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Wasserwerte messen ?
#1

Wasserwerte messen

eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen

Einleitung:

Als Schüler mit 12 Jahren bekam ich mein erstes Aquarium – ein 25 Liter Rahmenaquarium mit
Glühlampenbeleuchtung. Damals gab es noch kaum Informationen zu Wasserwerten im Aquarium.
Literatur war teuer und Internet noch nicht erfunden.
Aus den wenigen Infos wuchs ein Forscherdrang, um die Zusammenhänge zu verstehen und aus den
wenigen Geldmitteln als Schüler das Bestreben für günstige Wege zur Messung der Wasserwerte.

Heute sind die Informationen unüberschaubar und vielfältig. Zu einer Frage kann man 100 Antworten
oder mehr finden. Hier die Zusammenhänge verstehen zu lernen, um unseren Pfleglingen möglichst
optimale Bedingungen zu bieten, ist viel schwerer als früher, wo es fast nichts an Informationen gab.

Ich bin der Ansicht, dass jeder Aquarianer einen Teil seiner Erfahrungen durch Informationen
beziehen kann. Aber umfassende Erfahrung kann man nur selber sammeln – selber erleben und die
vielen „Aha-Effekte“ selber kennenlernen. Der Aufsatz hier soll nur ein Hilfsmittel dazu darstellen.
Somit ist das der Versuch eine Anregung zu geben die Welt des Wassers unsere Pfleglinge besser
verstehen zu lernen.

Warum Wasserwerte messen?

Wenn wir erfahrene Aquarianer fragen, dann kann man sehr oft etwa die Aussage bekommen: „Ich
messe fast gar nichts (mehr) - die Fische und Pflanzen zeigen schon, wenn was nicht passt“.
Darin steckt meiner Meinung nach gleich einige Infos:

"gar nichts (mehr)": Jeder Aquarianer hat einmal mehr oder weniger intensiv gemessen, um die
Bedingungen und Besonderheiten seines Aquariums kennenzulernen - ist er einmal erfahren genug,
weil immer wieder dieselben Wasserverhältnisse und Aquariumverhältnisse vorliegen, dann ist das
richtig: man braucht kaum mehr messen, wenn man nicht züchtet oder besonders an Düngung oder
sonstigen besonderen Wasserzusammensetzungen interessiert ist. Heute kann ich selber in manchen
meiner Aquarien einzelne Wasserwerte besser schätzen als mit Tropftests messen. Das erfordert
allerdings gleichartige Bedingungen im Aquarium und selber hab ich halt schon über 45 Jahre
Erfahrung und Interesse. Erst mein Fotometer brachte wieder neue Möglichkeiten, z.B. gezielte
Düngung nach Messung um Veränderungen schon nach Stunden zu erfassen.

"Die Fische und Pflanzen zeigen schon, wenn was nicht passt.": Hier bin ich der Meinung, dass kein
Fisch zeigen soll, dass etwas im Wasser nicht passt - denn dann leidet der Fisch schon. Wir sollten
durch periodische Messungen oder gezielte Messungen und Maßnahmen verhindern, dass je ein
Fisch zu Schaden kommt. Und erst den Pflanzenbestand massiv zu schädigen, um dann
Gegenmaßnahmen einzuleiten, kann auch ganz schön teuer werden.

Warum ist es noch wichtig, selber Wasserwerte zu messen und Erfahrungen
zu gewinnen?

Bei einer Frage zu Wasserwerten kann man leicht 20 verschiedene Antworten bekommen - Beratung
heute (insbesondere über das Internet) ist eine schwierige Sache - zu viele verschiedene Erfahrungen
und Meinungen verunsichern mehr als sie helfen. Was bei einem im Aquarium funktioniert (oder
nicht), kann im eigenen Aquarium ganz anders sein.
Somit ist der beginnende Aquarianer gut beraten, sich grundlegende Informationen
anzueignen - aber die konkrete Erfahrung wird jeder Aquarianer nur selber
praktisch an seinen Aquarien bekommen, auch die Wasserwerte und deren Zusammenhänge. Erst
praktisch gemessen und die Entwicklung verfolgt und die Schwankungen und deren Gründe erlebt zu
haben, macht sicherer und fördert die Erfahrung.

Welche Wasserwerte wann und wie :
Streifentests/Tropftest:

Die größte Ungenauigkeit bei der Messung mit Tropftests oder Streifentests verursacht unser Auge!
Wir sind bei einer Farbe oft nur in der Lage Unterschiede von 200 Prozent oder mehr zu
unterscheiden (das ist die 2- oder 3-fache Farbintensität). Deswegen sind fast alle Tests 1-3-10
abgestuft (jeweils das 3-fache), weil das fast jeder unterscheiden kann.
Diese Tests sind nicht alle so ungenau, wie ihr Ruf es vermittelt, und in manchen Fällen reichen auch
"ungenaue" Streifentests.

Recht genau sind die pH-Messstreifen von Merck (und anderen Anbietern), welche 3 oder 4
Farbfelder haben und so eine Ablesegenauigkeit von 0,2 pH-Stufen ermöglichen. Problem dabei:
genaue Farbunterscheidung erforderlich.

Die pH-Messung als Teststreifen mit nur einem Farbfeld ist so gut wie immer zu ungenau für den
Aquarieneinsatz. Der pH-Wert kann zu niedrig und zu hoch für die Fische gefährlich werden - somit
rate ich hier mindestens zu verlässlichen Tropftest.

Nitrat als Streifentest ist zwar meist nicht sehr genau - da aber Nitrat im "schlechtesten" Fall Algen
fördert, aber Fischen kaum gefährdet, reichen auch Nitratteststreifen. Wobei man beurteilen mag,
ob solche Streifen denn überhaupt billiger kommen.
Heute kann ein hoher Nitratwert doch wieder etwas gefährlich werden, weil oft kaum das Wasser
bewegt wird, um „CO2 nicht auszutreiben“ (was bei etwas Wasserbewegung und etwas Durchlüftung
sowieso nicht erfolgt. CO2 ist leicht einbringbar – aber nur sehr langsam und schwer austreibbar).
Recht geringe Wasserbewegung kann nun im Aquarium zu einer unkontrollierbaren Denitrifikation
(durch Entzug von Sauerstoff erfolgten teilweisen Umsetzung von Nitrat zu Nitrit) kommen. Dadurch
können gefährlich hohe Nitritwerte auftreten.

Nitrit ist immens giftig für unsere Fische und Teststreifen können durch ungeeignete Lagerung (auch
Überlagerung) sehr rasch falsch oder gar nicht anzeigen. Nitrit kann in Stunden unseren ganzen
Fischbestand eliminieren. Somit empfehle ich für Nitrit Tropftests.

Ammonium/Ammoniak ist wieder je nach pH-Wert ein gefährliches Fischgift und sollte insbesondere
in der Einlaufphase eines Aquariums mit verlässlichen Tropftests gemessen werden.

Für Phosphat gibt es glaube ich sowieso nur Tropftest - auch ist Phosphat ja an sich für die Fische
nicht gefährlich.

Gefährlich kann zu viel Eisen werden – bei über 2 Milligramm pro Liter kann unter ungünstigen
Bedingungen Eisen in den Kiemen der Fische ausfallen und diese schädigen.
Bei Düngung ist die Messung von Eisen sehr wichtig, denn schon bei weit geringeren Mengen an
Eisen werden insbesondere Bartalgen und Büschelalgen massiv gefördert. Auch Eisen gibt es als
Tropftest (mit sehr unterschiedlicher Qualität).

Wenn wir schon bei Düngern sind: der gefährlichste aller Dünger ist CO2! Wenn man schon CO2
einsetzt, dann unbedingt einen Tropftest für CO2 besorgen - ein Zuviel an CO2 kann unseren
gesamten Fischbestand töten - und das geschieht meist mitten in der Nacht, wo auch Pflanzen kein
CO2 aufnehmen - also einmal den CO2-Verlauf seines Aquariums bestimmen. Die Berechnung von CO2
nach pH und KH durch häufig zu findende Formeln ist vollkommen ungeeignet, weil das viel zu
ungenau ist! Errechnete 5mg/l können auch 60mg/l sein.

Gleich "gefährlich" ist heute der Sauerstoffgehalt geworden - durch die Annahme, dass etwas
Wasserbewegung zu viel CO2 austreibt (was nicht stimmt, weil CO2 viel schwerer aus dem Wasser zu
bekommen ist als Sauerstoff, aber schon durch geringe Wasserbewegung ins Wasser kommt) haben
wir heute in Aquarien recht oft Sauerstoffmangel! Zusammen mit zu viel CO2 in der Nacht gibt es
kaum ein Aquarium mehr, wo die Fische in der Nacht ideal versorgt sind. 6 bis 7 Milligramm pro Liter
Sauerstoff könnten an sich immer im Aquarium sein - tatsächlich sind es oft sehr viel weniger - den
Sauerstoffgehalt mit einem (verlässlichen) Tropftest einmal im Tagesverlauf messen und wenn er
unter 5 Milligramm sinkt: Gegenmaßnahmen durchführen (Wasserbewegung/Durchlüftung).
Sauerstoffmessung erfolgt mit Tropftests.

Eigentlich hätten zu Beginn Gesamthärte und Karbonathärte stehen sollen. Haben wir Wasser und
Fische, die härteres Wasser bevorzugen, dann kommen wir mit Teststäbchen recht gut über die
Runden - auch wenn diese Teststäbchen zuweilen 100 Prozent Fehler und mehr anzeigen, macht das
bei hohen Härten kaum was aus.
Anders sieht es aus, wenn die KH gering ist, und diese im Zusammenarbeiten mit dem pH auch recht
rasch lebensbedrohliche Situationen im Aquarium schafft (Karbonathärte sinkt ständig etwas im mit
Fischen besetzten Aquarium). Hier ist ein verlässlicher Tropftest für Karbonathärte (und pH)
unerlässlich, und periodische Messungen überwachen die Grenzwerte.

Nochmal zu Düngern und mit Pflanzen zusammenhängenden Wasserwerte:
Häufigster Verursacher für Büschelalgen ist Eisen - für Grünalgenplagen ist aber fast nie Phosphat
oder Nitrat, sondern Kalium verantwortlich! Früher oft zu wenig wird heute oft überdngt - und
meist mangels Messmöglichkeit eben der Ersatzschuldige Phosphat oder Nitrat gesucht.
Kaliummessung mit Tropftest ist möglich und insbesondere für Pflanzenaquarianer und bei Algen
eine große Hilfe.

Chlorid ist ein weniger beachteter Wasserwert, welcher einerseits ständig dem Aquarium zugeführt
wird (Fütterung, insbesondere durch Trockenfutter) und sich mangels Messung oft anhäuft. Bei über
100 mg/l werden schon manche Pflanzen geschädigt und auch die Fische beeinflusst. Manche Fische
mögen kaum Chlorid und viele Fische reagieren durch Schleimabsonderung der Haut - was bei
Heilbehandlungen sinnvoll erscheinen mag. Ständig viel Chlorid (außer Brackwasserfische) kommt
aber einer ständigen Reizung des Fisches gleich.
Der Chloridwert ist auch ein guter „Altwasserindikator“ – besser als Nitrat. Bei einem gut bepflanzten
Aquarium wird Nitrat rasch verbraucht – Chlorid häuft sich aber deutlicher an, da es nicht so stark
von Pflanzen aufgenommen wird. In meinem Aquarium kann ich den Anstieg gut verfolgen.
Auch bei Senkung der KH durch verdünnte Salzsäure entsteht viel Chlorid, ebenso wenn wir Wurzeln
ins Aquarium geben wollen. Diese sind die oft mit Kochsalz konserviert und müssen gewässert
werden, bis kaum mehr Chlorid nachweisbar ist. Nach Kochsalzbädern wird man sich wundern, wie
lange man Wasser wechseln muss, bis Chlorid halbwegs geringe Werte hat. - Insofern ist Chlorid
nicht sehr gefährlich - aber immer wieder einmal interessant zu wissen, wie hoch es ist. Einen
Chloridtest gibt es als Tropftest.

Für Neueinrichtungen sind folgende Tropftests noch interessant bzw. um sein Leitungswasser einmal
kennenzulernen: Kupfer (giftig) und Kieselsäure (wegen Braunalgenplagen).

Andere Messmethoden:

Einige Wasserwerte kann man auch oder nur elektronisch messen.
Dazu gehört die Leitfähigkeit („Leitwert“), welcher eine Gesamtbeurteilung des Wassers in Bezug auf
Mineralgehalt zulässt.

Der pH-Wert elektrisch gemessen kann genauer sein - der Aufwand dafür ist nicht gering (billige
Geräte sind kaum genauer als Tropftests, teure mssen öfter kalibriert werden und zuweilen die
Elektrode getauscht werden - bei weichem Wasser versagen einfachere Geräte)

Weiters der Redoxwert, welcher eine Gesamtbeurteilung des Aquariumwassers insbesondere in
Bezug auf Abfälle und Filterleistung und gefährliche mögliche Sauerstoffreduktion zulässt. Dieser
Wert ist im Süßwasser nur schwer zu messen - es gibt aber auch eine chemische Messmöglichkeit mit
Indikatoren.

Ammonium, Nitrat, Chlorid und einige andere Stoffe können elektrisch mittels ionensensitiver
Elektroden gemessen werden - der Preis solcher Geräte ist für die Anwendung für Hobby-Aquarianer
zu hoch. Ich hatte so ein Gerät einmal zum Test. Es ist toll, aber eben teuer (kostete damals über 250
Euro pro Wasserwert).

Zuweilen gibt es auch einfache Fotometer, welche Tropftests für einen einzigen Wert verarbeiten
und anzeigen - sind aber dafür, dass nur ein einziger Wert gemessen werden kann, nicht gerade billig.
Multifotometer für verschiedenste Wasserwerte sind meist immens teuer.
Auf meiner privaten Homepage http://www.anton-gabriel.at wird aber auch der Bau eines Multifotometer
beschrieben, welches sehr viele Wassertropftests messen kann und recht günstig selber herstellbar ist.

Fast alle Tropftest können mit diesem Multifotometer gemessen werden und man bekommt eine 3
bis 20 mal höhere Genauigkeit und Nachweisgrenze der Tests. Außerdem muss man keine Farben
mehr vergleichen, und es ist keine Kalibrierung nötig (außer beim ersten Mal messen).
Die Kalibrierung ist sicher eine Hemmschwelle für den Privatanwender - sie ist aufwändig und relativ
teuer. Es gibt aber auch schon ein sehr günstiges Multifotometer samt allen Tests fertig kalibriert und sofort
messbereit zu kaufen.
Auf so ein Multifotometer fertig kalibrierte Tests beinhalten u.a.: pH-Wert, Kalium, Chlorid, Eisen,
Phosphat, Ammoniak, Nitrit und Nitrat sowie Sauerstoff usw.

Warum so genau messen – Beispiele:

Man kann auch auf 5 Prozent und genauer messen!

· Überdüngung oder mangelnde Düngerstoffe können schon Stunden nach der Düngung
gemessen werden und man kann gegensteuern (Wasserwechsel oder Zusatzdüngung). Mit
Tropftests kann man Veränderungen oft erst nach Wochen unterscheiden, weil z.B. der
Anstieg von 10 auf 30 mg/l Nitrat 2 Wochen dauern kann. Erst dann ist es auf der Farbtafel
von Tropftests die Farbe unterscheidbar. Im Fotometer misst man auch Unterschiede von 0,5
mg/l Nitrat nach Stunden oder am nächsten Tag.

· Nitritanstieg beim Einfahren oder durch einen toten Fisch kann man genau schon
messen, lange bevor der Wert gefährlich wird.

· Kalium als Dünger ist genau messbar und eine Grünalgenplage abwendbar.

· Chlorid zeigt rechtzeitig ein Altern des Aquariumwassers an – besser als Nitrat.

· Eisen kann in Spuren gemessen werden und für die Pflanzen verfügbar dosiert werden, ohne
massiv zu überdngen (was wieder Bartalgen fördert oder sogar Fischkiemen angreifen kann)

Alle Veränderungen dieser Werte misst man also genau schon sehr rasch Stunden bevor noch
Unheil angerichtet wird.

Schluss:

Jeder Aquarianer tut gut daran, sich wenigstens zu Beginn mit Wasserwerten und deren
Zusammenhängen zu beschäftigen und Erfahrung zu gewinnen. Manche Werte erscheinen wichtiger,
weil gefährlicher, manche Werte wieder interessieren nur Pflanzenaquarianer. Zu tun haben wir mit
Wasser und seinen Werten solange wir Aquarianer sind - mit Erfahrung vielleicht etwas weniger - bei
auftretenden Problemen wieder etwas mehr.
Wer erfahren sein will, wird es eben durch "erfahren" - das geht nicht alles durch Bücher oder
Beiträge wie dieser Beitrag - das geht nur praktisch mit seinem Aquarium - und ein Teilgebiet im
Aquariumalltag ist eben Aquariumchemie. Eine kleine Anleitung und Anregung dazu sollen diese
Seiten vermitteln.


Schöne Grüße und viel Erfolg

Anton Gabriel
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#2
Servus Anton

Zuerst: schöner, ausführlicher nächtlicher Artikel! Jetzt ein bis zwei ketzerische Bemerkungen:

Messen hilft erstmal nichts! Denn zum Messen müssen zwei wichtige Ebenen dazu: die Interpretation der Messwerte und - am allerwichtigsten - das Wissen, wie ein gemessener Parameter in der aquaristischen Praxis auch verändert werden kann!

Lass es mich mal ironisch sagen: Hier beißt sich die Katz' in den Schwanz.

Erfahrene Aquarianer - die im Laufe ihres aquaristischen Lebens tiefer in die Wasserchemie eingetaucht sind - messen in der Praxis immer seltener. (Genau den Thread hatten wir ja schon, findet ihn jemand? Muss auf der Höhe September 2013 gewesen sein... Ich war erfolglos im Finden.)

Und die Newbies, die noch engagiert farbige Reagenzien mit Wasser schütteln und zig Parameter messen, die stehen ihren Messwerten oftmals sehr hilflos gegenüber. Das demonstrieren uns doch die gefühlten 300 Anfragen in der Sektion Chemie hier, die alle panisch damit beginnen: "Hilfe, mein Ph-, KH -, Nitrat-, xxx-Wert ist zu hoch / zu niedrig! Ich weiß nicht warum, bin verzweifelt, was kann ich tun?"

Will sagen: Diejenigen, die mit Messerwerten was anfangen können, die messen nicht. Und die, die messen, stehen den Werten hilflos gegenüber.

Die immanente Tragik des Aquarianertums!
lächelt
Stefan cool
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#3
Hallo,

erst einmal vielen Dank für den wirklich ausführlichen Bericht Anton! top
Das liest sich alles recht leicht und verständlich.

Stefan hat schon Recht. Ich z.B. messe nur noch hin und wieder die Wasserwerte... und wenn, dann auch erst dann wenn es bereits zu einem Problem gekommen ist. Einfach nur so, um meine Vermutung zu bestätigen. Derzeit habe ich es plötzlich mit einer Pinselalgenphase zu tun. Ich hatte die Beleuchtung hoch gefahren und deswegen mehr gedüngt. Ich vermute mal dass es einfach viel zu viel Eisendünger war. Aber das lässt sich ja wieder korrigieren.

Ich bin auch der Meinung, dass man sich zu Anfang mit der Wasserchemie etwas vertraut machen sollte. Einfach um zu verstehen was da im Aquarium gerade passiert, wenn plötzlich ein Problem auftaucht. Und um dann eben gegensteuern zu können. Die Wasserwerte gehören zu den Grundsäulen der Aquaristik und deshalb sollte man sie verstehen.


Gruß Roland
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#4
Hi,

Also gerade am Anfang der Aquaristik habe ich wirklich rein garnichts gemessen. Die Tests waren als Schüler einfach zu teuer. Ich kannte zwar das System, da mein Vater das bei seinen Wildfang-Diskus eingesetzt hatte, empfand es aber für meine kleine Aquaristik irgendwie unnötig.
So richtig reingekniet habe ich mich eigentlich erst, als ich mit Schwarzwasser angefangen bin. Aber da bin ich im Moment auch bei einem Punkt, wo ich GH und KH z.B. garnicht mehr messe (sind irgendwie immer bei 1) und der PH einmal in der Woche überprüft wird. Manchmal aber auch mal 2 Wochen nicht.
Irgendwie bekommt man mit der Zeit den Bogen heraus, wie man was anmischen muss, um die passenden Werte zu erreichen.

Auf der anderen Seite denke ich mir, was bringt es, wenn ich als Anfänger den PH, die GH und die KH kenne, aber an den Werten sowieso nichts ändern kann, weil sie so aus der Leitung kommen?
Man könnte jetzt zwar dazu raten, dass die Leute ihre Wasserwerte einstellen, aber ich denke, hier wäre es einfacher auf gewisse Fischarten zu verzichten. Die Fischarten, bei denen man ein besonderes Augenmerk auf die Wasserwerte haben sollte, sind eigentlich auch nichts für Anfänger.

Gruss
Sascha
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#5
Hallo Anton,

DANKE für diesen interessanten Beitrag top

Ich habe Teststäbchen im Schrank gehabt, ein paar Wassertests mit gebrauchten Aquarien ergattert und im Mergus Aquarienatlas immer wieder gelesen und versucht, die Aquarienchemie zu begreifen und zu verstehen.
Das waren für mich jedoch immer böhmische Dörfer und das ist die Chemie - nicht nur im Wasser - auch heute noch.
Die Ergebnisse der Tests haben mich nicht wirklich weitergebracht, weil ich die Zusammenhänge gar nicht kapiere.

Als mein Händler mir vor vieeelen Jahren eine CO[SUB]2[/SUB]-Anlage aufschwatzte, änderte sich plötzlich der PH-Wert... Davon hatte er kein Wort erwähnt und ich stand ratlos da, den Fischen ging es schlecht, trotz des tollen Pflanzenwachstums. Ich habe dann auf seinen Rat hin weitere teure Produkte gekauft, ins Wasser gegeben, aber so richtig gefallen hat es weder den Fischen noch mir.

Meine Fische habe ich mir später passend zu unseren Göttinger Wasserwerten ausgesucht. Ich habe gelernt, auch darauf zu achten, was sie fressen wollen und seitdem lief es hier "rund". Die Aquaristik wurde dadurch leichter, eben viel weniger aufwändig.
Ich habe meine Tiere beobachtet und merkte, wenn etwas nicht stimmt. schnell an ihrem Verhalten. Da habe ich mit Filterreinigung oder Wasserwechseln reagiert und meist war dann schon wieder alles im grünen Bereich.
Krankheiten hatte ich seitdem nur sehr selten, Medikamente habe ich kaum geben müssen und die Fische lebten größtenteils sehr lange bei mir.

Das einzige, was wir ständig gemessen haben, war der Leitwert unseres kleinen Meerwasser-Aquariums.

Natürlich sollte ein Anfänger versuchen, in die Materie Aquarienchemie einzusteigen. Aber wer das ebensowenig begreift wie ich, sollte sich für Tiere entscheiden, die sich in seinem Leitungswasser wohlfühlen.
Und bei Fragen oder Problemen natürlich ein adäquates Forum befragen lach

Tiere (und Pflanzen) halten zu wollen, für die das Wasser aufbereitet werden muss, sollte man eben erst versuchen, wenn man schon die dafür ausreichende Erfahrung in der Aquaristik besitzt.
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#6
Hallo Anton,

schöner Artikel, auch wenn ich nicht überall bei Dir bin ;) Dennoch gut gemacht, ein schöner erster Leitfaden. Du bist mir, wenn ich das so sagen darf, etwas zu "Teststreifennahe". Wenn man heute über Teststreifen spricht, dann geht es zumeist um die Ratestäbchen aus dem Fachhandel. Für erste Tendenzen, zum Reinschnuppern, als "give away" oder als Erbstück aus einer Beckenauflösung kommen die meisten zum ersten mal damit in Kontakt.

Vielleicht mal einen ersten Hinweis zum Ratestäbchen: Zum Ratestäbchen gehört irgendwas, von wo ein einzelner Tropfen auf diese meist Mehrfachmessungen auf die Einzelfelder abgesetzt werden kann. Sprich: Nicht einfach den Teststreifen eintauchen, sondern zB mit einer Pipette die einzelnen Felder einzeln mit je einem Tropfen beträufeln. Die Ergebnisse werden schon besser, aber nicht gut. Aber man bekommt schon bessere Tendenzen.


Zumeist ist die Neugier dann geweckt. Es soll genauer werden und die "langweilige Chemie" wird schon etwas spannender ;) Tropfentests sollten dann zeitnahe folgen und die Sinnhaftigkeit zum "mehr ausgeben" wird deutlicher.


Persönlich finde ich es immer einfacher, einzelne Themengebiete miteinander zu verknüpfen. Die Stickstoffkette als Beispiel kann man recht einfach in einem Rutsch, aber verständlich erklären, so das auch Leute, die einfach keine Lust auch Chemie haben sie einmal durchquälen und dann aber wissen worum es geht.

Kurz: Ammonion wird (aufoxidiert) zu Ammoniak, Ammoniak wird zu Nitrit (Atemgifte), Nitrit wird zu Nitrat. Der Eintrag erfolgt in der Regel durch Futter. Nitrat ist erstmal ungegfährlich und ein Teil (neben z.B. Kalium) von Dünger, läuft auf und sammelt sich an, sofern nicht von Pflanzen verbraucht. Fertig. (> Hinweis warum Wasserwechsel nötig)

Nächster Schritt wäre nun das Redoxpotential neben der Erklärung was ist aerob und anaerob. Auch das geht Flott: Das Redoxpotential zeigt an, wie hoch oder auch niedrig im System die Oxidationsfähigkeit ist (wir erinnern uns: Die Stickstoffkette von Ammonion bis hin zu Nitrat). Es beschreibt die Reserve, die ein Aquarium hat um "vernünftig zu laufen" um die Stickstoffkette bei der Aufoxidation zur nächsten Stufe am Laufen zu halten. Das wäre die aerobe Kette. Aerob: Luft (Sauerstoff) wird benötigt. Fehlt anaerob. Das Endprodukt Nitrat müsste noch zerlegt werden. Hier benötigt man Bakterien, die mit Hilfe einer Kohlestoffquelle (zB Alkohol > einwertiger Zucker) in einem Luftarmen Raum (beginnt im feinen Bodengrund ab ca 1 cm) das Nitrat wieder zerlegen. In einem Nitratfilter wäre das Milieu O2 - arm, der Redoxwert wäre im Negativen, Nitrat wird "veratmet" und entweicht als Gas.

Mehr braucht kein Mensch zu wissen. Ab jetzt kann man das mit Formeln auskleiden, in die Tiefe gehen, etc... Aber erstmal weiß man, was gemeint ist (hoffe ich), und wir haben schon einen Wert mit drin, an den sich sonst kaum einer traut. ;)
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#7
Hi,

Ich hatte mir mal Teststreifen für den PH-Wert geholt. Diese waren genauso gut, wie Tröpfchentests. Das einzige Problem: Unter PH 6 waren sie total ungenau, soll heissen, sie haben unter PH 6 nichts mehr angezeigt, obwohl es laut Verpackung bis runter auf 4 gehen sollte. Aber das mag durchaus auch an den Huminsäuren, bzw. das dunkle Wasser gelegen haben. Da soll es ja auch bei den Tröpfchentests nicht mehr so 100% genau werden.
Aber für die Aquaristik ist das durchaus noch zu gebrauchen. Ich brauch keine Messung, die mir jeden 0,2 Schritt anzeigt.

Edit:
lonesome schrieb:..........
Kurz: Ammonion wird (aufoxidiert) zu Ammoniak, Ammoniak wird zu Nitrit (Atemgifte), Nitrit wird zu Nitrat. Der Eintrag erfolgt in der Regel durch Futter. Nitrat ist erstmal ungegfährlich und ein Teil (neben z.B. Kalium) von Dünger, läuft auf und sammelt sich an, sofern nicht von Pflanzen verbraucht. Fertig. (> Hinweis warum Wasserwechsel nötig)
.........

Was genau meinst du, was sich ansammelt und warum ein Wasserwechsel notwendig ist? Nitrat? Laut Gerd Kassebeer pendelt sich auch Nitrat irgendwo ein und steigt auch bei Altwasserbecken nicht ins Unendliche. Ich glaube eines seiner Altwasserbecken hatte einen Nitrat von 100mg/l und blieb da konstant.
Nicht falsch verstehen. Altwasserbecken sind was besonderes. Dennoch ist für mich Wasserwechsel etwas, was man unbedingt selber ausmachen muss und eigene Erfahrungen sammeln muss. Ich z.B. mache kaum Wasserwechsel und wenn, dann eher wenig (alle 3-4 Monate ca. 20-30%). Zumindest bei dem Becken, welches mit Leitungswasser läuft. Bei denen, die ich mit Torfwasser und destilliertem Wasser betreibe, mache ich grössere Wasserwechsel, sobald der PH einen bestimmten Punkt überschreitet. Bei mir steigt der PH leider irgendwann an, was aber durchaus dadran liegen kann, dass ich einen Teil Leitungswasser zumische.

Gruss
Sascha
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#8
lonesome schrieb:Kurz: Ammonion wird (aufoxidiert) zu Ammoniak, Ammoniak wird zu Nitrit (Atemgifte), Nitrit wird zu Nitrat.

HEYA, die klugen Erklärer

Helfen soche Erklärungen eigentlich was? Nee. Formeln sind ein verkürzter Ausdruck spezieller Fachsprachen, sei es in der Chemie, der Mathematik oder - in meiner Disziplin - der Logik. Und ob ich das jetzt formal oder in explizit ausgesprochener Sprache darstelle - ist gehüpft wie gesprungen!

p => q <=> ~q => ~p Auch wenn wir es verbal ausformulieren: p impliziert material q ist äquivalent zu non-q imliziert non-p.

Hilft Euch das Zweite was? Mal ehrlich: So oder so hilft es nicht!

Das Einzige, das hilft ist, die Formeln in konkrete Handlungsanweisungen zu übersetzen.

Aquaristisch konkret: Niemand muss etwas über Nitrite und Nitrate wissen, über Ammonium oder Ammoniak, über Nitrobakter oder Nitrosomonas. Cum grano salis gesprochen: Es genügt vollkommen, einem aquaristischen Newbie eine konkrete Handlungsregel zu geben: "Baue Dein Becken auf, schmeiß ein paar Krümel Trockenfutter rein - und lasse es vier, fünf Wochen stehen."

Da muss niemand wissen, wie die Nitrifizierung abläuft, was ein Nitrit-Peak ist. Es genügt vollkommen, den Peak in der Praxis zu vermeiden. Eine klare operationale Handlungsanweisung regelt das.

So geht man mit Fachsprachen und Terminologien effektiv um. Alles Andere und Tiefere ist Hobby interessehalber. Kann man, muss man aber nicht. Man MUSS sich das Leben nicht schwer machen.

My 5 Cents,
Stefan

P.S. Der Editor hier kann die logischen Zeichen noch nicht mal darstellen! Roland, das wäre aber zu ändern! Ein bisserl Logik sollte auch hier schon zu finden sein...
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#9
Moin
Ich mach nur noch alle sechs Monate einen Nitrattest um zu sehen ob der Vodkafilter noch tut, wenn ja alles in Ordnung wenn nein etwas mehr Vodka rein. Alle anderen Werte interessieren nicht, mal von der Temperatur in recht weiten Grenzen abgesehen. Ph Elektrode ist schon lange eingetrocknet - macht nix. Ansonsten wird nichts gemessen.

Alfred
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#10
Zitat:Was genau meinst du, was sich ansammelt und warum ein Wasserwechsel notwendig ist? Nitrat? Laut Gerd Kassebeer pendelt sich auch Nitrat irgendwo ein und steigt auch bei Altwasserbecken nicht ins Unendliche. Ich glaube eines seiner Altwasserbecken hatte einen Nitrat von 100mg/l und blieb da konstant.
Nicht falsch verstehen. Altwasserbecken sind was besonderes. Dennoch ist für mich Wasserwechsel etwas, was man unbedingt selber ausmachen muss und eigene Erfahrungen sammeln muss. Ich z.B. mache kaum Wasserwechsel und wenn, dann eher wenig (alle 3-4 Monate ca. 20-30%). Zumindest bei dem Becken, welches mit Leitungswasser läuft. Bei denen, die ich mit Torfwasser und destilliertem Wasser betreibe, mache ich grössere Wasserwechsel, sobald der PH einen bestimmten Punkt überschreitet. Bei mir steigt der PH leider irgendwann an, was aber durchaus dadran liegen kann, dass ich einen Teil Leitungswasser zumische.

Gruss
Sascha

Na du beschreibst ja schon eine Regelmäßigkeit. Aus Kundenkontakten kann ich Dir sagen, das da durchaus mehr geht. Werte im Nitrat bis zu 300 mg/l sind und waren da nicht selten.

Bei deinen becken gehe ich mal davon aus, dass sie dicht bepflanzt sind, du das Altwasser wegen deiner Tiere auch mit etwas Absicht betreibst. und: du wirst kaum überbesetzten, oder?

In Becken wo mehr Futter zugegeben werden muss weil auch die Fische größer werden und weniger Blümchen sind wäre i h gespannt, ob die These zu halten ist.

@ Stefan

kurz und prägnant alle Begriffe in der Reihe, die Angst ist genommen, und auch hier kann ich dir aus kundenkontakten sagen: klappt nicht. Die Fische schwimmen früher. Dann lieber erklären warum sie nicht schwimmen sollen, man hat vor den Tieren was zu tun mit den Messungen und man nutzt die Phase der Euphorie. Klappt zwar auch nicht immer, aber immer häufiger.
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