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Warum ist "Chemie" schlecht - Druckversion

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- Wildsauen - 19.01.2011

couch
Das erste ist die wahnsinnige Suggestion der Herstellerindustrie, dass
...
Das zweite ist, dass ..der Einsatz von Chemie als „Ersatz“ genommen wird.

Als Ersatz fürs Nachdenken oder als Ersatz für die richtige, mühsame Analyse des Problems. Ein Fadenalgenproblem? Eine Schneckenexplosion? Anyway... Anstatt das Becken zu betrachten: die Zahl der Tiere und Pflanzen, ihre Fütterung, etc. Anstatt Fehler aufzuspüren, zu analysieren und künftig zu vermeiden, wird lieber zum chemischen Fläschchen gegriffen. Das scheint dann einfacher, schneller und leichter. Nur so beseitigt man die Symptome, aber halt nicht die Ursachen des Problems.


Hallo Stefan,

dann bin ich bei Dir richtig!

ich habe diese kleinen, runden Schnecken in meinem neuen AQ nun.
Was mache ich mit denen und was machen diese, außer dass sie deutlich mehr werden? Bekomme ich diese wieder hinaus? und wenn ja, wie?
Meine Apfelschnecke und die Garnelen möchte ich natürlich behalten.



]


- Ferrika - 19.01.2011

Moin,

es gibt in Bezug auf "Chemie" viele Mythen und Denkfehler.

Wenn bei den Aquarianern von "Chemie" gesprochen wird, sind natürlich immer künstlich hergestellte Produkte gemeint. Da sprechen wir aber nicht von chemischen Prozessen.

Das Problem bei künstlich hergestellten Produkten ist und bleibt ihre "Eingeschränktheit". Ein schönes Beispiel bieten da ätherische Öle (die übrigens auch beim Einsatz von Erlenzapfen zum Tragen kommen). Die Industrie versucht immer wieder, um GELD (nicht Ressourcen, die sind denen egal) zu sparen, diverse, sehr teure ätherische Öle, künstlich nachzubilden. Z.B. Rosenöl. Aber es gelingt ihnen nicht. Künstliches Rosenöl kommt weder im Geruch noch in der Wirkungsweise auch nur ansatzweise an echtes Rosenöl heran.

Was bedeutet das für chemische Produkte für das Aquarium? Wenn ich z.B. ätherische Öle zur Heilung einsetze, habe ich ein unendlich breit gefächertes Wirkstoffspektrum, gegen welches Bakterien keine Resistenzen bilden können, vorausgesetzt, ich setze diese Öle nicht über einen längeren Zeitraum als 3 Wochen in der gleichen Konstellation ein.

Bei künstlich hergestellten Arzneien ist die Zusammensetzung IMMER bis aufs Quentchen gleich, denn ansonsten würden die Nebenwirkungen aus dem Ruder laufen. Ergo bilden sich auch schnell Resistenzen, wenn mit den Medikamenten nicht verantwortungsbewusst umgegangen wird, also die Behandlung wirklich bis zum bitteren Ende und darüber Hinaus, durchgeführt wird. Bakterien und Viren sind so reaktionsschnell in ihrer Anpassung, daß bereits die nachfolgende Generation eine Resistenz entwickelt haben kann.

In Folge dessen setze ich bei Behandlungen, so sie denn notwendig werden, lieber auf natürlich entstandene Wirkstoffe. Nicht immer, aber soweit als möglich.

Allerdings möchte ich einmal mit einem sehr erschreckenden Vorurteil aufräumen: natürliche Wirkstoffe sind mitnichten immer harmlos. Man kann mit einer Überdosis Zimt- oder Muskatöl einen Menschen töten. Man kann mit Rosenöl eine Fehlgeburt auslösen oder eine Geburt einleiten. Man kann mit einer kleinen Menge Muskatellersalbeiöl in Verbindung mit Alkoholkonsum einen Horrortrip erzeugen, der einen LSD-Trip locker in den Schatten stellt. Man kann mit Bergamotteöl fürchterliche Verbrennungen hervorrufen, wenn der Anwender nicht weiß, daß er damit nicht in die Sonne gehen darf. U.s.w.

Die Diskussion als solches hat hier sicher seine Berechtigung, wenn man den Terminus des "warum immer gleich die Chemiekeule" nicht richtig umsetzt. Aber richtig ist, man muß nicht immer eine Chemiekeule einsetzen. Vorbeugen mit ordentlicher Wasserhygiene, vernünftiger Ernährung und vernünftigem Besatz spart den Einsatz so mancher Chemiekeule. Und WENN sie dann doch einmal nötig wird, dann bitte vorher ordentlich recherchieren, ob man auch die richtige Keule einsetzt und dann bitte nach Vorschrift behandeln und solange, wie notwendig, damit keine Resistenzen entstehen.


- Tito - 19.01.2011

Hi,

Ferrika schrieb:Moin,
Wenn bei den Aquarianern von "Chemie" gesprochen wird, sind natürlich immer künstlich hergestellte Produkte gemeint. Da sprechen wir aber nicht von chemischen Prozessen.

nicht nur das. Wir hatten es gerade eben in einem Thread, dass eine käufliche Bakteriensuspension als Chemie bezeichnet wurde.
Daran ist sicher nichts chemisches, aber allein dass es aus einer Flasche kommt reicht schon um den Begriff Chemie hervorzuholen.

Ich glaube eher, dass da zwei Begriffe gegenübergestellt werden,
Natürlich (=gut) oder Chemie (=schlecht).

Ein Erlenzapfen z.B. ist Natur, ergo gut. Eigentlich sollte es heißen der Erlenzapfen ist aus der Natur entnommen und die chemischen Bestandteile bei der Extraktion mit Wasser wirken gut.

Oder schreib mal einen Thread, dass Du wegen irgend einem Vorkommnis etwas aus einer Flasche ins Aquariumwasser geschüttet hast. Ich garantiere Dir mindestens 10 Antworten in Richtung Chemie=Mist.

Viele Grüße
Thomas


- Dennis Furmanek - 19.01.2011

Hallo,

Zitat:Ich garantiere Dir mindestens 10 Antworten in Richtung Chemie=Mist.

Von denen 9,5 Antworten nur so lauten, weil kein Schimmer der Wirkungsweise vorhanden ist.


- Rupert - 19.01.2011

Hallo Dennis,

Zitat:...kein Schimmer der Wirkungsweise vorhanden ist.

ist hier nicht oft auch das Problem, daß man oft nicht genau weiß was ein "Mittel" genau für Wirkstoffe enthält?

Kennt man die Inhaltsstoffe und kann nachvollziehen, wie diese zusammen oder einzeln wirken, sollte es ja weniger Probleme geben.

Kennst du vielleicht eine Seite, wo Inhaltsstoffe, der im Handel vertretenen Produkte, aufgeführt sind, gibt es sowas überhaupt?

Gruß Micha


- Tito - 19.01.2011

Hi Micha,

dann darfst Du aber nichts, erst recht keine Erlenzapfen, ins Becken werfen. Die Zusammensetzung kann man auch nirgends nachlesen, geschweige denn deren Wirkweise nachvollziehen.

Gruß
Thomas


- Dennis Furmanek - 19.01.2011

Hallo Rupert,

Zitat:ist hier nicht oft auch deas Problem, daß man oft nicht genau weiß was ein "Mittel" genau für Wirkstoffe enthält?

Die Chemie liefert die Antworten, da eben nur bestimmte Substanzen das gewünschte oder beobachtete Ergebnis liefern können.

Die Verdächtigen lassen sich zumindest eingrenzen und oft ist dann auch für die Praxis unerheblich, ob es nun die eine oder die andere Substanz ist.

So viele verschiedene Chemikalien werden eigentlich gar nicht eingesetzt.
Die Produkte für bestimmte Zwecke verschiedener Anbieter unterscheiden sich zwar im Detail, sind aber grundlegend, bedingt durch die zugrunde liegenden Naturgesetze, gleich zusammengesetzt.


- Balu - 19.01.2011

Hallo,

Chemie ist ja nicht gleich Chemie.

Ohne Chemie würde fast kein Ablauf funktionieren, aber darum geht es ja nicht.

Hier werden "unter Chemie" eher Substanzen verstanden, die man einsetzen kann, um sich das Leben leichter zu machen oder aber um schnelle Problemlösungen zu erreichen.

Da sehe ich das Problem. Es ist sehr einfach, sich etwas zu besorgen, was bei entsprechendem Einsatz eine positive Entwicklung auslöst.

Natürlich kann ich "Schnellstarter" in ein Becken einbringen, um es schnell besetzen zu können. Natürlicherweise ist das auch möglich, dauert aber länger.

Ich kann auch auf viele Krankheitszeichen mit Medikamenten einsteigen, und das Problem zu beheben. Oftmals kann ich aber gleiches dadurch erreichen, wenn ich die Haltungsbedingungen überprüfe und Mißstände abstelle. Kostet natürlich viel mehr Zeit und ich muss aktiv werden.

Es gibt Möglichkeiten, Wasseraufbereiter ins Becken zu geben, um den Reinigungsintervall hinaus zu zögern. Das ist deutlich bequemer, als ständig Wasser durch die Gegend zu tragen.

Diese Aufzählung könnte man sicherlich noch in vielen Punkten fortführen.


Ich bin kein Gegner von "Chemie im Aquarium", aber ich gebe zu überdenken, ob es immer sein muss oder ob es entsprechende Alternativen gibt.


- Ferrika - 19.01.2011

Tito schrieb:dann darfst Du aber nichts, erst recht keine Erlenzapfen, ins Becken werfen. Die Zusammensetzung kann man auch nirgends nachlesen, geschweige denn deren Wirkweise nachvollziehen.

Falsch. Es gibt zwar keine mg-genaue Zusammensetzung, aber die Inhaltsstoffe findest Du in jedem guten Botanik-Buch. Und die Wirkungsweise zu den Inhaltstoffen in einem guten Buch über die Wirkung von ätherischen ölen.


- Dennis Furmanek - 19.01.2011

Hallo,

Zitat:Es gibt Möglichkeiten, Wasseraufbereiter ins Becken zu geben, um den Reinigungsintervall hinaus zu zögern. Das ist deutlich bequemer, als ständig Wasser durch die Gegend zu tragen.

Nein, nicht wirklich. Was soll der Wasseraufbereiter denn dabei erreichen?