium verwenden, auch wenn man oft davon liest dass man es bedenkenlos verwenden kann. Zudem finde ich dass es den großen Aufwand gar nicht wert ist.
      In Deinem Fall war es vielleicht ein Fehler dass Du das Holz vorher nicht gewässert hast. Das wäre sehr wichtig gewesen! Das Holz sollte absolut trocken sein, dann wird es gereinigt und mindestens 3-4 Wochen in einer Regentonne gewässert. In dieser Zeit treten dann die Stoffe aus die Du leider jetzt in Deinem Aquarium hast.


      Gruß Roland
    • HiHi Jürgen

      Bullshit! Aber echt! Es fragt sich, welches Gift so schnell und stark auf den Organismus von Fischen, also Wirbeltieren, wirkt – aber die Wirbellosen nicht angreift? Eine toxische Substanz, die über die Kiemen wirkt?

      Aber egal, welcher biologische Mechanismus wirkte, wenn ich es mit einer unbekannten, aber solchermaßen aggressiv toxisch wirkenden Situation zu tun habe, würde ich das Becken ausräumen und lieber ganz neu ansetzen. Da wollte ich auf der sicheren Seite sein. Das sollte schon "einmalig" gewesen sein.

      Glück auf!,
      Stefan
    • Hallo Jürgen,

      tut mir echt leid um deine Fischis. Habe vor ewigen Zeiten auch schon mal ein Becken mit Apfelbaumholz dekoriert, Gott sei Dank ohne Folgen .

      Ich kann mich ansonsten nur meinen drei Vorrednern anschliessen, wenn du auf der sicheren Seite sein willst, alles rausschmeissen un dneu starten.
      Gruß Wolfgang

      früher hatte ich Angst im Dunklen, wenn ich heute meine Stromrechnung sehe,
      fürchte ich mich vorm Licht :heul:
    • Hallo,
      habe mich von dem Schock erholt, aber ärgere mich immer noch über meinen Leichtsinn.
      Die Fische sind alle schon gestorben bevor ich den ersten Wasserwechsel fertig hatte. Die zuerst geretteten musste ich notgedrungen und vor Hektik in einem Gefäß mit frischen Leitungswasser setzen, war der nächste Fehler. Sie waren auch schon stark angeschlagen.
      Habe das Becken seit gestern ruhen lassen. Kurios, den Garnelen und Schnecken geht es blendend.
      Die Frage , wohin mit den Garnelen und Schnecken wenn ich alles neu ansetze. Oder reicht es wenn ich den Sand und Kies abspüle, damit noch etwas Biomasse erhalten bleibt.
      Gruß Juergen :wink:
    • Hallo zusammen, hallo Juergen,

      das tut mir leid um Deine Fische. Sehr bedauerlich...

      Natürlich hab auch ich über die Ursache nachgedacht. Vor allem, dass es so schnell gegangen ist, finde ich bemerkenswert. Es bedeutet zum einen, wie Stefan sagte, dass das Gift sehr schnell wirkt, zum anderen muss es auch sehr schnell in toxische Menge freigesetzt worden sein. Warum es nur die Wirbeltiere erwischt hat kann ich nicht erklären, dazu fehlt mir definitiv das Detailwissen.

      Du bist ein erfahrenen Aquarianer. Deshalb halte ich versehentliches Einbringen von irgendwelchen Substanzen für ausgeschlossen. Auch, dass bei der Umgestaltung Schwefelwasserstoff oä. aus dem Grund frei gesetzt wurde, halte ich in einem Becken, das erst einige Monate läuft, für ausgeschlossen. Ein so schnelles Kippen des Beckens, nur wegen eines ausgetauschten Stücks Holz, erscheint mir ebenfalls nicht plausibel.

      Bleibt eigentlich nur noch das Birnenholz und Pestizide. Tatsächlich kann ich mir ein Szenario vorstellen, wie über das Holz Pestzide, oder weitergefasst hoch giftige Soffe, ins Becken gelangen können:

      Birnen sind Obst- also Nutzbäume. Sie wachsen in Plantagen (auch bei uns). Dort werden Spritzmittel eingesetzt. Die Bäume werden auch regelmäßig geschnitten. Dabei entsehen auch so schöne, knorzige Stücke, die irgendwann abgesägt werden, weil sie nicht mehr passen oder nicht mehr treiben. In jeder Obstplantage gibt es so einen Haufen mit Baumschnitt, der nach und nach trocknet. Eigentlich sollte das Zeug zügig entsorgt werden um der Ausbreitung von möglichen Schädlingen entgegen zu wirken. Die Sache genießt aber wegen Zeitmangel selten Priorität. Also kann man den Haufen abspritzen mit einem Pestizid gegen besagte Schädlinge. In jedem Fall wird der Haufen regelmäßig mit verdriftetem Spritznebel Kontakt haben.

      Trockenes Totholz ist ausgewaschen und porös, besonders am Stirnholz. Es saugt den Spritznebel auf und trocknet wieder ab, möglicherweise wiederholt, was zu hohen Konzentrationen führen kann. Ich gehe auch davon aus, dass solche Gifte den Zersetzungsprozess bremsen, und das Stück schon relativ alt sein könnte.

      Wenn Du so ein Stück mit heißem Wasser ab wäschst, gehen die Substanzen wieder in Lösung und können im AQ schnell ausgeschwemmt werden.

      Das ist natürlich nur eine Hypothese, aber für mich klingt sie plausibel und sie würde den Widerspruch zwischen "Totholz - geht oder nogo" auflösen. Also Totholz geht, aber man muss wissen, welchen Einflüssen es ausgesetzt war. Und ein paar Wochen wässern schadet sicher nicht.

      Falls ich richtig liege, brauchst Du das Becken nicht zu desinfizieren. Das hat möglicherweise das Pestizid schon weitgehend erledigt. Grund und Filter ausspülen, Birnenholz entfernen, das Becken mit frischem Wasser und den verbliebene Wirbellosen wieder einfahren sollte genügen.

      Gruß Thomas
    • Hihi Thomas

      Interessante These: Freiland aufgebrachtes Pestizid – ohne abschließende Wässerung des Holzes! - als Ursache der Vergiftung.

      Was mich dabei nur erstaunt: Bei Vergiftungen über das AQ-Wasser hätte ich jetzt eigentlich immer als erste Opfer auf Garnelen getippt. Und nicht auf die Fische als Wirbeltiere. So wie es bei frisch eingerichteten Becken ja immer zuerst die Krabbler erwischt, die von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln aus Gärtnerei-Pflanzen erwischt werden.

      Natürlich sind physiologisch die Stoffwechsel von Wirbeltieren und Wirbellosen wie Garnelen – und damit die Anfälligkeit für konkrete Gifte - ziemlich weit auseinander, nur welches Pestizid welcher Klasse könnte es sein? Bestimmt kein Insektizid. Da würde ich eher noch auf Rattengift tippen...

      Grüße
      von Stefan
    • Moin Juergen,

      ich habe das auch mal vor vielen Jahren mit Wurzeln von alten Weinstoecken versucht.
      Sind ja sehr dekorativ.

      Das Ergebnis war genauso destratioes wie bei Dir.
      Trotz auskochen der Wurzeln sind wohl noch Pestiziede in den Wurzeln verblieben die dann auch zu einem Massensterben der Fische gefuehrt haben.

      Seitdem nehme ich Wurzeln nur noch aus dem Handel und die werden dann auch schon mal mindestens 4 Wochen gewaessert.

      Manchmal werden auch trockene Fichtenzweige empfohlen. Weiss nicht?

      Ist halt wie russisches Roulette und muss eigentlich nicht sein.

      LG von der Ostsee :wink:
      Oliver
    • Hallo an alle,
      ich habe das Becken beobachtet, die Garnelen und Schnecken putzmunter. Ich gehe davon aus das es ein Gift war, was sich nur im Wasser löste und durch schnelles Handeln nicht ablagern konnte, sonst wären die Garnelen und Schnecken auch verendet, da sie ja nur vom Bodengrund und Hardscape fressen, wo dann natürlich alles kontaminiert wäre.
      Ich habe das Wasser nochmal getestet ( Tröpfchentest) und alle Werte sind wie ich sie hatte.
      Ich habe mich entschieden nicht alles neu zu machen, sondern aus den vorher beschriebenen Gründen und Beobachtungen 3 Corydoras paleatus eingesetzt. Es war ein Risiko und aus meiner Sicht auch gegenüber den Tieren nicht fair solch ein Wagnis einzugehen. Ich war aber der Überzeugung das keine Gefahr für die Tiere besteht, da sonst die Garnelen und Schnecken darauf hingedeutet hätten.
      Die Welse sind seid gestern Mittag im Becken und sehr munter. Sie verhalten sich normal und wühlen im Bodengrund.
      Werde alles weiter beobachten .
      Gruß Juergen :wink: